16.01.2020

Warum die CO2-Emissionen in Deutschland gesunken sind

Erfreulich ist, dass die Emissionen klimaschädlicher Gase um 35% gegenüber 1990 gesunken sind. Dieser Rückgang geht auf den Stromsektor zurück. Im Gebäude- und Verkehrsbereich sind die Emissionen aber gestiegen!
CO2-Fußabdruck
unser CO2-Fußabdruck muss kleiner werden; ©CC0:geralt;pixabay.com

„Deutschland macht einen großen Schritt im Klimaschutz“ – so ähnlich titelten die Medien in den letzten Tagen. Tatsächlich sind die Treibhausgasemissionen im vergangenen Jahr um über 50 Millionen Tonnen auf etwa 811 Millionen Tonnen CO2eq gesunken. Dies entspricht einem Rückgang von ca. 35 % gegenüber 1990 und damit rückt Deutschland an das 40 %-Ziel für 2020 deutlich näher ran – auch wenn dieses Ziel in diesem Jahr nicht mehr erreichbar sein wird.

Wie kam es dazu?

Der Rückgang der Treibhausgasemissionen geht fast ausschließlich auf den Stromsektor zurück. Im Gebäude- und Verkehrsbereich sind die Emissionen teilweise sogar gestiegen!

Der Rückgang im Stromsektor beruht auf mehreren Faktoren:
  • Der Stromverbrauch in Deutschland ist insgesamt um ca. 3 % (= 20 TWh) zurückgegangen – z.T. wg. zunehmender Effizienztechnologien, z.T. wg. wirtschaftlicher Abschwächung.
  • Die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien ist um ca. 8 % (= 18 TWh) gestiegen. Das lag nur zu einem geringen Teil am Zubau von EE-Anlagen, sondern vor allem daran, dass 2019 ein überdurchschnittlich gutes Wind-Jahr war.
  • Den größten Wandel gab es aber innerhalb der fossilen Stromerzeugung: Ein Rückgang bei der Braunkohle um ca. 22 % und bei der Steinkohle um ca. 33 % und eine Zunahme beim Erdgas um ca. 21 %.
Diese Umverteilung bei der fossilen Stromerzeugung hat zwei wesentliche Ursachen:
  • Zum einen ist der Preis für CO2-Zertifikate im Vergleich zum Vorjahr um 40 % auf durchschnittlich 25 Euro/Tonne CO2 gestiegen. Das ist etwa das Vierfache des Preises von vor fünf Jahren. Da Erdgas am Kraftwerksort wesentlich weniger CO2 emittiert, ergaben sich daraus wesentliche Vorteile für die Gaskraftwerke im Vergleich zu den wesentlich „schmutzigeren“ Kohlekraftwerken.
  • Zum andern ist der Importpreis für Erdgas im vergangenen Jahr extrem gesunken, um ca. 40 %.

Vermutlich ist der niedrige Erdgaspreis mit einem Machtkampf zwischen Russland und USA um den europäischen Gasmarkt zu erklären. 

Niedriger Erdgaspreis - gestiegener CO2-Preis

Diese beiden Komponenten – niedriger Erdgaspreis und gestiegener CO2-Preis - führte dazu, dass moderne Gaskraftwerke am Markt konkurrenzfähig gegenüber Steinkohle- und Braunkohlekraftwerken wurden. Insbesondere, wenn letztere schon älter waren und daher schlechtere Wirkungsgrade aufwiesen.

Durch diesen Wechsel der Marktbedingungen für den Einsatz von Erdgas hat auch der deutsche Stromexport deutlich abgenommen. Unsere Stromexporte sind um ca. 20 TWh gesunken, von ca. 50 TWh auf 30 TWh. Während in früheren Jahren deutscher Braunkohlestrom beispielsweise massiv die niederländischen Gaskraftwerke aus dem Markt gedrängt hatte, hat sich nun die Situation drastisch gewandelt. Allein der Export in die Niederlande ist von 20 TWh auf 7 TWh gesunken.

CO2-Preis spielt entscheidende Rolle

Diese sehr erfreuliche Entwicklung bei den CO2-Emissionen und bei der Nutzung des deutschen Kraftwerksparks hat leider nichts mit der Politik der deutschen Bundesregierung oder dem Klimapaket der Bundesregierung zu tun. Es beweist nur, dass die „Preisfrage“ beim CO2 wie bei den Bezugskosten für fossile Brennstoffe für den Strommarkt entscheidend ist. Aber gerade dazu hat die Bundesregierung nichts beschlossen – ein Mindestpreis von mindestens 50 Euro pro Tonne CO2 ist unsere GRÜNE Forderung. Dann gäbe es auch Planungssicherheit. 

Anmerkung: Der in letzter Zeit viel diskutierte und auf Druck von Bundesrat-Grünen erhöhten CO2 Preis von 10 Euro auf 25 Euro betrifft den sog. NON-ETS Bereich, also Wärme und Verkehr. Da gab es bisher keinerlei Bepreisung. Im Stromsektor existiert der Zertifikatehandel schon seit längerem – dieser bildet sich frei an der Leipziger CO2-Börse - zufällig steht er gerade auch bei 25 Euro /t CO2.

Leider nur ein Einmal-Effekt

Leider muss damit gerechnet werden, dass sich diese positive Entwicklung in 2020 nur bedingt fortsetzen lässt. Es handelt sich vielmehr um Einmal-Effekte. Ob der Erdgaspreis so niedrig bleibt, ob der CO2-Preis so hoch bleibt, ob es wieder ein gutes Wind-Jahr gibt – all das lässt sich schwer vorhersagen. Sicher ist nur, dass der Ausbau der Windenergie in Deutschland stark eingebrochen ist und in 2019 weit hinter dem Zubau der letzten Jahre liegt. Im Bereich Verkehr steigen die Emissionen nach wie vor. Der Wärme- und der Landwirtschaftsbereich stagnieren. Hier muss nun endlich etwas passieren!

In Verbindung stehende Artikel:

14.01.2020: Windkraft braucht echte Wiederbelebung – 10H muss weg!
12.12.2019: Gemeinsam mit neuer Energie
05.12.2019: Anhörung zu Gaskraftwerken im Wirtschaftsausschuss
20.11.2019: Neue Gaskraftwerke für Bayern?

Das könnte Sie auch interessieren