26.07.2020

Unser Wald im Umbruch - Besuch im Staatsforst Rothenburg am 24.7.2020

Es hat zwar heuer etwas mehr geregnet - aber die Situation in unseren Wäldern ist alarmierend. Die trockenen Hitzejahre 2018 und 2019 haben unzählige Bäume geschädigt. Der Wald braucht dringend unsere Hilfe! Es geht ums Ganze!
v. li: Norbert Flierl, Ingrid Eichner, Bernhard Schmid, Oliver Rühl ©Foto: Eigene Aufnahme

Am 24. Juli war ich gemeinsam mit Ingrid Eichner, Bernhard Schmid und Oliver Rühl von den Ansbacher Grünen mit dem Leiter unseres staatlichen Forstamtes in Rothenburg, Herrn Norbert Flierl unterwegs. Insgesamt ist der Forstbetrieb Rothenburg in 10 Reviere unterteilt – das zehnte Revier in Ansbach kam erst vor wenigen Wochen dazu. 

Die Trockenheit in Franken ist zwar 2020 etwas weniger dramatisch wie 2018 und 2019 – aber die Niederschläge sind auch heuer viel zu gering. Neben der Fichte, der Kiefer der, Lärche, der Tanne leiden auch viele Laubbaumarten. Hier ist bei uns vor allem die Buche zu nennen, die natürlicherweise rund 80 % unserer deutschen Waldes stellen würde. 

Die Eiche kommt mit der Trockenheit noch am besten zurecht. Sie ist zwar oft von Raupen befallen (Eichenprozessionsspinner und weiter nördlich der Schwarmspinner), aber trotzdem ist sie vital. In jedem Fall darf nur in absoluten Ausnahmefällen Eichen wegen dem Eichenprozessionsspinner gefällt werden. Es gilt um jede Eiche zu kämpfen. 

Die Hoffnung ist auch, dass die nächste Generation an Buchen die Trockenheit von Jugend an stärker gewohnt ist und überleben kann, so Norbert Flierl.

Auf den Flächen, auf denen die Nadelhölzer Fichte, Kiefer, Tanne, Lärche immer stärker ausfallen, werden im Rothenburger Forstamt soweit nicht vorhanden mindestens immer vier Baumarten eingebracht. Das sind meist Eiche, Spitzahorn, Elsbeere, Speierling Vogelkirsche und teilweise die Esskastanien. Diese Laubbäume werden auch als Trockenlaubholz bezeichnet. Es werden auch Versuche mit der Atlaszeder und der Küstentanne unternommen. Flierl ist von der Risikostreuung überzeugt. Mehr zu Baumarten im Klimawald unter diesem Link

Leider wird die Eiche massiv verbissen – sie muss gezielt geschützt werden. Es muss – in den kommenden 10-20 Jahren, in denen der Waldumbau massiv vorangetrieben werden muss bzw. durch die Erdüberhitzung ohnehin stattfindet,  ganz klar heissen „Wald vor Wild“.  Mit den derzeitigem Verbiss – in vielen Revieren haben wir einen Verbiss bei Tanne und Eiche von über 80 % - funktioniert es nicht. Das Verbissgutachten aus dem Jahr 2018 zeigt die negative Bilanz. Klare Vorgaben sind nötig: Abschußpläne, die auch übererfüllt werden dürfen, Jagdzeiten bis Ende Januar, Entrümpelung des Jagdrechtes, einen körperlichen Nachweis, dort, wo es nicht klappt und vieles mehr. 

Denn selbst im zusammenhängenden Staatswald bei Linden, wo die Jagd intensiv betrieben wird, kommt die Eiche nicht hoch. Zuviel Rehwild drückt aus den anliegenden Privatwäldern rein und verhindert ein Aufkommen der Eiche. Diese wird dann von Fichte , Buche u.a. wieder überwachsen, weil diese nicht bzw. weniger verbissen werden. 

Eine spannende Diskussion ist die Frage der CO2-Senkenleistung des Waldes und die Abwägung der Nutzung. Wälder, die stark genutzt werden, binden am meisten CO2, da sie einen hohen Zuwachs haben. Nimmt man immer mehr Wälder aus der Nutzung, so nimmt die CO2-Bindung ab, da die alten Bäume, die jetzt ja alle stehen bleiben, weniger Zuwachs haben (Magazin Klimawald 2.0, S. 58)

Nach meiner Meinung muss es einfach eine gute Mischung sein. Ja, es stimmt, dass die Bäume im Teenager-Alter am meisten wachsen und CO2 einlagern. Aber auch verbliebenes Totholz speichert über viele, viele Jahre CO2 und fungiert zudem als Wasserspeicher. Es muss, so meine Überzeugung, große, zusammenhängende Bereiche geben, die vom Mensch unbeeinflusst sind und sich die Natur selbst überlassen wird. Auch um den anstehenden Umbruch unserer Wälder besser zu verstehen und richtig zu reagieren. Im großen zusammenhängenden Staatswald bei Linden sind grössere Bereiche aus der Bewirtschaftung genommen. In ganz Bayern sind in den Staatsforsten rund 10 % nicht bewirtschaftet – allerdings muss man dazu sagen, dass die Hälfte aus nicht bewirtschaftbaren Wäldern besteht vor allem in den Hochalpen (Latschenkiefern…). Diese 5 % in den Staatsforsten, die derzeit nicht bewirtschaftet werden, stellen von der ganzen Waldfläche wiederrum nur 1,5-2 % der Waldfläche dar. Und als Argument gegen einen neuen Nationalpark greift dieses Argument der CO2-Senke auch nicht wirklich, denn ein  neuer Nationalpark mit 10.000 – 20.000 ha Fläche würde von den insgesamt 2,6 Millionen ha Wald in Bayern nur 0,4 – 0,8 % abknapsen. Das muss es uns wert sein! 



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