29.09.2022

Einsatzreserve für zwei AKWs

Frankreich meldet weiteren Ausfall der Atomkraft. Das wirkt sich auch auf Deutschland aus. Zwei deutsche Atomkraftwerke dienen jetzt bis April als Einsatzreserve.
©Foto: www.pixabay.com

Während in Deutschland etliche Politker*innen die Atomkraft wieder herbeireden wollen, brauchen wir nur in Punkto Verlässlichkeit in unser Nachbarland zu blicken. In Frankreich ist mit einem langen Ausfall der Atomkraftwerke zu rechnen. Das von Atomenergie abhängige Frankreich braucht nun also unseren Strom.

28 Anlagen von den 56 AKWs sind dort nicht am Netz, die Reparatur dauert deutlich länger als geplant. Aufgrund der sich daher weiter zuspitzenden Lage in Frankreich, hat sich nun auch die Situation in Deutschland geändert. 

Die Atomkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim 2 sollen daher nach dem Ende ihrer regulären Laufzeit am 31.12.2022 in eine neue Einsatzreserve überführt werden, um bei einem drohenden Stromnetzengpass bereit zu stehen. Die Betreiber sollen jetzt alles dafür unternehmen, damit ihre Anlagen auch tatsächlich einsatzbereit sind, sollten sie gebraucht werden. 

Dabei ist ganz klar: das fixe Ende der Atomkraft in Deutschland ist spätestens der 15.04.2023. Es werden keine neuen Brennelemente beschafft. Am Atomausstieg wird nicht gerüttelt.

Basis für die Entscheidung von Energie- und Wirtschaftsminister Robert Habeck sind die Daten zum Stresstest.

Untersuchte Kriterien des Stresstests sind:

  • an den Markt zurückgekehrte Kohlekraftwerke
  • Verfügbarkeit der Gas- und Kohlekraftwerken (technische Verfügbarkeit, Brennstoffversorgung)
  • zu erwartende Entwicklung des Stromverbrauchs
  • Versorgungs-Lage in Frankreich, das extrem von Atomkraft abhängig ist

Für Frankreich haben sich die Daten in den letzten Wochen immer weiter nach unten entwickelt. Von ursprünglich angegebenen 50 GW an Leistung aus den dortigen Atomkraftwerken im Winter ist nicht mehr auszugehen. Jetzt rechnen die Übertragungsnetzbetreiber in Frankreich nur noch mit 40-45 GW. 

Die Lage hat sich also deutlich verändert und darauf muss nun reagiert werden. 

Für Isar 2 bedeutet das, dass das Kraftwerk im Oktober heruntergefahren wird, um die Druckhalter Leckagen zu reparieren. Danach fährt es durch bis Jahresende. Anfang Dezember wird entschieden, ob Isar 2 weiterlaufen soll. Falls nein, ist endgültig am 31.12.22 das Ende des Betriebs. Falls ja, wird das AKW bis Anfang März weiterlaufen. Dann sind die Brennelemente weitestgehend abgebrannt und der Atommeiler wird danach endgültig abgeschaltet (also rund 10 Wochen später als im Atomgesetz fixiert).

Rechtliche Änderungen im Atomgesetz sind notwendig. Dies wird im Oktober im Bundestag geregelt. Es handelt sich aber nur um die Verschiebung des Datums des Leistungsbetriebs. Andere Regelungen werden nicht angetastet. 

Der Betrieb der Anlagen erfolgt wie bisher uneingeschränkt in der atomrechtlichen Verantwortung und Haftung der Anlagenbetreiber ohne Einschränkungen bei der Sicherheit des Betriebs der Anlagen. 

Glücklich bin ich mit dieser Entscheidung nicht. Und es ist schon irre, dass wir nun wegen der unzuverlässigen Atomkraft in Frankreich bei uns einen Notfallbetrieb von Isar 2 und Neckarwestheim 2 vorsehen müssen. Die Situation erfordert es aber. 

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