07.05.2018

Paradoxer Kraftwerkspark Bayern: Gundremmingen und Irsching

AKW Gundremmingen © Foto: eigene Aufnahme

Sie liegen ziemlich genau 100 Kilometer auseinander und doch liegen Welten dazwischen: der letzte Siedewasserreaktor Deutschlands, der Block C des Atomkraftwerks Gundremmingen und der Kraftwerkspark in Irsching mit drei, teils hochmodernen Gaskraftwerken.

Gundremmingen

In Gundremmingen ist immer noch ein Siedewasserreaktor am Netz und das seit 34 Jahren. Es ist nicht nur das älteste in Betrieb befindliche Atomkraftwerk Deutschlands, sondern auch der letzte von insgesamt zehn Siedewasserreaktoren. Siedewasserreaktoren waren eine Billigtechnologie der 60er und 70er Jahre, die in Europa seit 1985 nicht mehr in Betrieb genommen wurde. Der Reaktor in Gundremmingen mit einer Leistung von 1340 MW erreicht nicht mal einen Wirkungsgrad von 35%.

Irsching

In Irsching stehen drei Gaskraftwerk-Blöcke. Zwei davon sind noch sehr jung: Sie gingen im Mai 2010 und im Mai 2011 in Betrieb. Der eine hat 850 MW Leistung, der andere 560 MW. Beide haben einen fast doppelt so hohen Wirkungsgrad von ca. 60%. Der dritte Block ist aus den 70er Jahren, hat über 400 MW Leistung und kommt auf einen Wirkungsgrad von fast40 %.

Die drei Blöcke in Irsching haben gerade mal 16,4 GWh Strom in den vergangenen 12 Monaten (von April 2017 bis April 2018) produziert. Das sind ca. neun Volllaststunden. D.h. die gesamte Stromproduktion von Irsching des letzten Jahres hätte theoretisch in 9 Stunden erfolgen können.

Der alte Atomreaktor in Gundremmingen produzierte in der gleichen Zeit fast 60-mal soviel Strom, nämlich 958 GWh.

Absurd

Wir leisten uns den Betrieb eines alten Siedewasserreaktors mit all seinen Gefahren und die weitere Produktion von hochradioaktivem Atommüll und lassen drei Gaskraftwerke, teils hocheffizient,  360 Tage im Jahr stillliegen.

Diese Situation war Anlass für mich, bei der Bayerischen Staatsregierung nachzufragen, da ich der festen Ansicht bin, dass Gundremmingen C vollkommen überflüssig ist, und mit Irsching genügend Ersatzkapazitäten zur Verfügung stehen würden, so dass die Versorgungssicherheit in Bayern uneingeschränkt gesichert ist.

Doch die Staatsregierung ist dieser Frage wieder elegant ausgewichen. Bei der Beantwortung sagte das Wirtschaftsministerium, dass es nicht auf die insgesamt in einem Zeitraum produzierte Strommenge ankäme, sondern auf die Verfügbarkeit in kritischen Versorgungssituationen. Da hat die Staatsregierung zwar grundsätzlich recht. Aber sie hat bei der Beantwortung auch verschwiegen, dass zwei der drei Irschinger Kraftwerke in diesem Winterhalbjahr nicht ein einziges Mal angefordert wurden und das dritte Kraftwerk nur einen Tag im Einsatz war. Dieser eine Tag, war der 29. Januar. An diesem Tag wurde massiv Strom aus Deutschland exportiert und zwar zu jeder Stunde. Und etwa das 12- bis 18-fache dessen, was in Irsching produziert wurde. Und als es Ende Februar und Anfang März besonders kalt war, wurden die Irschinger Kraftwerke gar nicht gebraucht.

Meine Schriftliche Anfrage zum Thema hier



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