Das geplante Netzpaket von Katherina Reiche stellt eine massive Gefahr für den weiteren Ausbau von Wind, Sonnen und Bioenergie in Bayern dar. Unter dem Vorwand sinkender Netzkosten wird die Energiewende aufs Spiel gesetzt: Neue Windräder und Solarparks sollen in vielen Netzgebieten mit Baukostenzuschüssen belastet werden. Außerdem soll ein sogenannter Redispatchvorbehalt eingeführt werden, nach dem Neuanlagen in diesen Gebieten bei Abregelungen keine Entschädigung mehr erhalten. Netzbetreiber sollen solche Gebiete nach dem Entwurf für bis zu zehn Jahre festlegen können, wenn die Abregelung von Strom aus erneuerbaren Energien im Vorjahr über drei Prozent lag. Für Bayern hätte diese Regelung zur Folge, dass viele ländliche Gebiete, in denen heute bereits erneuerbare Energien abgeregelt werden müssen für den weiteren Ausbau gesperrt wären. Im gesamten Netzgebiet des Bayernwerks betrugen die Abregelungen von Erneuerbaren Energien im Jahr 2025 6,5 %. Dies ist regional zwar teilweise unterschiedlich, ein Blick auf die Netzampel des Bayernwerks zeigt jedoch, dass viele ländliche Regionen rot oder orange eingefärbt sind und hier somit flächendeckend mit wenig Ausnahmen mehr als 3 Prozent der Strommenge aus Erneuerbaren abgeregelt wurde.
Im Gebiet der übrigen Netzbetreiber, wie z.B. N-Ergie und LEW, ist die Situation im Verteilnetz vergleichbar - ausgenommen allein die Ballungsräume. Bayern ist deutschlandweit besonders betroffen, denn der Ausbau und die Ertüchtigung der Netze wurden über Jahre hinweg von der Söder-Regierung und seinem Vorgänger Seehofer blockiert. Auch das Potential von Stromspeichern zur Netzstabilisierung wird bislang völlig unzureichend genutzt. 71 Prozent der deutschlandweiten Abregelungen im PV-Bereich fanden 2024 in Bayern statt. Der daraus resultierende Ausbaustopp für Wind-, Sonnen- und Bioenergie wäre verheerend.
Anstatt gegen diese für Bayern verheerenden Pläne aus Berlin vorzugehen unterstützt Markus Söder diese fortschrittsfeindlichen Vorhaben von Katherina Reiche, wie es in der Pressekonferenz nach der Kabinettssitzung am Dienstag ersichtlich wurde. Vor diesem Hintergrund ist auch von der Pressemitteilung von Hubert Aiwanger, in dem die 3 Prozentregel abgelehnt wird, ein durchsichtiges Manöver.
Ein Stopp des Ausbaus der Erneuerbaren Energien hätte gravierende Folgen für den Wirtschaftsstandort Bayern. Abhängigkeiten von teuren und schmutzigen fossilen Energien werden sozementiert. Zahlreiche bayerische Unternehmen und Gemeinden profitieren heute enorm von heimischer Stromerzeugung und Wertschöpfung aus Wind, Sonne und Biomasse. Bayerische Unternehmen von Traunstein (Maxsolar) bis Iggensbach (Fenecon) profitieren direkt von der Energiewende. Aber auch Unternehmen aus der Zuliefererbranche wie (Max Bögl, Goldhofer oder Fuchs) wären direkt von einem Ausbaustopp betroffen.
Es braucht sinnvolle Lösungen und neue Technologien wie z.B. netzdienliche Batteriespeicher, um unsere Stromnetze zu entlasten. Was es nicht braucht, ist das totale Abwürgen der Energiewende unter dem Vorwand der Netzentlastung. Katherina Reiche entpuppt sich zur obersten Lobbyistin der fossilen Gaslobby und Markus Söder als ihr williger Helfer mit gravierenden Folgen für Bayern.




