30.11.2019

Die Atomkraft hat keine Zukunft!

Warum Populisten die Renaissance der Atomkraft heraufbeschwören und warum das Blödsinn ist, erfahren Sie hier. Am Ausbau der Erneuerbaren Energien führt kein Weg vorbei!
©Bild CC0: pixabay.com

Im Wirtschaftsausschuss im Oktober wurden zwei AFD Anträge zu Atomkraft behandelt. Die AFD sieht eine Renaissance der Atomkraft und setzt auf neue Reaktoren.

Wir GRÜNE sagen klar Nein

Im Ausschuss habe ich das begründet: Derzeit sind 55 Reaktoren weltweit im Bau. Darunter befinden sich aber viele, die seit Jahrzehnten im Bau sind, wie z.B. Angra 3 in Brasilien (seit 1985 im Bau). Davon sind 48 in Asien, Russland und anderen osteuropäischen Ländern. Ganze drei sind es in Westeuropa und zwei in Nordamerika.

Schauen wir uns die drei europäischen Projekte an:
  • Olkiluoto in Finnland. Der Bau begann 2005 und sollte 2009 fertiggestellt werden. Es war ein Vorzeigeprojekt. Kollegen aus der CSU-Fraktion sind damals medienwirksam auf die Baustelle gefahren. Der Reaktor ist bis heute nicht in Betrieb. Immer und immer wieder wurde der Betriebsbeginn verschoben – ähnlich dem Berliner Flughafen. Der Kaufpreis wurde auf 3 Mrd. Euro festgesetzt, bereits 2015 wurden die Baukosten auf 9 Mrd. Euro geschätzt. Käufer (TVO) und Bauherr (Areva) überzogen sich gegenseitig mit Schadensersatzklaren in Milliardenhöhe.

    Der Reaktor ist übrigens ein neuer, moderner Reaktor, der EPR – Europäischer Druckwasserreaktor. Er ist entwickelt worden von einem Konsortium aus Framatom und Siemens – soviel zur deutschen bzw. bayerischen Kernenergiekompetenz.

    Ob er wirklich 2020 fertig wird, bleibt abzuwarten. 
     
  • Eine ähnliche Geschichte hat der Reaktor Flamanville in Frankreich: Baubeginn 2007, bis heute nicht in Betrieb. Inbetriebnahme derzeit 2023 geplant, Baukosten ursprünglich bei 3,3 Mrd. Euro. Nach heutiger Schätzung bei 12,4 Mrd. Euro. Der französische Teilhaber ENEL zieht sich zurück. Pfusch am Bau wird bekannt. Der Stahl hat nicht die erforderliche Qualität, Probleme mit den Schweißnähten. Er soll 2023 fertig werden.
     
  • Beim dritten Reaktor Hinkley Point C in Großbritannien ist es eine ähnliche Geschichte. 
    Genehmigt wurde das Projekt 2013, der Baubeginn war 2019. Hintergrund für die Verzögerung: Erhebliche finanzielle Risiken. Der Baubeginn wurde abgesichert, indem die britische Regierung für einen Zeitraum von 35 Jahren einen garantierten Stromeinspeisevergütung vereinbart hat. Die Höhe beträgt 10,7 Cent/kWh.
    Das ist mehr als das Doppelte was wir heute in Deutschland für neue Solar- oder Windkraftanlagen zahlen – was für ein Irrsinn!

Auf Atomkraft setzen v.a. Länder, die Nuklearmächte sind oder werden wollen. Die Atomkraft hat hier nur teilweise den Zweck der Stromproduktion – angesichts der enormen Kosten klare Sache. Doch weltweit muss Schluss sein mit der Atomkraftnutzung!

Gibt es wirklich neue Entwicklungen?

In den Medien kursieren teilweise Artikel von neuen Reaktorkonzepten, welche für eine wirtschaftliche und sichere Energieversorgung beitragen können. Gemeint ist die Dual-Fluid-Technologie. Diese Technologie wurde von einem privaten Institut für Festkörperphysik in Berlin-Wilmersdorf „entwickelt“. Nach eigenen Angaben besteht der Reaktor bisher nur aus „Computerdateien und Papier“. Die neuesten Veröffentlichungen auf der Homepage dieses Instituts sind aus dem Jahr 2015. Das Institut hat 4 Mitarbeiter. Für die Entwicklung der ersten Stufen wären 1-2 Milliarden Euro nötig. Wer soll diesem 4-köpfigen Team Milliarden zur Verfügung stellen – und warum?

Ich verstehe nicht, wie man eine sichere und zukunftsfähige Energieversorgung auf solch mehr als wacklige Konzepte aufbauen will, für die sich nicht mal die traditionelle deutsche Energiewirtschaft interessiert.

Ein Comeback der Atomindustrie wird nicht kommen.

Auch die Kernfusion ist in sehr sehr weiter Zukunft. 

Das Forschungsvorhaben Wendelstein 7-X: Die Fusionstechnologie verspricht seit Jahrzehnten, dass sie in wenigen Jahrzehnten soweit wären. Auch jetzt sprechen sie davon, dass sie 2050 soweit wären. Ich glaube das nicht, und bis 2050 müssen wir aus Klimaschutzgründen unsere Energieversorgung längst geändert haben. Wendelstein 7-X wird von Bayern nicht subventioniert. Aber das ist der AfD als Leugner des menschengemachten Klimawandels eh egal.

Dann gibt es noch das ITER- Forschungsprojekt in Frankreich mit dem Fernziel der Stromerzeugung aus Fusionsenergie. Das Plasma soll dabei so heiß sein wie auf der Sonne. Vor 2050 wird die Technik nicht verfügbar sein. 

Fazit

Am Ausbau der Erneuerbaren Energien führt kein Weg vorbei. Das ist die Energieform für unsere Zukunft – wir haben das Knowhow dafür schon jetzt – bauen wir sie endlich aus!

In Verbindung stehender Artikel:

21.09.2020: Endlagersuche für Atommüll: Verantwortung für viele Tausende Generationen übernehmen
18.05.2020: Erheblicher Radioaktivitätsaustritt am Forschungsreaktor Garching
10.12.2019: Dual-Fluid-Reaktor - Das vermeintliche Wunderkind der Atomenergie

Energie-WebSeminare

Mein nächstes Energie-WebSeminar

"Bayerns Stromversorgung der Zukunft – Klimaschutz & Versorgungssicherheit im Jahr 2035". Meine Gäste: Christof Timpe und Matthias Koch, Öko-Institut. Dienstag, 1.12.2020, 20 Uhr.

mehr dazu

Aufzeichnung letztes Energie-WebSeminar

Elektroautos - Besser fürs Klima: Mein Gast: Dr.-Ing. Kirsten Biemann (ifeu).

mehr dazu

Alle Energie-WebSeminare anschauen

Auf meinem YouTube-Kanal habe ich alle Aufzeichnungen der WebSeminar Reihe aufgelistet. Viel Spaß beim ansehen.

mehr dazu

Das könnte Sie auch interessieren