Tierschutz muss endlich konsequent verfolgt werden: Videoüberwachung und Betäubung als Forderungen aus Skandal am Schlachthof Wassertrüdingen

Die Schließung des Geflügelschlachthofs in Wassertrüdingen war notwendig – der Skandal legt die strukturellen Schwächen im Tierschutz schonungslos offen. Gemeinsam mit Fachleuten haben wir kürzlich in Wassertrüdingen diskutiert, wie es besser geht. Klar ist: Wir brauchen mehr regionale Schlachtmöglichkeiten, Videoüberwachung, Gasbetäubung und einen höheren Wert für das Tier. Tierschutz muss konsequent umgesetzt werden und dafür braucht es politisches Handeln.

Bildquelle: Oliver Rühl

Der Skandal um den Geflügelschlachthof in Wassertrüdingen hat viele Menschen bewegt, mich eingeschlossen. Die Tierschutzverstöße, die dort von einer Tierrechtsorganisation dokumentiert wurden, waren so gravierend, dass die Behörden zurecht die Reißleine zogen. Doch die Schließung allein löst nicht das eigentliche Problem – sie verschärft es sogar. Denn jetzt werden die Legehennen, die geschlachtet werden sollen, über Hunderte Kilometer nach Niedersachsen oder Polen transportiert. So entstehen neue Tierschutzprobleme.

Deshalb haben mein Kollege Paul Knoblach, unser tierschutzpolitischer Sprecher, und ich am 3. Juli zu einer Podiumsdiskussion in Wassertrüdingen eingeladen. Uns war wichtig, mit Fachleuten und Bürger*innen ins Gespräch zu kommen: offen, ehrlich und lösungsorientiert.

Robert Schmack vom Landesverband der bayerischen Geflügelwirtschaft hat klargemacht, dass der Betrieb nicht wegen systemischen Versagens, sondern wegen einzelner Mitarbeiterfehler geschlossen wurde. Gleichzeitig hat er betont, wie wichtig der Schlachthof für die Branche ist – nicht zuletzt, weil es in ganz Deutschland nur noch zwei größere vergleichbare Betriebe gibt. Seine Forderung nach mehr regionalen Schlachtmöglichkeiten teile ich ausdrücklich. Auch dass künftig eine Betäubung mit Gas anstelle des elektrischen Wasserbads erfolgen sollte, sehe ich als dringend notwendig an.

Prof. Isabelle Ruhnke, Geflügelexpertin der Freien Universität Berlin, hat besonders auf die Belastungen beim Lebendtransport hingewiesen. Für sie steht fest: Je länger die Tiere unterwegs sind, desto größer ist das Leid – durch Hitze, Kälte, Hunger und Enge. Was mich besonders nachdenklich gemacht hat: Es gibt kaum Gesundheitsdaten zu den Hühnern bei Ankunft in den Schlachthöfen. Diese Lücke ist dramatisch, wie wollen wir Missstände erkennen, wenn wir keine Daten haben?

Dr. Rebecca Holmes von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz hat einen weiteren entscheidenden Punkt eingebracht: den extrem niedrigen wirtschaftlichen Wert der Legehenne. Bei gerade einmal 18 Cent pro Kilo fehlt schlicht der ökonomische Anreiz, die Tiere ordentlich zu behandeln. Für sie ist klar: Kurze Transportwege, betriebsinterne Schlachtung und bessere Haltungsbedingungen müssen die Regel werden, nicht die Ausnahme.

Dr. Christoph Maisack von der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutz brachte den rechtlichen Blick ein und forderte deutlich mehr Kontrolle: Videoüberwachung in den Schlachthöfen, geringere Schlachtgeschwindigkeiten, verpflichtende Gasbetäubung. Er machte klar: Tierschutz braucht nicht nur Gesetze, sondern wirksame Kontrolle und Durchsetzung.

Paul Knoblach hat schließlich den Bogen zur politischen Verantwortung gespannt. Er erinnerte daran, dass Wassertrüdingen nicht der erste Fall ist – und dass die Skandale immer wieder ähnlich gelagert sind. Wo bleibt die behördliche Kontrolle? Warum gibt es keine verpflichtende Videoüberwachung? Warum greift das geltende Recht nicht durch? Seine Forderung nach strukturellem Wandel teile ich voll und ganz. Wir brauchen endlich Standards, nicht nur schöne Worte.

Aus dem Publikum kamen Forderungen nach einer Wiedereröffnung des Schlachthofs – unter klaren Auflagen. Denn der Betrieb schafft Arbeitsplätze, zahlt Gewerbesteuer und sichert regionale Wertschöpfung. Das zeigt: Tierschutz und regionale Wirtschaft schließen sich nicht aus – im Gegenteil.

Zwei zentrale Maßnahmen wurden auf dem Podium klar benannt und von allen mitgetragen. Das muss bei bestehenden Schlachthöfen nachgerüstet und bei neuen installiert werden:

  1. Videoüberwachung jetzt!
    Kontrolle funktioniert nur mit Transparenz. Wir brauchen verpflichtende Kameras in allen Schlachthöfen. Landwirtschaftsminister Cem Özdemir hat dazu bereits einen Entwurf vorgelegt – er wurde aber nicht mehr beschlossen. Jetzt ist die neue Bundesregierung Bayern gefragt. CSU-Landwirtschaftsminister Rainer ("der schwarze Metzger" - wie ihn Markus Söder nennt) will das aber nicht umsetzen. Ich fordere klar, dass erseine Blockadehaltung aufgeben muss!

  2. Gasbetäubung statt Wasserbad!
    CO₂-Anlagen ermöglichen eine stressärmere Betäubung – die Tiere werden schon in ihren Transportkisten betäubt. Die Entnahme kann dann weitaus einfacher erfolgen und Situationen, wie auf den Filmen der Tierschutzorganisation können nicht mehr entstehen. Das ist nicht nur tierschutzgerecht, sondern schützt auch die Mitarbeitenden.

Was ich aus dieser Veranstaltung mitnehme: Wir haben das Wissen, die Technik und die Argumente - was fehlt, ist politischer Wille. Ich werde weiter dafür kämpfen, dass Tierschutz nicht länger an strukturellen Hürden scheitert. Wir schulden es den Tieren und den Menschen, die sich täglich verantwortungsvoll um sie kümmern.

Zu den Vorträgen:
Vortrag Tierschutzrecht Legehennen

Vortrag Paul Knoblach

Anträge der Grünen im bayerischen Landtag: 

Antrag: Einrichtung von Schwerpunktstaatsanwaltschaften für Kriminalität gegen Tiere und Beschleunigung von Verfahren bei Verstößen gegen das Tierschutzrecht

Antrag: Erhöhung des Strafmaßes für Tierquälerei und konsequente Tierhaltungs- und Betreuungsverbote für Täterinnen und Täter


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