Kritische Wasserversorgung am Ellenbach – Klimakrise, Grundwasserschutz und neue Herausforderungen

Der Klimawandel und die intensive Nutzung natürlicher Wassersysteme haben am Ellenbach in Mittelfranken zu einem drastischen Absinken des Grundwasserspiegels und zum zeitweisen Austrocknen des Baches geführt. Das Beispiel zeigt, wie stark Trinkwasserentnahmen lokale Ökosysteme beeinflussen und welche Konflikte zwischen Versorgungssicherheit, Naturschutz und nachhaltigem Wassermanagement entstehen. Um langfristig eine stabile und gerechte Wasserversorgung sicherzustellen, sind mehr Brunnen, ein umfassender Grundwasserschutz sowie klare gesetzliche Regelungen erforderlich.

Bildquelle: Eigene Aufnahme am Ellenbach

Der Klimawandel und die intensive Nutzung unserer natürlichen Wassersysteme können dazu führen, dass Bäche austrocknen und die Grundwasserspiegel dauerhaft kritisch absinken. Denn die Grundwasserneubildungsrate hat sich deutlich verringert – in ganz Bayern, aber besonders in Franken.

Diese Entwicklung muss für jede Grund- und Trinkwasserentnahme stetig beobachtet und bei kritischer Absenkung müssen geeignete, wirkungsvolle Maßnahmen zur Abmilderung ergriffen werden. Behörden und Wasserversorger stellt dies vor neue Herausforderungen. Zudem braucht es die Zivilgesellschaft und Naturschutzverbände, die auf kritische Entwicklungen vor Ort rechtzeitig hinweisen.

Wasser ist das Lebensmittel schlechthin, und es braucht mehr Engagement für seinen Schutz. Wir GRÜNEN im Bayerischen Landtag bearbeiten das Thema Wasser in seiner Vielfältigkeit seit Jahren sehr intensiv und entwickeln immer wieder Lösungsoptionen. Und dafür suchen wir immer wieder den Austausch mit den verschiedensten Playern – wie zuletzt am Ellenbach bei Arberg bzw. Bechhofen und im Sommer 2025 mit einer Wassertour durch Bayern.

Der Ellenbach ist in unserer Region wie ein Seismograf, der exemplarisch die Sensibilität unserer Wasserversorgung darstellt, bei dem jeder Eingriff große Auswirkungen haben kann. Seit 2019 fördert der Zweckverband Reckenberg-Gruppe Trinkwasser aus dem Bereich des Naturschutzgebiets Ellenbach. Die wasserrechtliche Genehmigung des Landratsamts Ansbach erlaubt der Reckenberg-Gruppe bis 2028 jährlich bis zu eine Million Kubikmeter Wasser zu fördern und zu ihren Kunden zu transportieren. Dem Start der Trinkwasserversorgung war ein jahrelanges Genehmigungsverfahren vorausgegangen, bei dem vor allem der Bund Naturschutz und wir GRÜNEN immer wieder auf mögliche negative Auswirkungen hingewiesen haben.

Vorausgegangen war u. a. eine Schriftliche Anfrage an die Bayerische Staatsregierung von mir im März 2025 und ein Besuch im Jahr 2023 mit Dr. Toni Hofreiter.

Mit meinem Fachkollegen Patrick Friedel und der Fraktionsreferentin Regina Mühlbauer haben wir den Ellenbach im Landkreis Ansbach nun nochmals bewusst ausgewählt, um bei einem Vor-Ort-Termin im Rahmen der Wassertour 2025 auf die Situation aufmerksam zu machen und uns Informationen aus erster Hand einzuholen. Unserer Einladung waren das Landesamt für Umwelt (LfU), das Wasserwirtschaftsamt Ansbach (WWA), die Reckenberg-Gruppe, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) sowie der Bund Naturschutz Bayern und die Kreisgruppe Ansbach gefolgt. Herr Kammerbauer, der 2020 eine Petition an den Bayerischen Landtag zum Ellenbach eingereicht hat, war natürlich ebenfalls dabei.

Der Ellenbach ist erstmalig im Jahr 2020 ausgetrocknet. Ein Zusammenhang mit dem Start der Trinkwassergewinnung im Jahr 2019 ist belegt. Ein großer Pumpversuch mit erhöhten Entnahmemengen hat eindeutig aufgezeigt, dass der Bach sehr stark auf die Wasserentnahme der quartären, relativ oberflächennahen Brunnen reagiert. Nach dem Pumpversuch im Jahr 2022 ist der Bach abermals ausgetrocknet. Das LRA Ansbach hat per Bescheid Grenzgrundwasserstände festgelegt, bei deren Unterschreitung die Entnahmemenge zu reduzieren ist und eine Stützung des Baches durch Rohwasser aus den Brunnen zu erfolgen hat.

Ralph Neumeier, Vizepräsident, und Dr. Ute Lauber vom LfU haben dieses Vorgehen beim Ortstermin nochmals vorgestellt. Christof Lautner, Leiter der Reckenberg-Gruppe, hat darauf hingewiesen, dass im Jahr 2024 lediglich 600.000 m³ Wasser gefördert wurden. Erlaubt wären 1 Million m³. Die Wasserverluste liegen bei nur 3–4 %. Das Wasserwerk ist auf eine Entnahme von 60 l/sec ausgelegt. In kritischen Zeiten wird auf 30 l/sec reduziert. Aus technischen Gründen kann unter 30 l/sec jedoch nicht reduziert werden.

Herr Kammerbauer hat sein Unverständnis geäußert, dass 30.000 m³ pro Jahr wertvolles Trinkwasser in den Bach geleitet werden. Sicherlich gut für den Bach – aber eine Verschwendung des wertvollen Wassers. Die lokale Absenkung des Grundwasserspiegels hat aber Auswirkungen über den Abfluss im Bach hinaus – der Wald ist ebenfalls betroffen, und hier wird nichts getan, so Kammerbauer.

Der Bund Naturschutz, vertreten durch Renate Götzenberger, Marion Henzel, Jonas Kaufmann und Peter Hirmer, sprach diese Problematiken ebenfalls an. Es fehle ein Grundwassermodell, und die ökologischen Auswirkungen auf Feuchtgebiete und das Naturschutzgebiet sind nicht ausreichend beachtet.

Herr Nußbaum vom Landratsamt Ansbach erläuterte, dass der Genehmigungsbescheid Ende 2028 ausläuft. Alle Beteiligten begrüßten die Feststellung, dass man nicht bis zum letzten Tag mit einem neuen Bescheid warten müsse.

Als Fazit kann ich mit meinem Kollegen Patrick Friedel festhalten: Die Klimakrise spitzt viele bisher unproblematische Versorgungen zu. Bei der Trinkwassergewinnung muss es uns gelingen, mehr Brunnen zu erschließen und den Verbrauch zu reduzieren. Durch einen flächendeckenden Grundwasserschutz könnten z. B. in Westmittelfranken geschlossene Brunnen wegen Nitratbelastung wieder aktiviert werden. Digitale Wasseruhren sind dringend notwendig, ebenso ein Wassercent, der für alle gilt. Zudem sollte in heißen Sommerwochen die sinnvolle Verwendung von Trinkwasser durch öffentliche Aufrufe unterstützt werden – bis hin zu einem Verbot von Rasensprengen mit Trinkwasser.

Für weitere Maßnahmen für einen echten Wasserschutz siehe auch unseren grünen Gesetzesentwurf:
SAN: Austrocknung des Ellenbachs Landkreis Ansbach

https://www.gruene-fraktion-bayern.de/presse/pressekonferenzen/gruener-gesetzentwurf-zur-aenderung-des-bayerischen-wassergesetzes/

 

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