30.04.2018

Kläranlage Weißenburg ist Vorreiter

Die Kläranlage Weißenburg betreibt eine 4. Klärstufe, um Problemstoffe wirkungsvoller zu beseitigen. Vor Ort erfuhr ich mehr über das Pilotprojekt und die Wirkungsweise der Anlage.
Besuch der Kläranlage Weißenfeld ©Foto: Eigene Aufnahme
©Foto: Eigene Aufnahme

Die Qualität unserer Oberflächengewässer ist nicht zufriedenstellend. Nur noch wenige Bäche, Flüsse und Seen gelten als wirklich sauber. Obwohl die Mikroverunreinigungen aus Haushaltsabwässern der Kläranlagen in den letzten Jahren in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt sind.

Problemstoffe durch Kläranlagen

Rückstände von Arzneimittelwirkstoffen, Bioziden, Mikroplastiken, multiresistenten Keimen und Pflanzenschutzmitteln sind derzeit die bekanntesten Problemstoffe für unsere Gewässer und damit auch für uns Menschen. Diese Stoffe werden in den Kläranlagen so gut wie gar nicht zurückgehalten.  

Das bedroht nicht nur die Lebewesen in unseren Flüssen und Bächen, sondern auch direkt uns Menschen. Denn die Gewinnung unseres Trinkwassers wird auch zu einem erheblichen Anteil aus ufernahen Brunnen (Uferfiltrat) gewonnen.

Es gibt also viele Gründe um die Abwässer aus Kläranlagen so schadstofffrei wie möglich zu halten.

4. Reinigungsstufe

In der Stadt Weißenburg gibt es seit Oktober 2017 ein Pilotprojekt, bei dem die Nutzung einer 4. Reinigungsstufe erprobt und wissenschaftlich begleitet wird. Die Nachrüstung der Kläranlage ist der erste großtechnische Versuch in Bayern. Ich habe ich mich vor Ort in der Kläranlage in Weißenburg über die ersten Ergebnisse informiert. Mit dabei, mein Landtags-Kollege Dr. Christian Magerl, Vorsitzender des Umweltausschusses, der Landesvorsitzende der GRÜNEN Eike Hallitzky, Winfried Kucher der Direktkandidat für die Landtagswahl 2018 für den Stimmkreis Weißenburg und Gunzenhausen sowie andere kommunalpolitisch aktive.

Mittels Ozon und nachgeschalteten ­Filtern sollen Arz­neimittelrückstände und Pflanzenschutzmittel aus dem Abwasser entfernt werden. Im Zentrum unseres Interesses stand neben der Frage „Wie sauber und wie erfolgreich die Anlage bislang funktioniert“ vor allem, „Warum wurde Weißenburg als Standort ausgesucht“.

„Ausschlaggebend für den Standort Weißenburg war neben den guten Voraussetzungen für die Umsetzbarkeit auf dem Kläranlagengelände vor allem die Einleitung des Abwassers in die Schwäbische Rezat. Diese gilt aufgrund der niedrigen Abflüsse als wasserwirtschaftlich sensibles Gewässer.“ so Martina Hanke von der Stadtverwaltung Weißenburg.

Frau Schatz vom zuständigen Ingenieursbüro Dr. Resch und Partner, ging in ihren Ausführungen auf die 12 Indikatorsubstanzen ein, wie Amisulprid, Carbamazepin, Citalopram, Clarithromycin, Diclofenac, Hydrochlorothiazid, Metoprolol, Venlafaxin, Benzotriazol, Candesartan, Irbesartan und Tolyltriazol. Sie sollen dem Nachweis der Reinigungsleistung dienen. Das Landesamt für Umwelt (LfU) führt zudem in der Schwäbischen Rezat ein Monitoringprogramm durch, bei dem an Messstellen oberhalb und unterhalb der Kläranlageneinleitung Forellen und Muscheln untersucht werden.

Wie funktioniert die 4. Reinigungsstufe?

Herkömmliche Kläranlagen sind mit drei Reinigungsstufen ausgestattet: mechanische, biologische und chemische Verfahren. Die vierte Reinigungsstufe ist ein zusätzlicher Verfahrensschritt zur Beseitigung der Mikroschadstoffe. 

Nach der vorgeschalteten Ozonierungsanlage passiert das Abwasser zwei parallel betriebene Filtersystemen (Aktivkohlefilter und Sandfilter). Durch das Einbringen von Ozon (O3) als starkes Oxidationsmittel in den Abwasserstrom werden Arzneimittel und Hormone aufgespalten. Die Spaltprodukte und das Mikroplas­tik sollen dann in zwei großen Filterstraßen mittels Aktivkohle und Sand aus dem Abwasser entfernt werden. Bislang ist das auch in Deutschland eine einmalige Kombination zweier Techniken.

Resümee

Ich bin gespannt auf die Ergebnisse dieses Pilotversuchs. Ich möchte, dass eine vierte Reinigungsstufe in Bayern verpflichtend wird, damit Arzneimittelreste, Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und Mikroplastik nicht weiter ungefiltert in unseren Bächen und Flüssen landet.

Link:
http://www.wwa-an.bayern.de/abwasser/landkreis_wug/pilotvorhaben_wug/index.htm

 



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