Im Jahr 2018 war die Stromerzeugung aus den deutschen Kohlekraftwerken allein für 30 % aller Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich. 269 Mio. Tonnen CO2 pusteten vor allem die Braunkohlekraftwerke, aber auch zahlreiche Steinkohlekraftwerke, jährlich in die Luft.
Allein diese Tatsache war Grund genug für die deutsche Umweltbewegung, allen voran die „Fridays for future“ und „Ende Gelände“ mit Demonstrationen, Waldbesetzungen und Tagebaublockaden die Forderung nach einem Kohleausstieg zu forcieren. So konnte im Hambacher Forst nicht nur eine Tagebauerweiterung verhindert werden. Die Proteste waren auch der Anstoß für eine gesellschaftliche Debatte, die letztlich im Sommer 2020 zu einem „Kohleausstiegsgesetz“ führte. Nach diesem Gesetz muss die Kohleverstromung bis 2038 beendet werden.
Es geht voran
Seither sind bereits einige Dutzend Kohlekraftwerksblöcke in Deutschland stillgelegt worden. Die Kohleverstromung produzierte im Jahr 2018 noch 204 TWh und reduzierte sich bis 2025 um mehr als die Hälfte auf 94 TWh. Damit ist die Kohleverstromung in Deutschland etwa auf dem Stand von 1960.
Aber die Stromerzeugung ist nicht nur durch die Stilllegungen zurückgegangen. So sind die noch in Betrieb befindlichen Braunkohlekraftwerke deutlich weniger am Netz. Der Anteil der sogenannten Volllaststunden ist im gleichen Zeitraum von etwa 75 % auf ca. 50 % im letzten Jahr gesunken.
Auch der Emissionshandel wirkt
Aber es waren nicht nur die politischen Beschlüsse, die diesen Rückgang bewirkten. Ausnahmsweise hat auch der Markt einmal positive Wirkung gezeigt. Die Preise für die Emissionshandelszertifikate sind in diesem Zeitraum seit 2018 auf das Drei- bis Vierfache gestiegen. Das hat sich auch beim Handel an der Strombörse niedergeschlagen. Diese deutliche Preissteigerung bei den CO2-Zertifikaten hat viele, vor allem ältere Braunkohlekraftwerke aus dem Markt gedrängt. Weil man für die Erzeugung einer Kilowattstunde Strom aus Braunkohle fast dreimal soviel CO2-Zertifikate braucht, als für moderne Braunkohlekraftwerke viel seltener zum Zuge im Vergleich zu Gaskraftwerken.
Der aktuelle Stand
Nach den gesetzlichen Bestimmungen werden erst 2028 wieder eine größere Anzahl an Braun- und Steinkohlekraftwerken stillgelegt. Bis Ende März 2030 sollen dann alle Braunkohlekraftwerke im Rheinland (NRW) abgeschaltet werden.
Daher rücken gerade in den nächsten Jahren immer stärker die ökonomischen Fragen in den Vordergrund. Welche Kraftwerke lohnen sich eigentlich noch für die Betreiber, wenn sie immer weniger Stunden am Netz sind? Von daher wird es spannend, ob in den nächsten Jahren nicht auch Kohlekraftwerke stillgelegt werden, weil sich deren Betrieb „nicht mehr rechnet“.
Die Situation in Bayern
In Bayern gibt es keine großen Kohlenkraftwerke mehr. Die Braunkohleverstromung wurde schon seit Jahrzehnten wegen Unwirtschaftlichkeit beendet. Das letzte große Steinkohlekraftwerk Bayerns in Zolling wurde im Februar 2025 endgültig stillgelegt. Damit wird in Bayern praktisch kein Strom mehr aus Kohle produziert.
Aber Bayern ist in den letzten Jahren zum Stromimportland geworden. Fast ein Viertel unseres Stromverbrauchs wird importiert – aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland. Und hinter diesem Stromimport verbirgt sich natürlich auch Kohlestrom, z.B. aus Ostdeutschland oder Tschechien.
Wie muss es weitergehen?
Die Klimakrise spitzt sich zu und der Kampf um jedes Zehntel Grad bei der Erderwärmung ist wichtig.
Eine Beschleunigung des Kohleausstiegs per Gesetz erscheint derzeit in weiter Ferne. Ja, vielleicht bekommen wir sogar eine Debatte – ähnlich wie beim Atomausstieg – dass kurz vor dem Zieljahr 2038 wieder ein Ausstieg vom Ausstieg ins Gespräch gebracht wird.
Mehr Hoffnung macht zur Zeit, dass die Marktkräfte wirken und der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien die Kohlekraftwerke weiter aus dem Markt drängt. Darum ist der Ausbau der Erneuerbaren Energien, insbesondere der Windenergie – und das vor allem in Bayern – ein zentraler Baustein, um den Kohleausstieg zu beschleunigen. Dazu kommt, dass wir mit einem beschleunigten Netz- und Speicherausbau die Erneuerbaren Energien besser nutzen können.
