Keine Verbesserungen beim Grundwasserschutz: Nitrat und Pflanzenschutzmittel belasten unser Wasser

Der Zustand unseres Grundwassers ist alarmierend und er wird schlechter statt besser. Neue Daten belegen: Sowohl bei Nitrat als auch bei Pflanzenschutzmitteln haben sich die Werte in den letzten Jahren weiter verschlechtert. Das zeigt erneut, wie wenig der bayerischen Staatsregierung der Schutz unseres Wassers wert ist.

Bildquelle: Eigene Aufnahme, Greiselbacher Brunnen

Nitratwerte steigen weiter an 

Mit meinen mittelfränkischen Kolleginnen im Landtag, Barbara Fuchs, Verena Osgyan, Christian Zwanziger und Patrick Freidl und Christan Hierneis haben wir 2021 und nun 2025 umfassende Anfragen an die Staatsregierung gestellt zum Zustand unseres Grundwassers. Die Anfrage aus dem Jahr deckt den Zeitraum 2018 bis 2020 ab. Die aktuelle Anfrage die Jahre 2021 bis 2024. Die Auswertung unserer Anfragen macht deutlich, dass die Nitratbelastung in Mittelfranken weiter zunimmt. Schon in den Jahren 2018 bis 2020 lagen an 42 Messstellen die Überschreitungen mit durchschnittlich 59,1 mg/l deutlich zu hoch. Drei Jahre später überschritten bereits 98 Messstellen den Grenzwert von 37,5 mg/l – mit im Schnitt sogar 68,6 mg/l. Das bedeutet eine Verschlechterung um rund 16 Prozent in nur drei Jahren. Besonders besorgniserregend: An einzelnen Messstellen wurden Werte von über 100 mg/l gemessen.  

Der traurige Spitzenreiter ist die Weissbachmühle in Großbreitenbronn (Landkreis Ansbach) mit 190 mg/l. In meinem Landkreis Ansbach finden sich über ein 1/3 der kritischen Grundwassermesstellen im Mittelfranken. Ein deutliches Zeichen, dass hier etwas geändert werden muss. Alle Grundwasserkörper im Mittelfranken, die vor drei Jahren bereits problematisch waren, weisen auch jetzt wieder schlechte Werte auf. 

Diese Werte beziehen sich zwar nicht auf unser Trinkwasser, sondern auf das erste Grundwasserstockwerk. Doch genau dieses Wasser gelangt nach einigen Jahren an unsere Trinkwasserquellen. Angesichts steigender Belastungen und wachsendem Bedarf wird es immer schwieriger, den Grenzwert von 50 mg/l im Trinkwasser einzuhalten. Schon heute kommen unsere bestehenden Quellen – wie am Ellenbach – an ihre Kapazitätsgrenze. Wir bräuchten neue Trinkwasserquellen, um angesichts der sinkenden Grundwasserneubildung und der Ergiebigkeit der bestehenden Quellen die Trinkwasserversorgung sicherzustellen. Angesichts der massiv hohen Werte unseres Grundwassers ist dies aber sehr schwierig, Wir brauchen dringend eine Ausweitung der bestehenden Wasserschutzgebiete und neue Ausweisungen, um die Trunkwasserversorgung dauerhaft zu sichern. Schließungen von guten Quellen, wie die Quelle in Greiselbach im Landkreis Ansbach, dürfen nicht mehr passieren.  

Auch bei den Pflanzenschutzmitteln gibt es keinerlei Entwarnung. Während zwischen 2018 und 2020 an 57 Messstellen Schadstoffe oder deren Abbauprodukte nachgewiesen wurden, waren es im Zeitraum 2022 bis 2024 bereits 105 Messstellen – fast doppelt so viele. Die Liste der Überschreitungen ist inzwischen elf Seiten lang, und in den allermeisten Fällen wurden sogar höhere Werte als in den Vorjahren gemessen. Besonders kritisch ist die Belastung mit Trifluoressigsäure (TFA). Der Stoff, der auch Ttriflouracetat genannt wird gehört zu den sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ aus der PFAS-Gruppe. Ab Januar 2026 gilt im Trinkwasser ein Grenzwert von 0,1 Mikrogramm. Doch im ersten Grundwasserstockwerk liegen die Werte schon jetzt vielfach zigfach darüber, vereinzelt sogar beim 60- bis 70-Fachen. Diese Stoffe bauen sich nicht ab und können kaum herausgefiltert werden. Gelangen sie erst einmal ins Grundwasser, sind sie auch dauerhaft in unseren Trinkwasserquellen nachweisbar – mit unkalkulierbaren Risiken für Umwelt und Gesundheit. 

Staatsregierung bleibt untätig 

Die Staatsregierung verweist seit Jahren auf die gleichen Förderprogramme und Vertröstungen. Maßnahmen wie die Düngeverordnung werden sogar infrage gestellt – zuletzt von CSU-Bundeslandwirtschaftsminister Rainer auf dem deutschen Bauerntag Ende Juni, der sie schlicht „abschaffen“ wollte. Da wird der Schutz unseres Grundwassers mit Füßen getreten – mit dreckigen muss man sagen - auf Kosten unserer Gesundheit. 

Was jetzt passieren muss 

Wir brauchen endlich einen wirksamen, flächendeckenden Grundwasserschutz. Dazu gehören: 

  • Nitrateinträge reduzieren: Stoffbilanzen für jeden Betrieb, konsequente Ausweisung und Kontrolle der roten Gebiete, Umsetzung der Düngerichtlinie. 

  • Ausweitung Wasserschutzgebiete: Bestehende Gebiete ausweiten und neue Gebiete zügig festlegen. Nur so lässt sich die Qualität langfristig sichern. 

  • Pflanzenschutzmittel halbieren: Die angekündigte Reduktion bis 2028 muss Realität werden – nicht nur ein leeres Versprechen. Mit der Annahme des Volksbegehrens “Biene” hat die Staatsregierung dies versprochen.  

  • PFAS stoppen: Ewigkeitschemikalien dürfen nicht mehr in die Umwelt gelangen.  

Unser Grundwasser ist die Lebensgrundlage für sauberes Trinkwasser. Es braucht endlich eine Politik, die diesen Schatz schützt – nicht eine, die wegschaut und die Belastungen weiter in Kauf nimmt. 

Weitere Informationen 

Vertiefende Informationen zu Pflanzenschutzmittel-Metaboliten und zur Bewertung von Trifluoressigsäure finden Sie hier: 

 

Zusätzlich finden Sie die vollständigen Antworten der Staatsregierung auf die Grünen Anfragen mit allen Anlagen hier: 

Anlagen zur SAN 2025:

Anlage 1 – PSM und relevante Metaboliten
Anlage 2 – Nicht relevante Metaboliten
Anlage 3 – Nitrat-Messstellen
Anlage 4 – Wasserversorger mit Nitratbelastung
Anlage 5 – Wasserversorger mit PSM-Belastung
Anlage 6 – Wasserversorger mit Nitratbelastung (aktualisiert)
Anlage 7 – Wasserversorger mit PSM-Belastung (aktualisiert)
Anlage 8 – Risikobewertung Grundwasserkörper

 


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