30.01.2019

Wie ist das Ergebnis der Kohlekommission zu bewerten?

Es ist als Durchbruch zu sehen, dass der Einstieg in den Ausstieg aus der Kohle gelungen ist. Doch Deutschland wird trotzdem seine Klimaschutzvereinbarungen von Paris massiv verfehlen! Sie werden um das Doppelte bis fast Dreifache überschritten.
Abb. 1 Gesamtemissionen CO2 Deutschland Klimaschutzplan GROKO 2050 - 1,5 °Ziel - 2° Ziel ©Eigenes Schaubild
Abb. 2 CO2 Emissionen Deutschland Klimaschutzplan GROKO 2050 - 1,5 ° Ziel - 2° Ziel ©Eigenes Schaubild
Abb. 3 Strom aus Braunkohle 2018 ©Eigenes Schaubild
Abb. 4 Strom aus Steinkohle 2018 ©Eigenes Schaubild
Erst einmal die positive Seite:
  • Es ist ein „Durchbruch“, dass es einen Kohleausstieg gibt, für einige war das ja immer noch ein Tabu-Thema. Der Ausstieg ist auch ein internationales Signal, gerade auch in der Kombination mit dem Atomausstieg.
  • Die bis 2022 geforderte Stilllegung von Kraftwerkskapazitäten mit 12,5 GW ist sogar höher als das was Grüne noch vor einem Jahr bei den „Jamaika-Verhandlungen“ gefordert haben und die damals sehr umstritten war. (Allerdings mit einer anderen Verteilung zwischen Braunkohle und Steinkohle!)
  • 3 GW Braunkohle im rheinischen Revier werden in nächsten 3 Jahren vom Netz genommen – Hambi kann bleiben
  • 2030 sollen noch 17 GW Kohle am Netz sein (9 GW Braun-, 8 GW Steinkohle)
  • Das Enddatum soll 2038 sein, mit einer Option auf 2035
  • Der Kommissionsbericht enthält eine Fülle von sinnvollen Vorschlägen, z.B. Löschung von CO2-Zertifikaten, CO2-Bepreisung, Netzoptimierung, Lastmanagement, Speicher, Weiterentwicklung KWK...

Es wird sich zeigen, ob das alles auch umgesetzt wird...

Aber: Die Grundlage der Berechnungen ist überholt.

So werden die Klimaschutzziele von Paris nicht eingehalten – das Budget wird um das Doppelte bis Dreifache überschritten (Abb. 1)!

Die Kohlekommission hat den Klimaschutzplan 2050 zu Grunde gelegt. Bis 2030 sollten 55% CO2 eingespart werden und bis 2050 80-95% der Emissionen des Jahres 1990 (1250 Mio. t CO2). Davon abgeleitet werden die Sektorziele für die einzelnen Bereiche (Ziel Energiewirtschaft 2030: Reduktion auf 175-183 Mio. t CO2; 2017 lagen sie bei 330 Mio. t).

  • Seit 2016 sind diese jedoch überholt. Wir wissen heute, dass zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels Deutschland nur noch ein Gesamtbudget von 6000 Mio. t zusteht (ab Ende 2017). Zur Erreichung des 2-Grad- Ziel sind es ca. 8000 Mio. t (Abb. 1).
  • Mit den zu Grunde gelegten Zielsetzungen aus dem Klimaschutzplan 2050, welche die Kohlekommission ansetzte, werden jedoch CO2-Emissionen in Höhe von knapp 16.000 Mio. t verursacht (Abb.2).
Was bedeutet Reduzierung auf 15 GW Braunkohle?

Der in dem roten Rahmen der Abb. 3 dargestellte Strom, wird in Zukunft nicht mehr durch Braunkohlekraftwerke produziert, sondern durch andere fossile Kraftwerke (v.a. Steinkohle) oder gar nicht mehr (weil er für den Export gedacht war).

Einerseits werden die Lücken im Teil unter dem roten Rahmen in den nächsten Jahren größer, wegen dem Ausbau der Erneuerbaren Energien. Andererseits werden die Lücken aber insbesondere in den Jahren 2022 und 2023 gefüllt, wenn sechs Atomkraftwerke vom Netz gehen und dieser Atomstrom am Markt durch Braunkohlestrom ersetzt wird.

Was bedeutet die Reduzierung auf 15 GW Steinkohlekraftwerke

Der in dem roten Rahmen dder Abb. 4 dargestellte Strom wird in Zukunft nicht mehr durch Steinkohlekraftwerke hergestellt, sondern durch Gaskraftwerke oder gar nicht mehr (weil er für den Export gedacht war).

Einerseits werden die Lücken im Teil unter dem roten Rahmen in den nächsten Jahren größer, wegen dem Ausbau der Erneuerbaren Energien. Andererseits werden die Lücken durch die Stilllegung der Braunkohlekraftwerke gefüllt, insbesondere in den Jahren 2022 und 2023, wenn sechs Atomkraftwerke vom Netz gehen und dieser Atomstrom am Markt auch durch Steinkohlestrom ersetzt wird.

FAZIT

Deutschland wird seine Klimaschutzvereinbarungen von Paris massiv verfehlen! Sie werden um das doppelte bis fast dreifache überschritten.

Der Klimaschutzeffekt durch die wegfallende Strommenge ist ungenügend:

  • Weil die Strommenge insgesamt nicht sehr groß ist.
  • Ein wesentlicher Teil durch andere fossile (jedoch mit geringeren spezifischen CO2- Emissionen pro kWh) Stromerzeuger ersetzt werden.
  • Der Stromexportüberschuss wird sich etwas reduzieren.
  • Eine Reihe von mit großer Wahrscheinlichkeit bereits jetzt nicht mehr wirtschaftlich betreibbaren Kohlekraftwerken wird stillgelegt wird, möglicherweise mit staatlicher Entschädigung.
  • Den übrigbleibenden Kohlekraftwerken steht eine deutlich bessere Auslastung bevor, durch den Atomausstieg und teilweisem Braunkohleausstieg.
Was hilft?
  • Priorität 1: Zielsetzungen auf wissenschaftlichen Stand bringen – denn der Klimaschutzplan 2050 ist überholt – aber leider die einzige gesetzliche Grundlage.
  • Auf die Umsetzung des Kommissionsberichts dringen.
  • Nachverhandeln, weiterer Widerstand.
  • Deutliche CO2-Bepreisung durchsetzen  – auch im NON-ETS-Bereich (auch Landwirtschaft, Gebäude- und Verkehrssektor sollen CO2 senken). 
  • Verschärfter Ausbau der Erneuerbaren Energien.
Trotz aller Kritik, seit Samstag ist klar: das fossile Energiesystem ist am Ende, den Erneuerbaren gehört die Zukunft!

→ Meine Rede im Landtag zur Debatte "Kohleausstieg jetzt umsetzen: Erneuerbare Energien schnell ausbauen"


30.01.2019: Dringlichkeitssantrag: Kohleausstieg jetzt umsetzen

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