E-Mobilität ist im Automobilsektor die Zukunft, doch im globalen Wettlauf drohen wir zurückzufallen. Während China mit Tempo, Stückzahlen und aggressiven Preisen vorlegt, diskutieren wir noch über Kurskorrekturen und Ausnahmen. Die Union stellt derweil erneut das Verbrenner-Aus infrage und torpediert damit Klimaziele in einer Welt, die sich bereits um 1,5 °C erwärmt hat.
Sie ignoriert globale Nachfragetrends und schadet Deutschlands Rolle als Automobilstandort. Dieses Zögern ist verantwortungslos. Wir brauchen jetzt Klarheit: den 2035-Kurs halten, E-Modelle skalieren und das Ladenetz zügig ausbauen – für Klimaschutz, Jobs und Wettbewerbsfähigkeit.
Verkehrswende – doch wo stehen wir überhaupt?
- Marktanteil: Im August waren 19 % aller Neuzulassungen vollelektrisch (BEV). Das ist deutlich mehr als im Vorjahr – ein klares Marktsignal.
- Produktion: In Deutschland wurden im 1. Halbjahr 635.000 BEV gebaut – ein neues Rekordniveau. Das zeigt: Unsere Industrie kann E-Mobilität in großen Stückzahlen.
- Ladenetz: Zum 1. August sind rund 175.000 öffentliche Ladepunkte in Betrieb (ca. 133.000 AC, 42.000 DC). Der Ausbau läuft – muss aber gerade im ländlichen Raum schneller werden.
- Wettbewerb: Chinesische Hersteller erhöhen den Druck in Europa mit günstigeren Modellen und lokaler Fertigung. Wer jetzt zaudert, verliert Marktanteile und technologische Führungsposition.
Seit Wochen und Monaten trommelt die CSU, allen voran EVP-Chef Manfred Weber, für ein „Aus vom Verbrenner-Aus“ und kündigt sogar einen Vorstoß noch im Herbst an. Parallel drängt die EU-Kommission, die eigentlich erst 2026 geplante Überprüfung der 2035-Regel vorzuziehen – ein Signal, das die Debatte zusätzlich anheizt. Dieses Infragestellen klar beschlossener Ziele ist klimapolitisch fatal und ökonomisch riskant: Es zersetzt Planungssicherheit, verzögert Investitionen in E-Mobilität und verlängert fossile Abhängigkeiten – genau in der Phase, in der wir Emissionen schnell und dauerhaft senken müssen und Marktanteile in der Zukunftsbranche E-Mobilität sichern und ausbauen sollten.
Deutschland braucht jetzt Verlässlichkeit statt Rückwärtsgang: Wer die 2035-Leitplanke aufweicht, macht Klimaschutz teurer und unverlässlich, gefährdet Wertschöpfung und überlässt der Konkurrenz die Zukunftsmärkte. E-Mobilität ist die schnellste und effizienteste Route zu Null-Emissionen im Verkehr. Das politische Zickzack der CSU gefährdet genau diesen Pfad.
Warum dieses Zickzack so schädlich ist, liegt auf der Hand: Autokäufe sind Entscheidungen für mindestens acht bis zehn Jahre – oft noch länger. Wird ständig an der 2035-Leitplanke gerüttelt, enden Förderkulissen abrupt und werden täglich neue Ausnahmen diskutiert, dann werden Käufe verschoben oder aus Unsicherheit erneut Verbrenner gewählt. Das verlängert fossile Abhängigkeiten, zementiert Emissionen und macht das Erreichen der Klimaziele teurer. Eine klare Linie ist das beste Konjunktur- und Klimaprogramm – nicht das Zurückdrehen der Uhr. Die jüngsten IAA-Auftritte, in denen das EU-Verbrenner-Aus erneut infrage gestellt wird, sind deshalb wirtschafts- und klimapolitisch verantwortungslos.
Was die CSU verkennt: Wer Scheinlösungen aufwärmt und E-Mobilität schlechtredet, hilft weder Zulieferern noch Beschäftigten – und schon gar nicht dem Klima. Planungs- und Investitionssicherheit gehen verloren, just in dem Moment, in dem Hersteller Milliarden in elektrische Plattformen, Software und Batteriewertschöpfung stecken. Wettbewerbsvorteile werden verspielt, während die Konkurrenz konsequent skaliert und in Europa fertigt. Und Kundinnen und Kunden bleiben verunsichert – obwohl Angebot, Reichweiten und Ladeinfrastruktur wachsen. Die Zulassungen zeigen: Wo die Rahmenbedingungen stimmen, zieht der Markt an und die Emissionen gehen runter.
Kurz: Wer die E-Mobilität torpediert, riskiert Klimaziele, Jobs und die Zukunft unseres Autolands. Wir setzen auf Verlässlichkeit statt Verzögerung: einen klaren 2035-Kurs ohne Hintertüren, sozial gerechte Einstiegsmodelle, ein dichtes Ladenetz auch im ländlichen Raum, faire Strompreise am Lader sowie einen Industrie- und Batterie-Pakt „Made in Europe“. So wird die Verkehrswende zum Klimaschutzmotor und zum Beschäftigungsmotor.
