Lange war der Monitoringbericht angekündigt. Jetzt liegt er vor und zeigt klar auf, dass die Energiewende auf einem guten Kurs ist. Der muss fortgesetzt werden, so das Expertenteam. Der 10 Punkte-Plan von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und ihre Pressekonferenz entfachen aber eine Debatte um die Zukunft der Energiewende neu und sorgen für erhebliche Verunsicherung. Unter dem Schlagwort „Kosten senken“ kündigt sie an, Subventionen systematisch zurückzufahren, die fixe Einspeisevergütung für neue Solaranlagen abzuschaffen und den Ausbau der Offshore-Windkraft zu drosseln. Begründung: Der Strombedarf steige weniger stark als bisher angenommen, viele Anlagen produzierten zu Spitzenzeiten ohnehin Strom, der nicht genutzt werde.
Das steht aber so nicht im Monitoringbericht. Dieser zeigt unterschiedliche Szenarien auf. Reiche geht bei ihrem Strombedarf in Höhe von 600 THW im Jahr 2030 aber von einer maximal schlechten wirtschaftlichen Entwicklung aus. Der Monitoring Bericht sah dies als aller untereste Schwelle bis 2030 an. Sie nimmt nun diese pessimistische Zahl und nimmt es als Vorwand für die Reduzierung der Ziele für den Ausbau der Erneuerbaren. Das ist der vollkommen falsche Weg!
Zwar bekräftigt Reiche, bis 2030 weiterhin 80 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren gewinnen zu wollen. Doch ihre „zehn Schlüsselmaßnahmen“ laufen in der Praxis auf eine Kurskorrektur hinaus, die den Erneuerbaren-Ausbau bremst und vor allem auf Marktmechanismen setzt. So sollen Förderungen überprüft, Netzausbau stärker „bedarfsgerecht gesteuert“ und zusätzliche Investitionen durch höhere Eigenverantwortung der Betreiber finanziert werden.
Mein Kollege Michael Kellner macht klar: „Der Strombedarf wird steigen – durch Rechenzentren, E-Autos und Industrie. Dafür braucht es günstigen, sauberen Strom. Wer jetzt bremst, gefährdet nicht nur die Klimaziele, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit unseres Industriestandorts.“ Auch Energieexpert:innen warnen, dass eine Kürzung von Subventionen ohne gleichzeitigen massiven Ausbau von Netzen und Speichern die Energiewende ins Wanken bringt.
Denn eines ist klar: Der Ausbau erneuerbarer Energien ist längst kein Selbstzweck, sondern zentrale Voraussetzung für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und faire Strompreise. Bereits heute investieren Bund und Länder zweistellige Milliardenbeträge in die Energiewende – für 2025 sind rund 16 Milliarden Euro eingeplant. Wer diese Gelder vorschnell kürzt, ohne die nötige Infrastruktur auf- und auszubauen, riskiert nicht nur die Energiewende, sondern auch das Vertrauen von Bürger:innen, Investoren und Industrie.
Statt auf Rückbau von Förderungen zu setzen, braucht es jetzt eine klare Linie: mehr Netzausbau, stärkere Speicherförderung, Digitalisierung vorantreiben und regionale Wertschöpfung sichern. Die Herausforderungen sind groß – aber sie lassen sich nicht mit einem Sparprogramm meistern, sondern nur mit politischem Mut und konsequenter Umsetzung.
