In Feuchtwangen ist der Bau einer grossen Gemeinschaftsbiogasanlage geplant. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Biogasanlagen soll hier das Biogas nicht in einem Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt werden, sondern es soll in das Gasnetz eingespeist werden. Dafür muss das Rohbiogas aufbereitet werden, damit es die gleichen Eigenschaften wie Erdgas aufweist und in herkömmlichen Gasheizungen eingesetzt werden kann.
In Feuchtwangen laufen die Planung unter der Federführung der Stadtwerke Feuchtwangen. Am Betrieb und der Geschäftsführung wollen sich die Stadtwerke aber nur beteiligen und nicht selbst als Betreiber auftreten.
Eckpunkte des Projektes:
Größe Biomethananlage: 44 GWh Biomethanproduktion (erste Ausbaustufe), 88 GWh (zweite Ausbaustufe)
Standort: Südlich der AN 36 Krobshausen – Gehrenberg (Naturpark Frankenhöhe)
Vorteile:
- Am Standort ist eine Gasleitung vorhanden
- Biomethan = CO2 -armer Brennstoff
- In Altstadt liegen bereits Gasleitungen – ohne Tiefbauarbeiten können Gasheizungen mit geringem CO2 -Emissionen betrieben werden
Nachteile:
- Flächenbedarf von 920 - 1100ha
- Kosten Biomethan für Verbraucher höher als herkömmliches Erdgas
- Ineffiziente Verbrennungstechnik im Gegensatz zu Wärmepumpen
- Lärm und Emissionen durch Lieferverkehr
Ziele:
- Deckung des Gasbedarfs der Stadt Feuchtwangen. Dieser wird von Stadtwerken Feuchtwangen ab dem Jahr 2030 mit 44 GWh pro Jahr prognostiziert
- Erhalt und weitere Nutzung des bestehenden Gasnetzes
- Produktion Biomethan zu günstigen Preien (geplant sind 12 Cent/kwh für Endkunde)
Grundlage der Daten: Dekarbonisierungstudie der Stadt Feuchtwangen in Zusammenarbeit mit der HS Ansbach. Erarbeitet wurde die Studie im Zeitraum 01.10.2021 - 31.03.2022. Die Mitarbeiter und Autoren der Studie Jungwirth, Haupt und Hoffmann sind heute nicht mehr an der Hochschule tätig. https://forschung.hs-ansbach.de/de/forschungsprojekt/171-dekarbstudie_stwf
In der Zeitschrift für kommunale Stadtwerke ist ebenfalls das Feuchtwanger Projekt näher erläutert. https://www.zfk.de/energie/waermewende/feuchtwangens-biomethan-plan
Aktueller Einschub vom 10.8.26: Die Futterknappheit nimmt im Hitzesommer immer grössere Ausmaße an. Der BR berichtet dass zunehmend Landwirte Rinder schlachten, da das Futter für den Winter nicht reichen wird.https://www.br.de/nachrichten/bayern/futterknappheit-landwirte-muessen-eigene-loesungen-finden,VRbDGz2?UTM_Name=Web-Share&UTM_Medium=Link&UTM_Source=Link
Meine Einschätzung zum Projekt:
Generelle Notwendigkeit
In den letzten 5 Jahren hat die Wärmepumpentechnologie einen enormen Sprung gemacht, zum Beispiel durch neue klimafreundlichere Kältemittel die auch höher Temperaturen ermöglichen und elektronischen Expansionsventile, aber auch bei Regelungs- und Steuerungstechnik.
Die damals getroffenen Aussagen, dass eine Wärmepumpe ein Haus im Bestand, in der Altstadt nicht effizient beheizen kann, sind so nicht mehr zutreffend. Heute ist der Beheizung mit einer Wärmepumpe bzw. einem kalten Nahwärmenetz (Details unten) nach meiner Einschätzung weitaus effizienter und am Ende für alle kostengünstiger. Eine Biomethananlage für die Erzeugung von Biomethan um Wohnhäuser zu beheizen, sehe ich deshalb als nicht notwendig und ineffizient an.
Flächenbedarf:
Eine detaillierte Berechung des Flächenbedarf der bestehenden Biogasanlagen und der neuen Biomethananlage folgt unten.
Hier nur die Kurzfassung:
Berechnung zu Flächenbedarf Biogasanlagen zur Erzeugung Strom und Wärme (kein Biomethan!):
Im Stadtgebiet Feuchtwangen erzeugen heute bereits 10 Biogasanlagen erneuerbaren Strom und Wärme: Sommerau, Hinterbreitenthann, Larrieden mit vier Anlagen, Krapfenau, Volkertsweiler St. Ulrich und Weiler am See.
Zusammen haben die Biogasanlagen eine Leistung von rund 5.530 KW und erzeugten im Jahr 2024 eine Strommenge von 29,8 Millionen kWh. Auf einem Hektar kann durchschnittlich eine Strommenge von 20.845 kWh erzeugt werden. Der Flächenbedarf für die Erzeugung der oben genannten Strommenge lag im Jahr 2024 bei 1.430 ha. Auf der Gemarkung Feuchtwangen befinden sich insgesamt 7.800 ha landwirtschftliche Nutzfläche.
Der Anteil der landwirtschaftlichen Flächen, auf denen schon heute Energiepflanzen für die Erzeugung von Biogas angebaut werden, beträgt somit 17 %.
Inwieweit heutige Betreiber von Biogasanlagen ihren Anlage reduzieren und dadurch die Inansprucnahme von Fläche fällt, ist offen und deshalb hier nicht berücksichtigt.
Flächenbedarf Biomethananlage
Für die geplanten 44 GWh Biomethan in der ersten Ausbaustufe sind rund 1.040 ha erforderlich. Die Zahlen der Stadtwerke nennen 920 ha. Ich habe jedoch angesichts der Klimakrise und dem Rückgang der Erträge, wie wir es heuer massiv beobachten, eine 20 %-igen Zuschlag eingeplant. Die detaillierte Berechnung findet sich unten.
Durch die geplante Biomethananlage würde sich somit die Fläche auf 2.470 ha erhöhen. Dann würden 31,7 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche für Energiepflanzenanbau genutzt. Dies hätte starke Auswirkungen auf Pachtpreise und würde Druck auf Fläche stark erhöhen.
Bei Realisierung der zweiten Ausbaustufe mit einer Biomethanproduktion von 88 GWH würden nochmals 980 ha Fläche mehr beansprucht werden. Damit würde die Fläche für Energiepflanzen auf 3.510 ha steigen (1.430 ha Biogasanlagen, 1.040 ha erste Ausbaustufe Biomethananlage, 1.040 ha zweiten Ausbaustufe). Das entspricht 45,0 % der lawi. Nutzfläche.
Klima
Durch Zuspitzung der Klimakrise mit Dürrezeiten, extremen Temperaturen und Extremwetterereignissen ist mit einem geringeren Ertrag pro Fläche in Zukunft zu rechnen. Damit würde sich einerseits die benötige Fläche für die Gemeinschaftsbiogasanlage erhöhen.
Im Jahr 2026 liegt der Rückgang der Erntemengen aufgrund der Hitze und der Dürre bei rund 10 %. Bei den Spätsommerarten wie Mais wird dieser Wert wohl noch deutlich übertroffen. Diese Situation ist europaweit und zeigt die Verschärfung der Klimakrise. Das ist aber trotzdem nur ein Vorgeschmack auf das künftige Wetter. Die Klimaprognosen sagen einen weiteren Anstieg der Temperaturen, eine Zunahme der extremen Wetterlagen mit Starkregen voraus.
Ich hatte ursprünglich einen Klimazuschlag von 10 % eingerechnet. Da dies bereits heuer eintritt, setze ich die Reduktion auf 20 % an. Es wird immer wieder Jahre geben mit einer guten Produktion. Aber die Gefahr von Dürre, Hitzewellen, Hagel, Starkregen, Überschwemmungen getroffen zu werden, steigt von Jahr zu Jahr. Deshalb sollten wir genau bedenken inwieweit wir Projekte mit einer Laufzeit von 20 Jahren planen und einem sehr hohen Einsatz von Energiepflanzen, wenn andererseits der Flächenbedarf aufgrund Rückgang der Ertragsleistung für Anbau von Lebens- und Futtermitteln steigt.
Siehe hierzu aktuellen Beitrag aus dem landwirtschaftlichen Wochenblatt:
https://www.wochenblatt-dlv.de/maerkte/hitze-drueckt-ernte-bringt-bauern-hoehere-preise-585811
Fazit zum Thema Flächenverbrauch: Ein Drittel unserer landwirtschaftlichen Nutzfläche für Energiepflanzenanbau zu verwenden ist deshalb für mich über dem Limit. Die zweite Ausbaustufe mit einem Anteil von 45 % übersteigt komplett das Limit.
Was wären Alternativen, um Häuser in der Altstadt mit hohem Energiebedarf zu heizen?
Zentrales System:
1. Klassische Nahwärmenetze mit heißem Wasser und einer zentralen Anlage können effizient Wärme erzeugen. Das System hat leider den Nachteil, dass beim Bau bekannt sein muss, wer sich alles anschließt und danach eine nachträglicher Anschluss nur in begrenztem Umfang möglich ist. Die Tiefbauarbeiten sind auch sehr umfassend. Leider wurde die Chance bei Tiefbauarbeiten in der Altstadt im Rahmen des Ausbaus von Glasfaser nicht genutzt. Viele Hausbesitzer haben heute noch eine funktionierende Heizungen und werden kein Interesse bekunden - so auch die Erfahrung der Energieagentur Triesdorf, die für 28 Kommunen gerade Wärmepläne macht.
2. Alternative: kaltes Nahwärmenetz - Kunststoffrohre werden in 1 m Tiefe verlegt und nicht gedämmt. In den Rohren zirkuliert Wasser, dass lauwarm gehalten wird (10-15 °). Aus diesem Wasser ziehen die Häuser mittels einer Wärmepumpe (jedes Haus braucht seine eigene WP) die Energie, transformieren Wärme mittels WP hoch auf 50-60 °C für ihren Heiz/WW-Bedarf und heizen ihr Haus. Das ist hocheffizient. Die 10-15 ° werden durch oberflächennahe Geothermie erzeugt - Sondenfeld am Rand der Altstadt. Die Tiefbauarbeiten sind einfacher als bei herkömmlichen Nahwärmenetzen. Vorteile sind, dass jeder sich anschließen kann, wann er will. Die Kosten des Wärmenetzes bei Bau und Unterhalt sind zudem relativ gering. Details aus sehr gutem Projekt hier:
https://zukunft-mittelahr.de/nahwaerme/kalte-nahwaerme/
Alternative dezentrale Lösungen:
Wärmepumpen haben in den vergangenen 5 Jahren einen enormen Effizienzsprung gemacht. Es gibt viele Beispiele, wie auch Gebäude mit hohem Wärmebedarf (an der Stadtmauer) und normalen Heizkörpern (keine Flächenheizungen) sehr effizient und günstig mit Wärmepumpen betrieben werden können. Als Beispiele kann ich zahlreiche Wohnhäuser nennen, die in den letzten Jahren bei unserer Aktion „Tag der erneuerbaren Energien“ mitgemacht haben. https://ansbach.bund-naturschutz.de/arbeitskreise/ak-energie-klimaschutz/tag-der-erneuerbaren-energien-2026
Insgesamt werden die Kosten für den Betrieb einer Gasheizung steigen, da die Netzkosten auf immer weniger Haushalte umgelegt werden müssen. Der Unterhalt einer Gasnetzinfrastruktur ist für mich generell zu hinterfragen. Wir verlängern mit der Biomethananlage diese Nutzung auf weitere 20 Jahre. Den Nutzern muss klar sein, dass sie von Jahr zu Jahr weniger werden. Die N-ergie hat tausende Abmeldungen von Gaskunden im privaten Bereich und viele im gewerblichen Bereich. Auch RESRG Automotive (ehemals Rehau) will als bisheriger grösster Erdgaskunde in Feuchtwangen mit einem Verbrauch von 40 GWh aus der Erdgasnutzung aussteigen und in eine umfassende Elektrifizierung einsteigen. Die Letzten zahlen die Zeche für den Erhalt des Gasnetzes.
Fazit zum Thema Deckung Wärmebedarf Feuchtwangen:
Den Betrieb des Feuchtwanger Gasnetz durch den Neuinstallation einer Biomethananlage mit einer Laufzeit von 20 Jahren bis ins Jahr 2050 zu verlängern, ist der falsche Weg. Ich kann aus betriebswirtschaftlichen Gründen den Willen nachvollziehen, das bestehende Gasnetz weiter zu nutzen. Langfristig ist es aber teuer und in weiten Teilen des Netzgebietes nicht notwendig. Und aus Sicht des Klimaschutzes verlängert es nur das Auslaufen der Gasheizungen, da durch das Projekt Gasheizungen als Alternative angepriesen werden. Der Umstieg auf wirklich klimafreundliche Lösungen mit Wärmepumpen wird hinausgezögert. In der Realität werden die Feuchtwanger Haushalte mir einer bestehenden Gasheizung weiter Erdgas beziehen, da dies günstiger im Einkauf ist. Das Biomethan wird in wenigen Jahren einen hohen Wert haben und auch in Feuchtwangen nicht unter Marktpreis verkauft werden. Die Zahl der Haushalte, die nach Havarie ihrer Gasheizung nochmal eine neue Gasheizung einbauen werden, sind voraussichtlich nicht zahlreich. Und diese Haushalte werden nur den Mindestanteil an Grüngas aus Kostengründen beziehen. Der Bedarf von 44 GWh Biomethan, auch angesichts der Pläne von RESRG Automotive, allein aus der Stadt Feuchtwangen, ist deshalb für mich stark überschätzt und verlängert unnötig den Betrieb ineffizienter Verbrennungsheizungen.
Ich habe zum Thema Grüngas im Mai auch ein Webinar veranstaltet mit dem Bauernverband und der deutschen Umwelthilfe: Grüngasquote: „Sinnvoll oder grünes feigenblatt mit Kostenfalle?“. Hier zum nachträglichen Ansehen anklicken: https://www.martin-stuempfig.de/energie/energie-webinare
Herleitung Zahlen - meine Berechnungen:
Berechnung zu Flächenbedarf Biogasanlagen zur Erzeugung Strom und Wärme (kein Biomethan!):
Im Stadtgebiet Feuchtwangen erzeugen 10 Biogasanlagen erneuerbaren Strom: Sommerau, Hinterbreitenthann, Larrieden mit vier Anlagen, Krapfenau, Volkertsweiler St. Ulrich und Weiler am See.
Im Jahr 2024 haben sie nach den Angaben des Bayern Atlas (https://geoportal.bayern.de/energieatlas-karten/?wicket-crypt=l0o_8susZmA) eine Strommenge von 29,8 Millionen Kilowattstunden erzeugt. Im Jahr 2017 hatte ich schon einmal die Daten abgefragt. Da lag die Produktion bei 28,2 Millionen Kilowattstunden im Jahr.
Herleitung Flächenbedarf: deutschlandweite Fläche für Biogas betrug. 2017: 1,4 Mio. ha. Installierte Leistung Biogas : 5.200 MW = Dann kommt man auf 3,7 kW/ha.
Man kann es auch durch die Strommenge rechnen: 2017: 29,3 Mrd kWh - dann kommt man darauf, dass für 1 kWh ca. 0,477 m2 Fläche nötig sind.
Jeder Hektar hat praktisch eine Leistung von ca. 3,7 kWp und erzeugt rund 20.845 kWh (verglichen mit PV ist das wenig - da bekomme ich bei einer durchschnittlichen Belegung 700-750 kWp auf den Hektar - diese erzeugen 700.000 - 750.000 kWh) - das ist das 33 - 36 fache (aber natürlich nicht im Winter).
Flächenbedarf Biogas Feuchtwangen heute (nicht Biomethan):
29,8 Millionen kWh Erzeugung; 20.845 kWh / ha = 1.430 ha Flächenbedarf
Lawi Fläche Feuchtwangen: 7.800 ha (diese Zahl nimmt stetig langsam ab. Im Landkreis Ansbach gehen rund 200 ha jedes Jahr durch den ungebremsten Flächenverbrauch für neue Gewerbegebiete, Straßen, Wohngebiete verloren für die landwirtschaftliche Nutzung. Bei rund 115.000 ha landwirtschaftliche Nutzfläche entspricht dies rund 0,2 % - jedes Jahr).
https://biogas.fnr.de/daten-und-fakten/faustzahlen
1 GWh Biomethan entsprechen 100.000 m3 Methan
35 Milchkühe (Gülle) = 15.000 m3 Methan
10 Mastrinder (Festmist) = 5.000 m3 Methan
10 ha Mais = 50.000 m3 Methan
10 ha Grünland = 35.000 m3 Methan
20 % Abschlag auf Zahlen, da zukünftig Erträge geringer ausfallen werden aufgrund Klimakrise mit Trockenheit, Extremwetter…
10 ha Mais = 40. 000 m3 Methan
10 ha Grünland = 28.000 m3 Methan
Für 44 GWh sind dann nötig:
1.540 Milchkühe (Gülle) = 660.000 m3 Methan
440 Mastrinder (Festmist) = 220.000 m3 Methan
500 ha Mais = 2.000.000 m3 Methan
540 ha Grünland = 1.512.000 m3 Methan
Anmerkung Flächenverbrauch:
Die landwirtschaftliche Nutzfläche nimmt in Bayern stetig ab. Unser Landkreis ist hier trauriger Spitzenreiter. Im Landkreis Ansbach gehen rund 200 ha jedes Jahr durch den ungebremsten Flächenverbrauch für neue Gewerbegebiete, Straßen, Wohngebiete verloren für die landwirtschaftliche Nutzung. Bei rund 115.000 ha landwirtschaftliche Nutzfläche entspricht dies rund 0,2 % - jedes Jahr.
Anmerkung: In den letzten Jahren fand ein starker Ausbau von Freiflächenphotovoltaik statt. Dieser hat bayernweit in den letzten 3 Jahren zu rund 20 % der Flächenneuinanspruchnahme beigetragen. Der Ausbau hat nun aber stark nachzulassen, da die Netze ausgelastet sind.




