01.05.2018

GRÜNES Positionspapier zur Agrogentechnik

Die Fraktion der Grünen im bayerischen Landtag nahm die Diskussion über die Anwendung neuer Züchtungsmethoden im Agrarbereich zum Anlass, um neu und erneut zu prüfen, ob die Argumente, die gegen den Einsatz gentechnischer Veränderungen an Organismen im landwirtschaftlichen Bereich sprechen, heute immer noch greifen. Insbesondere wurde die Methode CRISPR/Cas1 unter die Lupe genommen.
©Bild: Grüne Fraktion Bayern

Das Positionspapier bezieht sich auf grüne Gentechnik/Agrogentechnik, also auf die Anwendung gentechnischer Verfahren in der Landwirtschaft im Rahmen der Herstellung von Nutztieren und Nutzpflanzen mit veränderten Eigenschaften oder Inhaltsstoffen.

Wir sind zu dem Ergebnis gekommen:

Die langfristigen Folgen für Menschen und Umwelt durch Agro-Gentechnik und der neuen Verfahren sind nicht absehbar. Das geltende Vorsorgeprinzip schützt uns vor unwiderruflichen Schäden. Es ist offensichtlich, dass zum einen das Versprechen, durch Gentechnik den Hunger in der Welt zu stillen, nicht eingehalten wurde, und zum anderen Agrogentechnik vor allem dazu dient, Abhängigkeiten und Machtkonzentrationen zu festigen. Gerade in den Ländern des Südens wurden und werden Kleinbauern durch die Abhängigkeit von Gen-Saatgut und den ergänzenden Pestiziden in den Ruin getrieben.

Gute und gesunde Futter- und Lebensmittelproduktion funktioniert ohne Gentechnik. Die Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung und Lösungen für die Herausforderungen durch den Klimawandel können ohne Gentechnik gesichert und gefunden werden (siehe unsere Forderungen).

Derzeit prüft der Europäischen Gerichtshof, ob mit Crispr/Cas veränderte Pflanzen unter die GVO-Richtlinie fallen oder nicht. Doch nur mit einer strengen Regulierung und mit einem entsprechenden Monitoring zum Verhalten der Organismen lassen sich die Auswirkungen der neuen Züchtungsmethoden erfassen und kontrollieren. Dafür brauchen wir Kennzeichnungsregelungen und Standortregister. Dies zu gewährleisten ist mit ein Grund, warum die neuen Verfahren als Gentechnik mit entsprechenden Genehmigungs- verfahren (Risikoprüfung, Kennzeichnung, Freisetzungsrichtlinie) eingestuft und geregelt werden sollen und das Vorsorgeprinzip unbedingt angewandt werden muss.

Patente auf Tiere und Pflanzen und gentechnische Manipulationen von Tieren und Pflanzen wie die neuen Züchtungsmethoden (z.B. CrisprCas) lehnen wir ab.

Landwirtschaft gentechnikfrei halten – Vielfalt erhalten
Unsere Forderungen:
  • Deutlicher Ausbau der Forschung zur Agrarökologie 

  • Staatliche Forschung an und traditionelle Zucht von robusten, standort und klimaangepassten Sorten. 

  • Verstärkte Wahrnehmung der staatlichen Aufgabe der Erhaltung von vielfältigem Saatgut. 

  • Anwendung und Erforschung von agroforstwirtschaftlichen Methoden. 

  • Gewährleistung einer breiten und zugänglichen Vielfalt von Obst-, Gemüse- und Getreidesorten; Unterstützung von open-source-Systemen. 

  • Unterstützung für Initiativen für regional angepasste und ökologische Pflanzen- und Nutztierzucht sowie 

  • Einstufung und Regulierung der neuen agrogentechnischen Züchtungsverfahren nach dem Gentechnikgesetz 

  • Sicherstellung der Wahlfreiheit der Verbraucher*innen und ihres Rechts, zu „wissen, was drin ist“, durch Transparenz und Kennzeichnung 


→ Hier unser Positionspapier als pdf

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