Kernfusion bietet keine Lösung für die Energiewende: zu spät, zu teuer, zu komplex

Die Atomfusion ist teuer und falsch gedacht. Projekte, die lange auf sich warten lassen, zeigen, dass die Stromerzeugung aus einem Fusionsreaktor in absehbarer Zeit unrealistisch ist. Es braucht keine Verschwendung von Steuergeldern für illusionäre Fusionsprojekte.

Atomkraftwerk
Atomkraftwerk mit Altlasten und Geld davor; Bildquelle: Eigenes KI-generiertes Bild mit Canva

Die Unterzeichnung des „Memorandum of Understanding“ der Staatsregierung zusammen mit den Unternehmen RWE und Proxima erinnert ein bisschen an das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. In blumigen Worten wurde wieder die Vison eines Fusionsreaktors zur Stromerzeugung gemalt. Eine realitätsbezogene Einordnung dieser Pläne fehlt aber gänzlich. Die heutige Ankündigung von Markus Söder, weitere 400 Millionen Euro aus dem Staatshaushalt in das „Alpha“-Projekt stecken zu wollen, ist eine Steuerverschwendung sonders gleichen!   

Die Idee eines Fusionsreaktors geistert seit ca. 70 Jahren durch die Wissenschaft und wurde auch stets hartnäckig mit einer Realisierung in den nächsten 20 Jahren angekündigt. Die Wirklichkeit war und ist eine andere. Das internationale ITER-Projekt wird frühestens 20 Jahre später als geplant fertiggestellt werden. Die Kosten haben sich vervielfacht. Über das Nachfolge-Projekt DEMO ist bisher nichts entschieden. 

Immer wieder betonen unabhängige WissenschaftlerInnen, dass die Stromerzeugung aus Fusionsreaktoren in absehbarer Zeit unrealistisch sei. Stellungnahmen des Büros für Technikfolgenabschätzung, des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung DIW aber auch des Vorsitzenden der Bayerischen Expertenkommission Mission Kernfusion sind diesbezüglich eindeutig. 

Die Veranstaltung der Staatsregierung bei Proxima Fusion war eine Versammlung von Menschen, denen es vor allem darum ging, möglichst viel Geld von Risikokapitalgebern und aus dem Bundeshaushalt für mehr als zweifelhafte Fusionsprojekte nach Bayern zu holen. Eine verantwortliche Forschungspolitik würde sich den brennenden Fragen einer klimaschutzorientierten Energiepolitik zuwenden, beispielsweise den Fragen einer effizienten Energiespeicherung, insbesondere in der Batterietechnik und der Entwicklung von grünen Wasserstoffkraftwerken. 

Zu diesem Thema hat die DIW ein sehr gutes Webinar veranstaltet.   

Hier stellen Prof. Kemfert und Frau Dering die Diskussion zum Thema vor. Der Fokus auf Energieerzeugung bei der Fusionsforschung ist falsch.  

Erwartungen für kommerzielle Energieerzeugung werden von politischer Seite geweckt, die nicht zu erfüllen sind. Gerade CSU spielt da unrühmliche Rolle, wie Kemfert betont. Versprechen kam aus Bayern, dass wir in 10 Jahren kommerzielle Energieerzeugung haben - das ist mit Forschungsfortschritt in keinster Weise hinterlegt. Mehr Monitoring ist wichtig, um klar zu sehen, wo die Technik steht. Das wird bewusst vermieden. 

Wir sind mitten in Energiewende um Wettbewerb um Forschungsmittel. Derzeit gehen 10-15 % der Bundesforschung in Fusion. Dieser Anteil ist zu hoch angesichts der Herausforderungen bei der Energiewende und dem Ziel diese in nächsten 15 Jahren abgeschlossen haben zu müssen.  

Es ist nicht sinnvoll soviel öffentliches Geld in Fusion zu stecken. Viel besser sei es in Speicher und Bereiche mit greifbaren Lösungen das Geld zu investieren. Denn wir müssen die Energiewende in 15 Jahren abgeschlossen haben, da sich die Klimakrise massiv zuspitzt und keine Zeit mehr zu verlieren ist. Kernfusion spielt bei der Energiewende keine Rolle. 

Technische Probleme sind in keinster Weise gelöst. Für den Start eines Kernfusionsreaktors sind grössere Mengen Tritium notwendig.Tritium ist radioaktiv und hat eine Halbwertzeit von 23 Jahre. Man kann es also nicht auf Vorrat erbrüten, da er zerfällt. Derzeit haben wir nur sehr wenige Forschungsreaktoren (z.B. Frankreich), die es über viele Jahre erbrüten müssten zu sehr hohen Kosten (Schätzungen laufen über mehrere Milliarden Euro).  Tritiuum ist zudem extrem klein und es diffundiert durch alle Materialien durch. Die Wände des neuen Reaktors müssen extremen Neutronenbeshcuss stand halten und mehrre Millionen Grad Hitzee. Sie sind deshalb nur kurz haltbar. Berlium und Wolfram sind theoretisch geeignet, aber weltweit sehr gering vorhanden. Laut Dering gibt es über 100 zentrale Probleme, die nach wie vor nicht gelöst sind. Seit Jahrzehnten ist da kein Fortschritt zu erkennen. Noch kein Reaktor hat es geschafft Strom zu erzeugen. 

Neues Buch von Frau Kemfert und anderen ist kostenlos zum Download in englisch HIER.

Bei mir verursacht diese Politik Brechreiz – wo ich bei dem herrlichen Beitrag der heute show und Larissa wäre – den anders als mit Humor und Spott kann man das nicht mehr ertragen: fb/heuteschow


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