06.03.2018

Besuch des Hebammenhauses Meinhardswinden

Kosteneinsparungen im Krankenhausbereich führen dazu, dass Frauen nach der Geburt nur 1-2 Tage in der Klinik sind. Werden sie entlassen, fehlt aber immer öfter die aufsuchende Nachsorge. Hohem Zeitaufwand und hohen Kosten durch Versicherung und weiten Fahrtwegen, steht nur eine sehr geringe Vergütung gegenüber. Gelder der Staatsregierung werden vollkommen falsch eingesetzt.
von li: Ruth Sichermann, MdL Martin Stümpfig, Richard Illig, Katrin Müller, Ingrid Eichner, Gabi Scharf; ©Foto: Eigene Aufnahme

Beim Besuch des Hebammenhauses in Meinhardswinden wurde die Delegation der grünen Kreis- und Stadtratsfraktion von der Familie Sichermann durch die Räume geführt. Die Situation hat sich grundlegend verschlechtert, als im Krankenhausbereich die Abrechnung über die sog. DRG Fallpauschalen eingeführt wurde. Seitdem werden Frauen nach der Geburt meist bereits nach 1-2 Tagen entlassen. Die Stationsbetten im Klinikum Ansbach sind entsprechend von 32 Betten auf 10 Betten abgebaut worden. Die Geburtenzahl blieb mit 1200 Geburten ungefähr konstant. Die geburtshilflich tätigen Hebammen haben eine hohe Arbeitsbelastung.

Verdienst der Hebammen nicht angemessen

Gleichzeitig verdienen sie trotz 5-jähriger Ausbildung ähnlich wie Krankenschwestern und müssen zudem noch eine sehr hohe Haftpflichtversicherung von zurzeit 7600€ bezahlen. Da fragen sich viele junge Frauen mit dem Berufswusch Hebamme, ob sie nicht doch lieber eine kaufmännische Ausbildung machen.

Großer Bedarf für Nachsorge

Frau Ruth Sichermann wies uns weiter auf den großen Bedarf der Nachsorge hin, der durch die frühen Entlassungen enorm gestiegen ist. Die Vergütung pro aufsuchendem Nachsorgetermin durch die Krankenkassen beträgt gerade einmal 38€ - egal wie lange der Termin dauert. In unserem ländlichen Raum mit langen Anfahrten ein echtes Draufzahlgeschäft. In unserer Region gibt es viele ausgebildete Hebammen, die sich wegen eigenen Kindern nun gerne Teilzeit arbeiten würden. Die Vergütung ist aber so gering, dass sie die Kosten und auch das übernommene Risiko kaum aufwiegen. Die volle Haftpflichtversicherung von 7600€ gilt zwar nur für geburtshilflich tätige Hebammen. Aber auch die Prämie von z. Zt. ca. 450€, wenn Hebammen ausschließlich Vor- und Nachsorge betreiben, muss erstmal durch 120 Hausbesuche reingeholt werden.

Gruppenversicherung für Hebammen

An diesen beiden Schrauben muss gedreht werden, wie uns die junge Frau Mayr, geborene Sichermann, erläutert. Ihr Vorschlag: nach dem österreichischen Fond-Modell alle Hebammen in Gruppenversicherung versichern. Gleichzeitig die Nachsorgepauschale erhöhen und die bürokratischen Pflichten wie das Qualitätsmanagement gerade für Teilzeit-Hebammen reduzieren. Dann könnten sie ad hoc im Geburtshaus mehrere Hebammen in Teilzeit anstellen. Die Absagen an anfragende, schwangere Frauen nach Nachsorge von derzeit 5 Stück am Tag würden stark reduziert.

Feste Anstellung der Hebammen

Um die reine Geburtshilfe in den Krankenhäusern sicherzustellen, wäre es notwendig in allen Krankenhäusern entsprechend der Geburtenzahl Hebammen fest anzustellen. Für die Nachsorge könnten einzelne Kommunen eine eigene Gemeinde-Hebamme beschäftigen und so Teilzeit-Hebammen eine interessante Beschäftigung bieten. 

Ausbildung

Simon Mayr weist auf die Ausbildungssituation hin: Für die Ausbildung der Hebammenschüler*innen bekommt eine außerklinische Einrichtung zur Zt. keine Vergütung. Eine Regelung wie in Sachsen (40€/Tag) wäre wünschenswert.

Die derzeitige Förderung durch die CSU Staatsregierung von 40 € pro Geburt für die Kommunen, geht im städtischen Haushalt einfach unter. Diese Förderung bringt gar nichts. Die Vorschläge „Fond für Versicherung“, höhere Nachsorgeentschädigung und Förderung von Gemeindehebammen würde tatsächlich etwas bringen. Für uns steht fest: die Entwicklung im Gesundheitsbereich hat sich mit Einführung des DRGs und dem stetig steigenden Kostendruck durch die Kassen massiv verschlechtert. Hier muss tatkräftig Abhilfe geschaffen werden und eine gute Betreuung sichergestellt werden. 



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