06.05.2022

Grüne CO2-Spar-Tipps für die Staatsregierung

Neue Studie der Grünen Landtagsfraktion ermittelt 23 Maßnahmen, die die bayerischen Treibhausgase bis 2030 um die Hälfte reduzieren und uns von der Importabhängigkeit von Erdgas befreien.
©Eigenes Bild

Laut dem aktuellem bayerischen Klimaschutzgesetz will die Staatsregierung 55 Prozent Treibhausgase bis 2030 einsparen. Seit 1990 bis 2019 sind es aber erst 12,5 Prozent (14 Millionen Tonnen) Treibhausgase wenigert.

In den nächsten acht Jahren müssen somit 57 Millionen Tonnen Treibhausgase eingespart werden. Das wären demnach 7 Millionen Tonnen pro Jahr. Tatsächlich werden aber nur 0,7 Millionen Tonnen Treibhausgase reduziert.

Wir brauchen deshalb eine Verzehnfachung des Tempos beim Klimaschutz! 

Dafür sind tatkräftige Maßnahmen nötig. 

Unter meiner Federführung haben die Landtags-Grünen deshalb eine Studie erstellen lassen. Unter dem Titel „Quantifizierung der Treibhausgasminderungspotenziale möglicher klimaschutzpolitischer Maßnahmen in Bayern für das Jahr 2030“ listet die Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie gGmbH 23 Klimaschutzmaßnahmen auf, die das größte Einsparpotential bei Treibhausgasen bewirken können. Auf der Grundlage umfassender Datengrundlagen wurde detailliert berechnet, dass alleine schon durch diese Maßnahmen eine Einsparung von 30-40 Prozent der bayerischen Treibhausgasemissionen erreicht werden kann.

Einsparungen beim Erdgas – Lösen aus der Importabhängigkeit

Rund 3/4 unserer Treibhausgasemissionen in Bayern entstehen durch die Verbrennung von fossilen Öl, Gas und Kohle. Durch die genannten Klimaschutzmaßnahmen lösen wir uns deshalb auch von der hohen Importabhängigkeit von Erdgas. Diese Dringlichkeit zeigt uns täglich der schreckliche, russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die Umsetzung der Klimaschutzmaßnahmen im Bericht würden zu einer Erdgaseinsparung in Höhe von rund 49 TWh führen. Dies entspricht 44 Prozent des Erdgasverbrauchs in Bayern. Derzeit beträgt der Anteil des russischen Gases noch rund 1/3. Wenn wir also 44 Prozent Erdgas einsparen, ist das komplette, nach Bayern importierte russische Erdgas eingespart.

Einsparungen im Wärmebereich

Die im Bericht ausgewählten vier Sanierungsmaßnahmen im Wärmebereich, wie im Entwurf des grünen Wärmegesetzes (Drs. 18/19043) vorgesehen, würden zu weiteren 12 TWh Einsparungen führen. Durch Sanierungen im vermieteten Gebäudebestand könnten jedes Jahr rund 7 Terawattstunden Erdgas eingespart werden (im ersten Schritt bis 2030 sieht das grüne Wärmegesetz Maßnahmen bei der energetisch schlechteren Hälfte der vermieteten Gebäude vor). Durch die Sanierung der bayerischen Schulen würden sich weitere 1,9 TWh Gas einsparen lassen. Nutzen wir das erschließbare Abwärmepotential der Industrie und ersetzen wir weitgehend die 30 Prozent Erdgasnutzung in der Fernwärme, so können weitere 2,8 TWh Erdgas eingespart werden.

Grüne CO2-Spar-Tipps für die Staatsregierung

Die THG-Einsparpotenziale der 23 betrachteten Maßnahmen erbringen im Jahr 2030 eine jährliche Einsparung von rund 27 Millionen Tonnen. Dies entspricht einer Reduktion der heutigen Emissionen um rund 30 Prozent. Die folgenden sieben Maßnahmen könnten die THG-Emissionen deutlich reduzieren: 

  1. Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Windenergie (-4,2 Mt)
  2. Energetische Sanierung des vermieteten Wohngebäudebestands (-3,6 Mt)
  3. PV-Anlagen auf einem Teil der Anmoor- und Niedermoorflächen (-3,1 Mt)
  4. Reduktion der Tierbestände (-2,7 Mt)
  5. Verdoppelung des ÖPNV und des Rad- und Fußverkehrsanteils (-1,9 Mt)
  6. Steigerung des Schienen-Güterverkehrs auf einen Anteil von 40 Prozent (-1,7 Mt)
  7. Wiedervernässung der Moore (-1,6 Mt)

Für die Minderung der energiebedingten Emissionen ist ein Ausbau der Stromerzeugung aus Wind und Photovoltaik sowie eine ambitionierte energetische Gebäudesanierung von besonders hoher Relevanz. Aber auch Verlagerungen des Personen- und Güterverkehrs auf klimafreundlichere Verkehrsmittel können sehr bedeutsame Emissionsreduktionen mit sich bringen. Im Bereich der Landwirtschaft und der Landnutzung liegen wiederum erhebliche Potenziale in einer Reduktion der Tierbestände sowie einer Wiedervernässung von Moorflächen.

Fazit:

Das novellierte Klimagesetz der Staatsregierung enthält im Entwurf keinen konkreten Fahrplan zur Erreichung der bayrischen Klimaziele. Auch das Klimaschutzprogramm (sog. 10-Punkte-Papier) weist kaum verbindliche Maßnahmen auf. Unsere Studie zeigt klar auf, dass Maßnahmen in den Bereichen Ausbau Erneuerbare Energien, Mobilität, Landwirtschaft, Moorschutz und Wärme notwendig sind. Die Maßnahmen mit sehr großen Einsparungspotenzial haben wir in der Studie benannt. An diesen Maßnahmen kommt man nicht vorbei, wenn die Klimaziele erreicht werden sollen.

Die Studie zeigt: Es geht – wir müssen nur endlich ernst machen beim Klimaschutz.Wir fordern deshalb die Staatsregierung auf endlich anzupacken!

Studie: „Quantifizierung der Treibhausgasminderungspotenziale möglicher klimaschutzpolitischer Maßnahmen in Bayern für das Jahr 2030“

Ausführlichere Zusammenfassung der Studie als pdf (Pressepapier)

 

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