Die Weltklimakonferenz COP30 im brasilianischen Belém hätte ein Meilenstein sein müssen. Zwei Jahre nach einer guten Vereinbarung in Dubai erwarteten viele einen entschlossenen nächsten Schritt: einen klaren Fahrplan für den weltweiten Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas. Doch am Ende steht eine ernüchternde Bilanz. Die fossilen Interessen haben sich durchgesetzt – und Deutschland trägt mit seiner widersprüchlichen Klimapolitik einen großen Teil der Verantwortung an diesem Scheitern vor der fossilen Lobby.
Keine Einigung auf einen globalen Energiewende-Fahrplan
Mehr als 80 Staaten hatten einen verbindlichen Beschluss zur Abkehr von fossilen Energieträgern gefordert. Doch Petrostaaten wie Saudi-Arabien und Russland blockierten erfolgreich. Die COP30 endete ohne konkrete Schritte zum Ausstieg aus fossilen Energien. Nicht einmal die Abschlusserklärung erwähnt diesen überfälligen Schritt.
Die fossile Welt hat die geopolitische Lage ausgenutzt. Damit bleibt die dringend benötigte Dynamik beim Emissionsrückgang erneut aus – obwohl die globalen Klimaschutzpläne nach wie vor dramatisch hinter dem 1,5-Grad-Pfad zurückliegen. Laut UN müssten die weltweiten Emissionen bis 2035 um 60 Prozent sinken. Derzeit steuern wir auf gerade einmal zwölf Prozent zu. Die freiwilligen Vereinbarungen des historischen Erfolges der COP in Paris vor 10 Jahren sind leider ohne Erfolg. Auch Deutschland verlässt mit der neuen Bundesregierung den Zielpfad und schwenkt zurück auf fossile Energien.
Gute Initiativen – aber alles unverbindlich
Zwar kündigte die brasilianische Präsidentschaft einen Energiewende- und einen Waldschutz-Fahrplan an, doch beide sind freiwillig. Die Staatengemeinschaft verabschiedete zudem den „Global Implementation Accelerator“, eine Initiative, die Länder bei der Umsetzung ihrer Klimapläne unterstützen soll. Doch auch hier fehlt es an Verbindlichkeit und klaren Mechanismen. Diplomatieexpert*innen sprechen daher von einem Test, den diese COP nicht bestanden hat.
Fortschritte bei der Anpassung – aber nicht ausreichend
Positiv ist, dass die Staaten 59 globale Indikatoren zur Klimaanpassung beschlossen haben und die Baku-Adaptation-Roadmap als neues Umsetzungsinstrument etablieren wollen. Auch das Ziel, die internationale Anpassungsfinanzierung bis 2035 zu verdreifachen, ist ein Schritt – aber ohne klare Bezugsgröße und ohne festen Finanzierungsmechanismus bleibt es viel zu schwach.
Germanwatch bewertet diese Ergebnisse als „wichtige, aber unzureichende Fortschritte“. Angesichts zunehmender Extremwetter und einer globalen Erwärmung von bereits 1,5 Grad braucht es deutlich mehr: verlässliche Finanzierungszusagen und eine ehrliche Ausrichtung an wissenschaftlichen Notwendigkeiten.
Ein weiteres Problem: Deutschlands Glaubwürdigkeit
Eine bittere Erkenntnis der COP30 ist, dass Deutschland international an Einfluss verloren hat. Ein Land, das den Ausstieg aus dem Verbrenner auf EU-Ebene torpediert, neue fossile Heizungen hofiert und Neubau von Erdgaskraftwerken ohne klaren Umstiegsplan auf Wasserstoff festzuschreiben, kann auf dem internationalen Parkett kaum für ambitionierte Klimapolitik werben.
Dass Norwegen – wirtschaftlich weit kleiner – fast das Dreifache der deutschen Summe für den Schutz des Amazonas-Regenwaldes bereitstellt, zeigt die ganze Schieflage. Gleichzeitig kürzt die Bundesregierung die Entwicklungszusammenarbeit. Das beschädigt massiv das Vertrauen, vor allem der Länder des Globalen Südens.
Für Menschen, die heute schon unter Dürren, Überflutungen oder Ernteausfällen leiden, ist diese Halbherzigkeit ein Schlag ins Gesicht.
Trotz allem: Positive Dynamik durch Zivilgesellschaft und neue Initiativen
Was Mut macht: Der eigentliche Motor dieser COP kam von der Zivilgesellschaft – von Aktivist*innen, Wissenschaft, indigenen Gruppen. Sie forderten konsequent eine gerechte Energiewende und den Schutz der Lebensgrundlagen.
Zudem gibt es neue Initiativen, die jetzt entscheidend werden können:
Kolumbien lädt im April 2026 zur ersten weltweiten Konferenz zum gerechten Ausstieg aus fossilen Energien ein.
Brasilien will einen Energiewende-Fahrplan außerhalb der COP-Strukturen vorantreiben.
Das neue Just Transition Work Programme soll globale Zusammenarbeit für eine sozial gerechte Transformation stärken.
Diese Ansätze verdienen maximale politische Unterstützung – gerade aus Deutschland und der EU.
Was jetzt notwendig ist
Für mich und uns GRÜNE ist klar:
1. Deutschland muss seine Glaubwürdigkeit zurückgewinnen.
Das geht nur mit einer echten, verlässlichen Klimapolitik – national wie international.
2. Wir brauchen starke Allianzen mit Ländern des Globalen Südens.
Nicht nur mit Worten, sondern mit echter finanzieller und technologischer Unterstützung.
3. Die Bundesregierung und die bayerische Staatsregierung müssen endlich aufhören mit ihrem Rückschritt zu fossilen Energien. Die Zukunft liegt in erneuerbaren Energien, Elektrifizierung, Effizienz, Speicher und Netzen - im Strom, Wärme und Mobilitätsbereich.
4. Zivilgesellschaft und Parlamente müssen weiter Druck machen.
Denn ohne diesen Druck bewegt sich die Staatengemeinschaft zu langsam.
Die COP30 war eine vertane Chance. Sie zeigt aber auch: Die Mehrheit der Welt will vorankommen. Viele Staaten, Organisationen und Menschen kämpfen mit beeindruckender Beharrlichkeit für eine sichere und gerechte Zukunft.
Damit diese Stimmen gehört werden, braucht es ein klares Signal aus Europa – und ein Deutschland, das nicht bremst, sondern wieder vorangeht.
Klimaschutz wirkt. Und es ist an uns, dafür zu sorgen, dass aus den Enttäuschungen der COP30 neue Stärke erwächst.




