21.03.2017

VBEW mit ihrem Statement zum Thema „Dunkelflaute“ auf Irrwegen

Der Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (VBEW) bleibt bei der Bewertung der „kalten Dunkelflaute in Bayern im Januar 2017“ nicht bei der Wahrheit. Vielmehr lästert Herr Detlef Fischer, Geschäftsführer des VBEW, gegen die Energiewende. Dem möchte ich entschieden widersprechen.
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Vergleich Stromproduktion Gas/Atomkraft Januar 2017 ©ENERGY CHARTS, Fraunhofer: https://www.energy-charts.de

In der Bayerischen Staatszeitung sowie auf der Internetseite des Verbands finden sich Artikel welche die „Kalte Dunkelflaute in Bayern“ falsch darstellen.

Es ist für mich nicht nachvollziehbar, was den VBEW bzw. dessen Geschäftsführer Detlef Fischer bewegt, die Gefahren der Atomkraft so zu verharmlosen und die Vorgänge am Energiemarkt so eigentümlich zu bewerten.

Schon der erste Artikel von Herrn Fischer lag ziemlich deutlich neben dem Thema. Mit seiner umfangreichen Darstellung der Stromsituation am 7./8. Januar – in der wie im Januar nicht unüblich nur wenig Sonne schien und auch wenig Wind wehte – wurden bereits Tatsachen vertauscht. Tatsächlich war trotz eisiger Temperaturen die Stromversorgung in Bayern in keiner Weise gefährdet. Die drei Kraftwerksblöcke in Irsching (zusammen mehr als 1700 MW Leistung) taten keinen Mucks. Sie wurden nicht gebraucht.

Wenn Herr Fischer in seiner Erwiderung auf die berechtigte Kritik des Bundesverbands Windenergie nun den starken Einsatz der Irschinger Gaskraftwerke im Januar herbeiredet, so verdreht er nochmals die Tatsachen. Die Irschinger Kraftwerke waren im Januar nur dann in Betrieb, wenn in Bayern Atomkraftwerke nicht zur Verfügung standen.

Am 9. Januar musste Gundremmingen C wegen eines Schadens vom Netz, worauf Irsching 5 in Betrieb genommen wurde. Als Gundremmingen C nach vier Tagen wieder funktionierte, war auch Irsching 5 wieder im Stillstand.

Der nächste Einsatz folgte am 15. Januar. An diesem Tag wurde im AKW Isar 2 – mitten im Winter ein 10-tägiger Brennelementwechsel durchgeführt. Dass Atomkraftwerke mitten im Winter Brennelemente wechseln, obwohl doch in dieser Zeit der Strombedarf am höchsten ist, ist auf die Gewinnmaximierung der Betreiber zurückzuführen. Weil die Brennelementesteuer zum 1.1.2017 weggefallen ist, haben alle AKW-Betreiber den Einsatz neuer Brennelemente ins neue Jahr verlegt. In dieser Zeit kamen die Irschinger Kraftwerke wieder zum Zug. Kaum war der Brennelementewechsel vollzogen, wurden auch die Irschinger Kraftwerke wieder abgeschaltet.

Und noch eins: Bei der angeblich so angespannten Situation im Januar wurde lediglich die Hälfte der Irschinger Kraftwerksleistung angefordert – und das für zwei Stunden.

Eine Analyse der Stromsituation im Januar bringt vor allem zwei Erkenntnisse:

  • Die Stromversorgung in Bayern war alles andere als gefährdet. Es standen noch zahlreiche Ersatzkapazitäten zur Verfügung.
  • Gaskraftwerke sind ein wunderbarer Ersatz für Atomkraftwerke. Eine schnellere Abschaltung ist möglich und sinnvoll.

Und abschließend noch zu dem Loblied von Herrn Fischer auf die Atomkraft: Die Atomkraft wird uns noch sehr teuer zu stehen kommen – sie ist tatsächlich das Gegenteil von "umweltverträglich und preiswert"! Generationen nach uns werden uns noch verteufeln, dass wir jemals mit dieser Hochrisikotechnologie hantiert haben. Heute, im Rückblick auf das tatsächliche Scheitern der Technologie und die eingetretenen Katastrophen ein Loblied auf die Atomkraft anzustimmen, ist wirklich vollkommen fehl am Platz!


21.11.2017: AKW Gundremmingen: Fehlerhafte Brennelemente
08.02.2017: Stromversorgung in der Dunkelflaute

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