Noch im letzten Jahr schwärmte Staatskanzleiminister Florian Herrmann, am Forschungsreaktor FRM II in Garching „schlage das Herz der deutschen Kerntechnik-Forschung“. Wer das ernst nimmt, muss feststellen: Seit 2000 Tagen herrscht dort Herzstillstand. Seit dem 16. März 2020 wurden keine Neutronen mehr produziert – und ein Ende ist nicht absehbar.
Wer die Worte von Dr. Herrmann ernst nimmt, muss feststellen: Am Garchinger Forschungsreaktor herrscht Herzstillstand. Am kommenden Wochenende sind es 2000 Tage, seitdem der Reaktor keine Neutronen mehr produziert. Und es ist immer noch kein Ende abzusehen, schon gar nicht mit der lang geforderten Umrüstung und der Abkehr von hoch angereichertem Uran.
Die letzten Neutronen wurden in Garching am 16. März 2020 produziert. Durch eine beispiellose Schlamperei wurde ein Abgasschlauch nicht angeschlossen und dadurch innerhalb von zwei Wochen mehr als die erlaubte Jahresemissionsmenge des radioaktiven Stoffs C14 in die Luft geblasen. In der Konsequenz musste der Betrieb umgehend eingestellt werden, das gesamte Sicherheits- und Betriebskonzept kam auf den Prüfstand kam und musste überarbeitet werden.
Schon im Jahr danach meldete sich die sogenannte „Kalte Quelle“, eine experimentelle Einrichtung, vom Dienst ab. Sie erzeugte nicht mehr genügend „kalte“, also langsame Neutronen; eine Reparatur war nicht möglich. Sie musste vollständig ausgebaut und ersetzt werden.
Im Januar 2022 meldete die TU München den dramatischsten Defekt: am Zentralkanal trat ungeplant, aber kontinuierlich Flüssigkeit aus. Auch hier: keine Reparatur möglich. Ein vollkommener Ersatz war nötig. Doch das war leichter gesagt als getan. Es gab keine ausreichende Dokumentation über die Herstellung dieses Zentralkanals und es musste erst einmal ein Lieferant gefunden werden.
Voller Optimismus kündigte man an, im 1. Quartal 2024 wieder in Betrieb gehen können. Doch in nahezu regelmäßigen Abständen wurde dieser Termin verschoben, zuletzt auf Ende 2025.
Nach unseren Informationen ist auch dieser Termin nicht mehr zu halten.
Man kann nur den Kopf schütteln, wenn Wissenschaftsminister Markus Blume im letzten Jahr ernsthaft sagte: „Der FRM II ist ein herausragendes Symbol für Bayern als Wissenschaftsstandort von Weltrang!“. Ein Minister muss handeln und nicht schönreden. Es sind ja nicht nur diese 2000 Tage Stillstand. Es gab ja auch schon in den Jahren davor u.a. mit anhaltenden Korrosionsproblemen, mit Problemen beim Transport von Brennelementen, mit den „Wartungspausen“ immer wieder Stillstände. Theoretisch hätten 87 Brennelemente-Zyklen in all den Jahren laufen sollen. Geschafft hat man (mit 47) gerade mal gut die Hälfte. – Wenn das so weitergeht, ist der FRM II ein herausragendes Symbol für Geldverschwendung in der Spitzenforschung.
Ich bleibe am Thema dran und werde mit meiner Landtagskollegin Claudia Köhler und Markus Büchler eine schriftliche Anfrage zu all den offenen Fragen einreichen.




