Bibermanagement in Bayern: Gute Entwicklungen, aber mit Nachbesserungsbedarf für den Freistaat – wichtiger Beitrag zum Hochwasserschutz

In Bayern ist der Biber weit verbreitet, allerdings bleib das Zusammenleben von Mensch und Biber eine Herausforderung vor allem da, wo Schäden entstehen. Mit einer schriftlichen Anfrage wurde das Bibermanagement in Bayern abgefragt, wie sich Schäden, Entnahmen und Biberbestand im Freistaat entwickelt haben.

Biberdamm in einem Wald im Landkreis Ansbach
Biberdamm in einem Wald im Landkreis Ansbach; Bildquelle: Lisa Frommberger

Der Biber ist in Bayern weit verbreitet. Rund 25.000 bis 27.000 Tiere leben inzwischen in etwa 8.000 Revieren. Gleichzeitig bleibt das Zusammenleben von Mensch und Biber eine Herausforderung - vor allem dort, wo Schäden entstehen. Andererseits ist die positive Wirkung der Biberdämme beim vorbeugenden Hochwasserschutz unbestritten.

Mit einer schriftlichen Anfrage an die Staatsregierung haben meine Fraktionskolleg*innen Christian Hierneis, Laura Weber, Patrick Friedl, Paul Knobloch und ich hinsichtlich des Bibermanagements in Bayern genauer nachgefragt, wie sich Schäden, Entnahmen und der Biberbestand in den letzten Jahren im Freistaat entwickelt haben.

Die Antwort vom 23.09. zeigt: Das bayerische Bibermanagement funktioniert in vielen Bereichen grundsätzlich gut; bei der Ausgestaltung des finanziellen Ausgleichs für Schäden und der Transparenz bezüglich der weiteren Verwendung von Entnahmen herrscht noch Nachbesserungsbedarf.

Für den Ausgleich von Biberschäden stehen dem Freistaat seit 2021 jährlich 660.000 Euro an Haushaltsmitteln zur Verfügung. Diese Summe reicht jedoch seit Jahren nicht aus, um die tatsächlich entstandenen Schäden vollständig abzudecken. 2023 summierten sich die entstandenen Schäden auf rund 860.000 Euro, 2024 fast identisch mit rund 853.000 Euro.

2025 lagen die Schäden mit rund 739.000 Euro zwar spürbar darunter, aber weiterhin deutlich über dem vorgesehenen Haushaltsansatz. Für 2027 sind von der Staatsregierung erneut 660.000 Euro an Haushaltsmitteln eingeplant. Das zeigt: Die tatsächlichen finanziellen Belastungen des Bibermanagements werden bisher nicht vollständig aufgefangen. Dies kann gerade für Kommunen und betroffene Landwirte, die ohnehin mit knappen finanziellen Spielräumen umgehen müssen, zum Problem werden. Es wäre daher dringend notwendig, dass der Freistaat diese Entwicklung ernst nimmt und sich die verfügbaren Mittel künftig stärker am tatsächlichen Schadensaufkommen orientieren.

So sticht der Landkreis Ansbach beispielsweise im Jahr 2023 bei 16 gemeldeten Schadensfällen und einer Gesamtschadenssumme von 41.300 Euro, im Vergleich zum in der Fläche ähnlichen Landkreis Weißenburg (9624 Euro, 19 gemeldete Schadensfälle) deutlich heraus. Die Betrachtung beruht demnach stark auf die Bewertung von Schädenund Eingriffe der Behörden des jeweiligen Landkreises, sowie selbstredend der potenziellen Anfälligkeit und Schwere der Biberschäden vor Ort.

Wer sich vor Ort um einen funktionierenden Umgang mit dem Biber bemüht, darf aber mit den zusätzlichen Kosten nicht dauerhaft allein gelassen werden.

Weiter gab die Staatsregierung Antworten auf unsere Fragen zur Entnahme in Bayern im Zeitraum 2024-2025. Insgesamt wurden 5937 Biber entnommen (2024: 2819, 2025: 3118). Davon wurden 115 Tiere lebend an Einrichtungen im Ausland vermittelt (87 nach Frankreich und 28 nach Portugal).

Gleichzeitig zeigen die Antworten der Staatsregierung aber auch, dass das Bibermanagement in Bayern insgesamt funktioniert und sich positiv entwickelt. Die Schadenssumme ist zuletzt zurückgegangen. Zugleich befindet sich der Biber laut Staatsregierung ausdrücklich in einem günstigen Erhaltungszustand. Das ist eine gute Nachricht für uns: Schutz, Beratung, Prävention und notwendige Entnahmen scheinen grundsätzlich miteinander vereinbar zu sein. Eine wichtige Rolle übernehmen dabei die derzeit 487 Biberberaterinnen und Biberberater in ganz Bayern, die diezuständigen Naturschutzbehörden vor Ort unterstützen und unter anderem bei Prävention und Konfliktlösungen.

helfen. Dass der Biberbestand, trotz der Entnahmen, weiterhin bei rund 25.000 bis 27.000 Tieren in etwa 8.000 Revieren liegt und sein Erhaltungszustand als günstig bewertet wird, ist dabei erfreulich und zeigt uns, dass der Schutz der Art und ein funktionierendes Management aus Beratung, Prävention und Entnahmen miteinander vereinbar ist.

Die Schäden sind mit 700.000 Euro im Jahr nicht gering. Andererseits erfüllt der Biber eine wichtige Rolle beim Hochwasserschutz. Die Hochschule Weihenstephan hat dies wissenschaftlich untersucht und eine grössere Rückhalteleistung festgestellt. Auch große Mengen an Sedimenten werden zurückgehalten. Die Schäden beim Hochwasserereignissen gehen oft in die Milliarden. Das Pfingsthochwasser Ende Mai und Anfang Juni 2024 verursachte beispielsweise in Schwaben und Südbayern Gesamtschäden in Höhe von über 4,1 Milliarden Euro. Biberdämme können hier einen gewissen Beitrag leisten, dass die Sturzfluten abgebremst werden und die Schäden geringer ausfallen. In manchen Gegenden werden Biberdämme nachgebaut, um die Flüsse in die Breite zu lenken (link s. unten).

Meine Landtagsfraktion und ich werden weiter an dem Thema dranbleiben. Denn auch in Zukunft braucht es ein Bibermanagement, das Naturschutz, Hochwasserschutz und einen fairen Umgang mit den entstehenden Kosten und die Interessen der Menschen vor Ort miteinander in Einklang bringt.

 

Zur Schriftlichen Anfrage

 

Links zum nachlesen:

  1. Von den Bibern abgeguckt: Hochwasserschutz ganz natürlich

  2. Die Wirkung des Europäischen Bibers (Castor fiber) auf den natürlichen Wasserrückhalt an ausgewählten Fließgewässern Bayerns (Projektleitung HSWT-Verbund: Prof. Dr. Volker Zahner)


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