Im Mittelpunkt der Diskussion standen insbesondere die Zukunft kleiner Photovoltaikanlagen, urbane Energiewende-Modelle, Batteriespeicher, Netzausbau sowie die Rolle flexibler Stromsysteme. Große Sorge gab es bei vielen Teilnehmenden über die geplanten Änderungen der Bundesregierung bei der Förderung kleiner PV-Anlagen. Auch das geplante Netzpaket wurde von vielen Teilnehmer*innen sehr kritisch gesehen, auch wenn eine gewisse Priorisierung der zahlreichen Netzanschlussverfahren begrüßt wurde.
Gemeinsam mit Stephanie Schuhknecht, Katrin Uhlig sowie Vertreter*innen von TenneT, VBEW, Greenpeace, BWE Bayern, dem Solarverband Bayern, dem Fachverband Biogas, ECO STOR GmbH, SÜC Coburg und den Stadtwerke München, wurden die drängendsten Probleme die die geplanten Gesetzesnovellen auf Bundesebene für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren als Freiheitsenergien in Bayern diskutiert.
Das Fachgespräch machte deutlich, dass insbesondere kleine Aufdach-Photovoltaikanlagen weiterhin eine zentrale Rolle für die Bürgerenergiewende spielen. Kritisch bewertet wurde die geplante verpflichtende Direktvermarktung kleiner Anlagen. Katrin Uhlig machte deutlich, dass vViele Expertinnen einhellig davor warnten die Einspeisevergütung schlagartig zu stoppen, warnten davor, dass hierfür die direkte Vermarktung bislang die notwendigen Marktstrukturen und technischen Voraussetzungen fehlen. Gerade Bürgerinnen und kleinere Betriebe dürften durch zusätzliche Komplexität und Unsicherheit nicht abgeschreckt werden. Die Aufdach-PV-Anlage dient für viele Menschen als bester Einstieg in die Transformation, so Georg Gallmetzer von EcoStore. Nach der PV-Anlage folgen oft Investitionen in Wärmepumpe und/oder E-Auto.
Wolfgang Wegmann vom Solarverband Bayern brachte Solarparks entlang von Autobahnen oder die zunehmende Einspeisung von Photovoltaikstrom in das Bahnnetz als enormen Akzeptanzbooster für den weiteren Solarausbau ins Spiel.
Große Einigkeit herrschte auch beim Thema Windenergieausbau in Bayern bzw. Süddeutschland. Eine dringend benötigte Sonderausschreibung für Windräder in Süddeutschland würde die Re-Dispatch Kosten und somit die Netzentgelte um 1,8 Mrd. Euro entlasten, so Bernd Wust, Vorsitzender des BWE Bayerns.
Außerdem
wurde betont, dass die Energiewende auch in den Städten deutlich stärker vorangebracht werden muss. Guido Schüre von den Stadtwerken München schlug z.B. vor, die Aufdach-PV-Anlagen bis 25 KW gezielt in urbanen Räumen zu fördern. Mieterstrommodelle, Photovoltaik auf Mehrfamilienhäusern und urbane Speicherlösungen bieten enorme Potenziale, werden bislang jedoch noch zu häufig durch Bürokratie und komplizierte Vorgaben ausgebremst. Die Energiewende darf keine reine Eigenheim-Energiewende bleiben – auch Mieter*innen müssen direkt von günstigem Solarstrom profitieren können.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Rolle von Batteriespeichern und flexiblen Stromsystemen. Speicher gelten zunehmend als Schlüsseltechnologie, um Solarstrom effizienter zu nutzen, Netze zu entlasten und Elektromobilität sowie Wärmewende intelligent miteinander zu verbinden. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Ausbau intelligenter Stromnetze, Smart Meter und flexibler Tarife deutlich schneller vorankommen muss.
Auch beim Netzausbau sehen viele Akteure dringenden Handlungsbedarf. Gerade für den Ausbau von Windkraft und großen Speichern brauche es schnellere und einfachere Netzanschlussverfahren. Versorgungssicherheit und Klimaschutz dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden – im Gegenteil: Erneuerbare Energien stärken langfristig Versorgungssicherheit, Preisstabilität und Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten. Einer der größten Probleme, vor denen Netzbetreiber stehen, ist die stockende Digitalisierung. Praxistauglichere Lösung insbesondere mit Blick auf die Abrechnung von Erneuerbaren Energien Anlagen sind notwendig, wie Kerstin Banach von der SÜC Energie aus Coburg anschaulich darstellte.
Manuel Maciejczyk, Fachverband Biogas stelle die Bedeutung der Biogasanlagen heraus. Derzeit haben wir 6500 MW installierte Biogasleistung. Die Bemessungsleistung beträgt 3500 MW. Das bedeutet, dass wir eine Flexibilität haben von 3000 MW. Diese 3 GW können flexibel eingesetzt werden und sollten ausgebaut und von Frau Reiche stärker mitgedacht werden. In der Branche herrscht maximale Verunsicherung.
Große Einigkeit bestand beim Thema Bürokratieabbau. Viele Teilnehmende kritisierten komplizierte Genehmigungsprozesse, langwierige Verfahren und fehlende Planungssicherheit. Statt zusätzlicher Hürden brauche es endlich einen echten Praxischeck für neue Gesetze und Regelungen.
Das Fazit des Fachgesprächs war eindeutig: Die Energiewende ist eine enorme Chance für Bayern – wirtschaftlich, sozial und klimapolitisch. Damit diese Chance genutzt werden kann, braucht es jedoch stabile Rahmenbedingungen, gesellschaftliche Teilhabe und einen entschlossenen Ausbau von Windkraft, Solarenergie, Speichern und modernen Stromnetzen.
Die Teilnehmenden des Fachgespräche auf einem Blick:
- Stephanie Schuhknecht, MdL, Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Energie des Bayerischen Landtags
Katrin Uhlig, MdB, Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie im Deutschen Bundestag
Martin Stümpfig, MdL, energiepolitischer Sprecher der grünen Landtagsfraktion Bayern
Florian Mattner, VBEW
Andreas Schieder, TenneT
Kerstin Banach, SÜC Energie und H2O GmbH
Stefan Krug, Greenpeace e.V Landesbüro Bayern
Bernd Wust, BWE Bayern · Bernd Kerscher, Solarverband Bayern
Wolfgang Wegmann, Solarverband Bayern
Manuel Maciejczyk, Fachverband Biogas e.V.
Georg Gallmetzer, ECO STOR GmbH
Guido Schüre, Stadtwerke München




