10.12.2019

Dual-Fluid-Reaktor - Das vermeintliche Wunderkind der Atomenergie

Es geistert – wieder mal durch die Medienlandschaft – ein neuer und angeblich absolut sicherer Atomreaktor; sogar einer der Atommüll beseitigen soll: Der Dual-Fluid-Reaktor.
©Bild: Eigene Bearbeitung unter Verwendung von "lightly_different; pixabay.com"

Es ist erstaunlich wie ein solcher „Papiertiger“ in den letzten Wochen mediales Interesse findet.

Wer steckt dahinter?

Diese Technologie wurde von einem privaten Institut für Festkörperphysik in Berlin-Wilmersdorf „entwickelt“. Nach eigenen Angaben besteht der Reaktor bisher nur aus „Computerdateien und Papier“. Die neuesten Veröffentlichungen auf der homepage dieses Instituts sind aus dem Jahr 2015.

Das Institut hat laut eigener Auskunft vier Mitarbeiter.

Laut eigener Aussage ist man derzeit beim Design der Anlage. Folgender Zeitplan wird vorgegeben:

2 Jahre Konzeptstudie → 2 Jahre Design der Anlage (15 Mio €, derzeitiger Stand)  → 2 Jahre Vorbereitung der Anlage (30 Mio€) → Prototyp (Know-How für DFR-Kraftwerk) → Prototyp (2-5 Jahre 450 Mio €) → Vorbereitung Serienfertigung (4 Jahre, 500 Mio €) → Sereienfertigung (200 Mio/Kern).

(Siehe https://festkoerper-kernphysik.de/ und https://dual-fluid-reaktor.de/team/)

Keiner der bisherigen Unternehmen in diesem Bereich hat oder will sich mit diesem Thema beschäftigen. Meines Wissens will niemand die 15 Mio. € für das Design der Anlage ausgeben – und das mit gutem Recht.

Die Technik existiert nur auf dem Papier

Der DFR soll Atomkraft beherrschbar machen und keine Endlager benötigen, die länger als 300 Jahre betrieben werden müssen. Es handelt sich um einen Thorium-Reaktor. Das schon vor Jahrzehnten entwickelte Grundkonzept, bei welchem der Brennstoff in Form eines Flüssigsalzes durch den Reaktor gepumpt wird, wurde von den Entwicklern des Instituts für Festkörper-Kernphysik um einen weiteren Kreislauf erweitert, der die Wärme mit flüssigem Blei abtransportiert, das eine Betriebstemperatur von 1.000 Grad Celsius haben soll. (Namensgebung: zwei flüssige Kreisläufe!) Damit will man Dampf erzeugen, mit welchem sowohl Turbinen angetrieben werden sollen, jedoch auch Prozesswärme für die Herstellung synthetischer Treibstoffe bereitgestellt werden soll.

Der DFR soll unterschiedlich gefahren werden können und sowohl Brennstoff erbrüten, Atommüll vernichten und langlebige Spaltstoffe durch Transmutation in kurzlebige Spaltstoffe umwandeln können – also sozusagen eine "eierlegende Wollmilchsau".

Ob die Technik funktioniert weiß niemand. Detailliertere Erklärungen der Anlage sind nicht zu finden, sondern nur allgemeine Beschreibungen. Welche Energieausbeute, welche Kosten, alles ungelöste Fragen. Die Technik existiert nur auf dem Papier.

Der Trick mit der Entsorgung

In diesem Zusammenhang werden zwei Mythen in Umlauf gebracht:

  • Zum einen der Reaktor würde seinen Atommüll „selbst verbrennen“ und der Müll wäre dann nur für 300 Jahre zu lagern. Diese Behauptung ist nicht nachzuvollziehen.
  • Zum zweiten könnte der Reaktor auch bestehenden Atommüll „verbrennen“. Dies heißt aber in der Konsequenz, dass die abgebrannten Brennelemente erst wiederaufgearbeitet werden müssten. Man bräuchte dazu also mindestens eine Wiederaufarbeitungsanlage (wie in La Hague bzw. Sellafield, bzw. wie mal in Gorleben oder Wackersdorf geplant war). Hier wird sie aber beschönigend PPU genannt.

Es gilt das gleiche wie bei der Technik: Die Behauptungen sind mehr als fragwürdig. Es fehlt an den konkreten Erläuterungen, stattdessen werden einfach Behauptungen aufgestellt.

Wer heizt die Diskussion an?

Die Idee wird v.a. von Personen/Gruppierungen/Organisationen aufgegriffen, die Interesse haben Klimaschutzmaßnahmen zu verhindern oder zu verzögern. Die Hoffnung auf eine billige, sichere Atomtechnik ohne Atommüllproblem soll die Forderungen nach Einschränkungen oder Umstellungen unserer Wirtschaft oder unseres Lebensstils, der Natureingriffe durch den Ausbau Erneuerbarer Energien, den notwendigen Abschied von der grenzenlosen Wachstumsgesellschaft diskreditieren. So werden die „Fans“ des Dual-Fluid-Reaktors elegant benutzt, von denen die den Ausstieg aus der fossilen Wirtschaftsweise verzögern wollen, obwohl niemand in diese Technologie investieren will.

Und natürlich nutzt dies auch die AfD um damit Menschen einzufangen, die Angst vor den notwendigen Veränderungen haben.

Fazit: 

Bisher sind es nur Ideen auf dem Papier. Es gibt keinen Prototyp. Ob die Technik funktioniert weiß niemand. 

Am Ausbau der Erneuerbaren Energien geht kein Weg vorbei. Das ist die Investition in unsere Zukunft!

In Verbindung stehender Artikel:

30.11.2019: Die Atomkraft hat keine Zukunft!

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