Grüne Landtagsfraktion legt High-Tech-Energieagenda vor
Bayern soll seine Energieversorgung unabhängiger, sicherer und bezahlbarer gestalten. Dafür setzte ich mich mit meiner Landtagsfraktion ein – wir setzen auf heimische erneuerbare Energien, moderne Speichertechnologien, intelligente Netze und einen besseren Schutz kritischer Infrastruktur.
Unter dem Titel „Freiheitsenergien: Raus aus Öl und Gas. Rein in Bayerns Freiheit“ hat meine Fraktion bei ihrer Klausur am 17. und 18. September 2026 in Nürnberg eine umfassende High-Tech-Energieagenda vorgestellt. Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, dass Bayern seine Energiezukunft selbst gestalten kann: Mit Sonne und Wind, Erdwärme, Flüssen und Seen, Biogas sowie grünem Wasserstoff.
Die Abhängigkeit von Öl und Gas macht Familien, Unternehmen und Kommunen verwundbar. Internationale Konflikte, unsichere Lieferwege und schwankende Weltmarktpreise wirken sich unmittelbar auf die Energieversorgung und die Kosten vor Ort aus. Gleichzeitig zeigen Sabotageakte, Cyberangriffe und Stromausfälle, wie wichtig eine widerstandsfähige Infrastruktur ist.
Ein dezentrales Energiesystem mit vielen Erzeugungsanlagen, Speichern und intelligent gesteuerten Netzen kann hier einen wichtigen Beitrag leisten. Wenn einzelne Anlagen ausfallen, bleibt die Versorgung durch andere Strukturen handlungsfähig. Gleichzeitig bleibt mehr Wertschöpfung in Bayern: beim Handwerk, in der Industrie, bei Stadtwerken und in den Kommunen.
Kostenloser Mittagsstrom und Smart Meter für alle
An sonnigen Tagen erzeugen Bayerns Solaranlagen insbesondere zur Mittagszeit große Strommengen. Wenn die Börsenstrompreise zeitweise unter null fallen, sollte dieser Strom nicht ungenutzt bleiben oder Anlagen abgeregelt werden. Ein Vorschlag ist deshalb ein kostenloses Mittagsstromkontingent für Zeiten negativer Börsenstrompreise vor.
Haushalte könnten dann beispielsweise ihr E-Auto laden, die Wärmepumpe betreiben oder Batteriespeicher füllen. Damit Verbraucherinnen und Verbraucher günstige Stromzeiten einfach nutzen können, sollen Smart Meter schneller in die Fläche gebracht werden:
- Bis 2030 sollen alle bayerischen Haushalte über einen Smart Meter verfügen.
- Wer sich früher dafür entscheidet, soll das Gerät bis 2027 erhalten können.
- Zusätzliche Gebühren für einen freiwilligen Einbau sollen entfallen.
So kann günstiger Solarstrom direkt bei den Menschen ankommen und gleichzeitig das Stromnetz entlasten.
Erstes grünes Wasserstoffkraftwerk nach Bayern holen
Wind- und Solarenergie liefern nicht zu jeder Zeit gleich viel Strom. Für Phasen mit geringer Erzeugung braucht es deshalb flexible Kraftwerke, die einspringen können. Grüner Wasserstoff kann dabei künftig eine wichtige Rolle übernehmen.
Aus diesem Grund soll in Bayern das erste grüne Wasserstoffkraftwerk Deutschlands entstehen. Der Freistaat könnte dadurch frühzeitig technisches Know-how aufbauen, Investitionen anziehen und hochwertige Arbeitsplätze schaffen. Zugleich würde der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft unterstützt und eine klimafreundliche Reserve für das erneuerbare Energiesystem geschaffen.
Deutschland wird perspektivisch mehrere flexible Kraftwerke benötigen. Bayern sollte diese Entwicklung nicht abwarten, sondern selbst zum Standort moderner Energietechnik werden.
Wärmequellen vor Ort besser nutzen
Auch für die Wärmewende liegen wichtige Potenziale direkt in Bayern. Erdwärme, Flüsse, Seen, Abwasser, industrielle Abwärme und Solarthermie können helfen, fossile Energieträger beim Heizen und in industriellen Prozessen zu ersetzen.
Für Mehrfamilienhäuser sollen die Rahmenbedingungen für Erdsonden verbessert werden. Dazu gehören erleichterte Genehmigungen, stockwerksübergreifendes Bohren und bessere Möglichkeiten für Bohrungen in größeren Tiefen. Ein gezieltes Förderprogramm könnte oberflächennahe Geothermie stärker in den Gebäudebestand bringen.
Städte und Gemeinden sollen außerdem beim Einsatz von Großwärmepumpen unterstützt werden. Diese können Wärme aus Flüssen, Seen, Abwasser oder industrieller Abwärme gewinnen und in Wärme- und Fernwärmenetze einspeisen. Nach Einschätzung der Grünen könnten allein Flusswärmepumpen bis zu 16 Prozent des Wärmebedarfs im Gebäudesektor abdecken.
Für die Industrie bietet die Solarthermie zusätzliche Chancen. Sonnenenergie kann auf Hallendächern und Freiflächen direkt für Prozesswärme genutzt werden. Vergünstigte Kredite über die LfA Förderbank Bayern sollen Investitionen erleichtern und Unternehmen dabei unterstützen, langfristig Energiekosten und fossile Abhängigkeiten zu reduzieren.
Solar- und Windstrom speichern statt abregeln
Mit dem Ausbau von Wind- und Solarenergie wächst der Bedarf an Speichern und intelligenten Netzen. Sie sorgen dafür, dass erzeugter Strom nicht nur dann genutzt wird, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht, sondern auch später zur Verfügung steht.
Neue Erzeugungsanlagen sollen deshalb stärker mit Grünstromspeichern verbunden werden. Speicher sollen auch dann laden dürfen, wenn das Netz zeitweise ausgelastet ist und eine Wind- oder Solaranlage ihre Einspeisung drosseln muss. Auf diese Weise könnte beispielsweise Solarstrom aus der Mittagszeit für die Abendstunden erhalten bleiben.
Batteriespeicher und intelligent gesteuerter Verbrauch bieten auch Unternehmen Vorteile. Sie können Energiekosten senken und zugleich dazu beitragen, das Stromsystem zu stabilisieren.
Verlässliche Bedingungen für Sonne, Wind und Biogas
Der Ausbau von Wind- und Solarenergie bleibt das Fundament der vorgeschlagenen Energieagenda. Gleichzeitig sollen bestehende Biogasanlagen erhalten und sinnvoll in das Energiesystem eingebunden werden.
Dafür braucht verlässliche politische Rahmenbedingungen. Neue Investitionsrisiken durch zusätzliche Unsicherheiten beim Netzbetrieb oder durch die Kürzung von Förderungen würden den Ausbau bremsen. Die Förderung kleiner Photovoltaikanlagen soll deshalb erhalten bleiben. Auch Menschen, die auf eine nachhaltige Heizung umsteigen, sollen weiterhin auf eine attraktive Unterstützung zählen können.
Energieversorgung besser vor Angriffen schützen
Die Energieversorgung ist Teil der kritischen Infrastruktur und muss umfassend geschützt werden. Das betrifft nicht nur große Kraftwerke und Netzbetreiber, sondern auch Stadtwerke, kommunale Versorger und kleinere Energieunternehmen.
Der bisher geplante Schutz kritischer Infrastrukturen ist zu stark auf große Betreiber ausgerichtet. Wir fordern deshalb:
- Schutzstandards für kleinere und kommunale Energiebetreiber, sowie deren Anlagen und digitale Systeme
- Die ausstehende Durchführungsverordnung zum KRITIS-Dachgesetz
- Klare Zuständigkeiten und Regeln für Bund und Länder
- Mehr Personal, moderne Ausstattung und eine verlässliche Finanzierung für Feuerwehren, THW und Hilfsorganisationen
- Eine bessere Zusammenarbeit bei Drohnenabwehr, KRITIS-Schutz sowie Bevölkerungs- und Katastrophenschutz
Ein dezentrales Energiesystem erhöht die Widerstandsfähigkeit zusätzlich. Werden Strom und Wärme an vielen Orten erzeugt und gespeichert, hängt die Versorgung weniger von einzelnen zentralen Anlagen ab.
Bayern hat großes Potential
In Bayern steckt großes Potenzial, moderne Energietechnik schneller aus der Nische in die breite Anwendung zu bringen. Dafür brauche es verlässliche Rahmenbedingungen, damit Unternehmen und Handwerk bereits heute konkrete Lösungen umsetzen können.
Vom geplanten kostenlosen Mittagsstrom sollen die Menschen unmittelbar profitieren. Wenn an sonnigen Tagen besonders viel Solarstrom erzeugt wird und die Börsenpreise ins Negative fallen, könnten Haushalte beispielsweise ihre Elektroautos laden, Wärmepumpen betreiben oder Batteriespeicher füllen. Voraussetzung dafür sei, dass bis 2030 alle bayerischen Haushalte mit Smart Metern ausgestattet werden.
Darüber hinaus soll Bayern zum Standort des ersten grünen Wasserstoffkraftwerks Deutschlands werden. Solche flexiblen Kraftwerke könnten einspringen, wenn Wind und Sonne vorübergehend weniger Strom liefern, und damit die sichere Reserve eines erneuerbaren Energiesystems bilden. Gleichzeitig würde der Ausbau der Wasserstoffwirtschaft vorangetrieben und neue Wertschöpfung im Freistaat geschaffen.
Die vorgeschlagene Energieagenda verbindet damit technologische Innovation, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Chancen. Bayern kann eigenes Know-how nutzen, seine Energieversorgung unabhängiger machen und neue Arbeitsplätze sowie regionale Wertschöpfung schaffen.




