Small Modular Reaktoren (SMR) – der Scheinriese von Söders „neuer“ Atompolitik

Markus Söder propagiert Small Modular Reaktoren (SMR) als Alternative zu alten Atomkraftwerken. Kritiker bemängeln die technologische Unreife, wirtschaftliche Unrentabilität und fehlenden Massenmarkt.

Nachdem Markus Söder wohl endgültig eingesehen hat, dass eine Wiederinbetriebnahme der alten AKW’s in Deutschland nicht mehr kommen wird, propagiert er nun eine angeblich neue Generation von Atomreaktoren: die Small Modular Reaktoren – SMR.

Doch schon der Begriff ist irreführend. Unter diesem Oberbegriff SMR tummeln sich mehrere Dutzende verschiedene Reaktorkonzepte, die meisten davon sind unausgegoren. Kritiker nennen diese dann auch „Papierreaktoren“ oder „Power-Point-Reaktoren“, weil es sich dabei oft um nicht mehr als Gedankenspiele handelt.

Die Grundidee der SMR entstand aus der Erfahrung, dass die Atomkraftwerke der Vergangenheit immer größer, komplizierter und teurer geworden sind. Nun sollen kleine Atomreaktoren, die man einzeln oder auch - wie Lego-Bausteine - nebeneinander platzieren könnte, aber eben „in Serie“ herstellen könnte, die neue wirtschaftliche Alternative sein.

Unter dem Modewort „Technologieoffenheit“ und in treuer Gefolgschaft alter Atomideologen propagiert Markus Söder immer wieder die Vorteile der „Mini-Meiler“. Und weil er Bayern stets als technologische Speerspitze sieht, bietet er den Freistaat Bayern für ein Pilotprojekt an. Dabei versteigt er sich manchmal auch in abstruse Behauptungen. So erzählte er, dass in Kanada bereits ein SMR in Betrieb sei. Auf meine Nachfrage musste das Wirtschaftsministerium jedoch kleinlaut mitteilen, dass damit nur ein Forschungsreaktor aus dem Jahr 1959 gemeint sein könnte. Der ist aber inzwischen längst stillgelegt. (link: https://www.bayern.landtag.de/www/ElanTextAblage_WP19/Drucksachen/Basisdrucksachen/0000007000/0000007407_037.pdf

Tatsächlich krankt die Idee der SMR an drei großen Problemen:  technologisch unausgereift, wirtschaftlich nicht darstellbar und der fehlende Massenmarkt.

In dem Sammelsurium der technologischen Konzepte befinden sich vollkommen unerprobte Konzepte wie der Dual-Fluid-Reaktor. Es werden auch Versuche unternommen Reaktorsysteme, wie die Hochtemperaturreaktoren oder Schnelle Brüter, die in der Vergangenheit bereits gescheitert sind, neu zu beleben. Und schließlich versucht man die gängigen Leichtwasserreaktoren als neues Konzept zu verkaufen – einziger Unterschied ist aber nur die Größe. Die vielleicht realistischste Alternative ist, dass man die für Atom-U-Boote entwickelten Reaktoren nun an Land einsetzen will. Atom-U-Boote nutzen jedoch sehr hoch angereichertes Uran und haben ganz andere Einsatzkonzepte.

Anders als beim Militär müssten sich diese Reaktoren ja auch in einem Strommarkt durchsetzen. Sind also diese Reaktoren marktfähig? Daran gibt es derzeit erhebliche Zweifel. Während erneuerbare Energien immer billiger zu bekommen sind, scheint die Wirtschaftlichkeit von SMR-Konzepten in ganz großer Ferne zu liegen. Auf meine Schriftliche Anfrage vom Februar 2026 (link https://www.bayern.landtag.de/www/ElanTextAblage_WP19/Drucksachen/Schriftliche%20Anfragen/19_0009509.pdf ) konnte die Staatsregierung keine Experten benennen, die die Aussagen hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit überprüfen konnten. Und besonders peinlich: das Wirtschaftsministerium sieht es auch nicht als seine Aufgabe an, die Wirtschaftlichkeit überhaupt zu beurteilen. Bezeichnend bleibt daher die Realität: kein einziges deutsches Energieversorgungsunternehmen plant ernsthaft irgendetwas in dieser Richtung zu unternehmen.

Womit wir beim dritten Grundproblem wären: die Idee des SMR basiert auf einer seriellen Produktion. Berechnungen haben erheben, dass eine Wirtschaftlichkeit erst bei der Produktion von etwa 3000 SMR gegeben wäre. Trotz verschiedener einzelner SMR-Projekte in Europa ist dieses Ziel kaum zu erreichen. Denn meistens werden sehr unterschiedliche SMR-Konzepte verfolgt, deren technische Machbarkeit ist oft noch offen, die genehmigungsrechtliche Seite ungeklärt, und die Wirtschaftlichkeit ergibt sich auch im optimalen Fall nur durch viele staatliche Subventionen.

Daher bin ich der festen Überzeugung: die SMR sind wie die Scheinriesen in dem Kinderbuch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ von Michael Ende: Je näher man Ihnen kommt, umso mehr schrumpfen sie zu normalen AKWs: gefährlich, ineffizient und teuer. Und auch die Beschaffung der Brennstoffe ist alles anders als einfach und unkritisch.

Daher ist der Ausbau der Erneuerbaren Energien das Gebot der Stunde. Die Erneuerbaren schützen das Klima, sie sind wirtschaftlicher als alte fossile und vermeintlich neue nukleare Technologien. Jeder Zubau der Erneuerbaren ist ein wertvoller Beitrag um nukleare Subventionsprojekte gar nicht erst entstehen zu lassen und sie machen uns mit jeder neuen Anlage ein Stück unabhängiger.

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat 2021 ein Gutachten zu dem Thema beauftragt.

 


Im Dialog

©Foto: Manuel Schuller
©Foto: Manuel Schuller

Wirtschaft

Im ständigem Austausch mit den Unternehmer*innen in Bayern erfahre ich welche Fragen, Anregungen und Wünsche an die Politik gestellt werden und wie wir sie unterstützen können.

mehr dazu
©Foto: Andreas Gebert

Vor Ort

Wichtig ist mir mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen, mit ihnen zu diskutieren und von ihnen Anregungen für meine parlamentarische Arbeit im Landtag mitzunehmen.

mehr dazu
Martin Stümpfig in Freuchtwangen
© Foto: Wolf Kehrstephan

Region

Ich bin in Feuchtwangen, im Landkreis Ansbach aufgewachsen – hier bin ich verwurzelt, hier achte ich darauf, dass die Interessen der Bürgerinnen und Bürger im Landtag vertreten sind .

mehr dazu

Das könnte Sie auch interessieren