Bayern steht an einem energiepolitischen Wendepunkt. Die Abhängigkeit von fossilen Importen, volatile Energiepreise und die wachsenden Herausforderungen der Klimakrise machen deutlich: Die Energieversorgung der Zukunft muss erneuerbar, regional und resilient sein. Die vorliegenden Anträge zeigen, wie dieser Weg konkret aussehen kann, mit einem klaren Fokus auf Freiheitsenergien wie Sonne, Wind, Biomasse und Wasserstoff.
Wasserstoffkraftwerke: Industriestandort sichern, Abhängigkeiten beenden
Grüne Wasserstoffkraftwerke sind ein zentraler Baustein für eine klimaneutrale und gleichzeitig verlässliche Energieversorgung. Sie können dort einspringen, wo erneuerbare Energien wetterbedingt schwanken ohne neue fossile Abhängigkeiten zu schaffen. Bayern muss sich deshalb aktiv dafür einsetzen, dass beim bundesweiten Kraftwerksausbau gezielt Kapazitäten für Wasserstoff entstehen. Zwei Gigawatt für sogenannte „Wasserstoffsprinterkraftwerke“ wären ein starkes Signal für Innovation, Versorgungssicherheit und industrielle Wertschöpfung im Freistaat.
Solartankstellen: Energiewende sichtbar machen
Der Ausbau der Elektromobilität braucht mehr als nur Fahrzeuge. Er braucht eine leistungsfähige, sichtbare Infrastruktur. Solartankstellen entlang von Autobahnen und Staatsstraßen verbinden genau das: klimafreundliche Stromerzeugung mit moderner Ladeinfrastruktur. Sonnenstrom wird direkt vor Ort genutzt, Netze werden entlastet und Kosten gesenkt. Gleichzeitig erleben Bürgerinnen und Bürger die Energiewende ganz konkret im Alltag. Damit diese Projekte schneller Realität werden, müssen bürokratische Hürden abgebaut und staatliche Flächen konsequent genutzt werden.
Photovoltaik auf jedes Dach: Energiewende gerecht gestalten
Bayern ist ein Sonnenland und dennoch bleiben viele Dachflächen ungenutzt. Besonders in Städten liegt enormes Potenzial. Kleine Photovoltaikanlagen und Mieterstrommodelle können dafür sorgen, dass auch Menschen ohne eigenes Haus von günstigem Solarstrom profitieren. Das ist nicht nur klimapolitisch sinnvoll, sondern auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Verlässliche Rahmenbedingungen, der Erhalt der Einspeisevergütung für kleinere Anlagen und weniger Bürokratie sind entscheidend, um den Ausbau weiter zu beschleunigen.
Kostenloser Mittagsstrom: Vorteile direkt spürbar machen
Wenn mittags die Sonne scheint, produziert Bayern oft mehr Strom, als verbraucht wird. Mit der Folge negativer Strompreise. Statt diese Energie zu verschwenden, sollte sie gezielt genutzt werden. Ein kostenloses Stromkontingent in Zeiten hoher Solareinspeisung schafft Anreize, Verbrauch flexibel anzupassen: E-Autos laden, Wärmepumpen betreiben oder industrielle Prozesse verlagern. So wird das Stromsystem effizienter und die Energiewende im Geldbeutel der Menschen spürbar.
Batteriespeicher: Erneuerbare effizient nutzen
Ein zentrales Problem der Energiewende ist nicht die Erzeugung, sondern die Speicherung. Noch immer wird erneuerbarer Strom abgeregelt, weil er nicht ins Netz passt. Batteriespeicher können diese Energie aufnehmen und später verfügbar machen. Dafür braucht es bessere regulatorische Rahmenbedingungen: Speicher müssen auch dann laden dürfen, wenn Anlagen aus Netzgründen gedrosselt werden. Gleichzeitig müssen Netzanschlüsse beschleunigt und Speicher als gleichwertiger Bestandteil der Energieinfrastruktur anerkannt werden. Ein gezieltes Förderprogramm kann hier zusätzliche Dynamik schaffen.
Biogas: Verlässliche Energie für Dunkelflauten
Wenn Sonne und Wind ausbleiben, braucht es flexible, steuerbare Energiequellen. Biogasanlagen können genau diese Rolle übernehmen. Sie liefern Strom dann, wenn er gebraucht wird und stabilisieren so das Gesamtsystem. Damit bestehende Anlagen erhalten bleiben und flexibler eingesetzt werden können, müssen die Ausschreibungsvolumina im EEG deutlich erhöht werden. Gleichzeitig sollte die Bemessungsleistung stärker in den Fokus rücken, um die Anlagen gezielt auf Bedarf auszurichten.
Freiheitsenergien als Standortvorteil
Die vorgeschlagenen Maßnahmen verfolgen ein gemeinsames Ziel: Bayern unabhängiger, klimafreundlicher und wirtschaftlich stärker zu machen. Freiheitsenergien sind nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, sondern ein handfester Standortvorteil. Sie schaffen regionale Wertschöpfung, stabilisieren Preise und erhöhen die Versorgungssicherheit.
Jetzt kommt es darauf an, die richtigen politischen Rahmenbedingungen zu setzen – entschlossen, innovationsfreundlich und mit klarem Fokus auf die Chancen der Energiewende.
Zu den Anträgen:
- Erstes grünes Wasserstoffkraftwerk für die Industrie nach Bayern holen
- Solartankstellen entlang Bayerns Autobahnen etablieren
- Städte zu Solarkraftwerken machen: Photovoltaik auf jedes Dach
- Kostenlosen Mittagsstrom zur Verfügung stellen
- Freiheitsenergien vor Ort speichern statt Erneuerbare abregeln
- Biogas für Bayerns Notstrom in die EEG-Ausschreibungen bringen




