05.12.2016

Heimat ist, was wir draus machen

Martin Stümpfig (MdL) auf dem Heimatkongress
Die geladenen Initiativen stellen sich vor
Anmeldung zu den Workshops
Frau Dr. Anne von Streit
Martin Stümpfig fasst die Ergebnisse zusammen
Gespräche am Rande

Unter diesem Motto fand der 2. Heimatkongress der Landtags-GRÜNEN statt. Wir sind der Frage nachgegangen, was Heimat für uns in der politischen Praxis bedeutet - von der Kulturpolitik, über die Energie-, Umwelt- und Landwirtschaftspolitik bis hin zur Stadtplanung.

Der Begriff „Heimat“ wurde in den letzten zwei Jahrhunderten leider schon oft missbraucht – aber er steht doch für ein Grundbedürfnis von uns allen. Es ist an uns zu sagen, was wir unter Heimat verstehen und den Begriff nicht den Populisten und Rechten zu überlassen. Unsere Heimat ist da, wo wir die Werte unserer Verfassung und des Grundgesetzes leben - ein Ort, der sich auch wandeln darf.

In fünf unterschiedlichen Workshops wurde eifrig diskutiert. Bei meinem Workshop ging es natürlich um Energie – dieser Workshop war voller Spannung! Der Titel:

Die Spannung steigt. Die Energiewende verändert die Landschaft – wie Konflikte vor Ort gelöst werden können.

In meiner Einleitung zu Thema stellte ich die Notwendigkeit der Energiewende heraus:

Die dramatische Steigerung der Temperaturen spüren wir alle – die Klimafolgen erleben viele auch in Bayern am eigenen Leib. Die weltweiten Änderungen sind dramatisch: der Rückgang des Meereises könnte unser komplettes Klimasystem zum kippen bringen – die Hochwasserschäden waren 2016 enorm – die Schäden an unseren Wäldern aufgrund von Hitze und Trockenheit sind heute bereits schlimm...

Wir sehen also, dass die Veränderungen von außen kommen und der Klimawandel auch vor unserer Haustür nicht halt macht.

Oft machen Veränderungen Angst. Dabei entsteht der Wunsch, dass alles so bleiben soll, wie es ist. Der Rückzugsort „Heimat“ – wird dabei ideell gegen die Einflüsse von außen verteidigt.

Es gibt keine „Käseglocke“ beim Klima

So nachvollziehbar diese Haltung ist, müssen wir doch feststellen: die Käseglocke wird nicht funktionieren. Wir werden auf große Temperaturveränderungen zusteuern. In Bayern wird ein Plus von bis zu 4,5 °C bis Ende des Jahrhunderts prognostiziert. Je früher wir dem Klimawandel mit Anpassungs- und präventiven Maßnahmen begegnen, desto besser.

Die Zeit drängt

Atomstrom macht in Bayern derzeit noch 45 % aus. Schon in sechs Jahren geht mit Isar II das letzte AKW vom Netz. Die durchschnittliche Genehmigungszeit eines Windrades liegt bei 2-5 Jahren. Ein Pumpspeicherwerk braucht von der Idee bis zur Realisierung gut 10 Jahre. Die Zeit drängt also.

Für die CSU kommt der Strom aus der Steckdose

Wenig eilig hat es die Staatsregierung. Ministerin Aigner erklärt, dass Bayern 2025 45 - 50 % des Stroms importieren wird. Ihr ist es anscheinend egal, wo und wie dieser produziert wird. Hauptsache billig.

Damit geben wir uns nicht zufrieden! Bayern kann viel mehr - für das Gelingen einer echten Energiewende müssen wir vor Ort handeln. Eine dezentrale Energieversorgung hat viele Vorteile – weniger Transport, höhere Netzstabilität und die Wertschöpfung bleibt im Land.

Grünes Ziel: 2/3 selbst erzeugen

Unser Grünes Ziel ist es, mindestens 2/3 des bayrischen Stromverbrauchs im Land zu erzeugen. Dazu müssen die Erneuerbaren Energien stark ausgebaut werden. 1000 Windräder in Bayern erzeugen derzeit 3-4 % unseres Strombedarfs. Mit 1000 neuen effektiven Windrädern könnten wir weitere 10 Milliarden KWh erzeugen - das sind knapp 10 % des Verbrauchs in Bayern. Mit einer zusätzlichen Verdoppelung der bestehenden Solarkraftwerke und gleichzeitigen Einsparungen von 1 % des Energieverbrauchs, könnten wir in Bayern in den nächsten 10-15 Jahren das Ziel erreichen.

Soziale Transformation

Die Expertin in unserem Workshop war Frau Dr. Anne von Streit von der LMU München. Sie stellte heraus, dass Technik allein für ein Gelingen des Transformationsprozesses hin zu einer Gesellschaft mit 100 % Erneuerbaren Energien nicht ausreichen wird. Wir brauchen auch die soziale Transformation.

Zu Beginn von Veränderungsprozessen gibt es immer Pioniere, die sich auf den Weg machen. Mit der Zeit etablieren sich informelle Institutionen (Energiebündnisse / Initiativen in Bürgerhand...). Dann mit Verstetigung der Entwicklung kommen formelle Institutionen hinzu (Energieagenturen...).

Derzeit befinden wir uns in einer Stagnationsphase – jetzt gilt es die formellen Institutionen zu installieren und Breitenwirkung zu erreichen.

Das Projekt, an dem Frau Dr. Anne von Streit derzeit arbeitet, heißt INOLA.

INOLA

Die vier Landkreise Weilheim-Schongau, Bad Tölz – Wolfratshausen und Miesbach haben sich das Ziel gesetzt, bis 2035 frei von fossilen Energien zu sein. Diese Landkreise werden in INOLA systematisch untersucht.

Erste Ergebnisse liegen vor: Das Potenzial ist vorhanden. Die Landkreise halten an der Zielsetzung fest. Die Praxis zeigt aber ein zwiespältiges Bild. Die gesamte Region wurde z.B. als Windkraft-Ausschlussgebiet festgelegt. Zielsetzung und Praxis laufen also teilweise auseinander. Die rein technische Machbarkeit ist eben nur eine Seite.

Ohne gesellschaftliche Akzeptanz und ohne die Begleitung durch eine soziale Transformation, wird die Energiewende nicht gelingen. Beteiligung und transparente Prozesse sind Schlüsselthemen.

An drei Themen-Tischen haben wir folgende Fragen diskutiert: 

  1. Was soll in unseren Regionen bewahrt werden?
  2. Wenn Sie sich das Idealbild Ihrer Region 2045 vorstellen – Was ist anders? Was sind Hemmnisse, die überwunden werden müssen?
  3. Welche innovativen Energieprojekte kennen Sie in Ihrer Region? Was funktioniert gut? (Energieproduktion, -einsparung, -effizienz, Bürgerbeteiligung, Geschäftsmodelle …) Wer treibt diese Projekte voran?

Die Ergebnisse der spannenden Diskussionen werden demnächst zusammengefasst und auf unserer Homepage veröffentlicht.

Nur soviel vorneweg: Es gibt eine Vielzahl an Personen, tollen Projekten und Initiativen, die sich bereits auf den Weg gemacht haben. Die mit ihrem Engagement dazu beitragen, dass Bayern nachhaltiger, demokratischer, vielfältiger und damit auch lebenswerter wird. Wir alle müssen anpacken. Heimat ist, was wir daraus machen. Also los geht’s !!

 

©alle Fotos: Grüne_Fraktion_Bayern



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