06.09.2022

Ergebnis des Stresstests

Gestern stellte Wirtschaftsminister Habeck den Übertragungsnetzbetreibern den Stresstest vor. Dieser zeigt, dass wir über viele Möglichkeiten verfügen, um die Netzstabilität und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Nur im Worst-Case-Szenario ist der vorübergehende Weiterbetrieb von Isar II vorgesehen. ©Foto: ulleo; Picabay.com

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es aufgrund der schwierigen Situation im kommenden Winter beim Auftreten von Stresssituationen im Netz (insbesondere im Süden) zu Stromausfällen kommen könnte. Der zweite Netzstresstest kommt zu dem Ergebnis, "dass stundenweise krisenhafte Situationen im Stromsystem im Winter 22/23 zwar sehr unwahrscheinlich sind, aktuell aber nicht vollständig ausgeschlossen werden können".

Robert Habeck schlägt deshalb vor, die AKW Isar 2 und Neckarwestheim 2 für den Winter 2022/23 in eine sogenannte Einsatzreserve zu überführen. Das heißt: Sie gehen Ende des Jahres vom Netz und werden nur dann wieder hochgefahren, sollte sich eins dieser härtesten Szenarien abzeichnen. Tun sie das nicht, bleiben die AKW vom Netz.

Für eine sichere Stromversorgung im Winter ist ein Bündel an Maßnahmen vorgesehen: Von zusätzlichen Kohlekraftwerken über vertragliches Lastmanagement bis zur höheren Auslastung der Freileitungen über Temperaturmonitoring.

Worst-Case-Szenario

Eine Option der Stromerzeugung aus den beiden Kernkraftwerken Isar 2 und Neckarwestheim bleibt erhalten. Sie sollen bei Eintreten des Worst-Case-Szenarios im Notfall über den 31.12.22 bis maximal Mitte April 2023 Strom liefern.

Für dieses Worst-Case-Szenario wurde davon ausgegangen, dass weiterhin die Trockenheit eine Befahrung der großen Flüsse behindert, der Winter so kalt wird wie der extreme Winter 2012 und weiterhin die abgeschalteten französischen Atomkraftwerke nicht ans Netz gebracht werden können. Das Zusammentreffen dieser negativer Konstellationen hat eine sehr niedrige Eintrittswahrscheinlichkeit. Aber auch dann kann die Stabilität im Netz bereitgestellt werden. 

Atomkraft kann Erdgas nicht ersetzen

Der Stresstest hat u.a. auch ergeben, dass die deutschen Atomkraftwerke nur 0,9 TWh Gas einsparen können – das entspricht gerade einmal 1 Promille des Erdgasverbrauchs in Deutschland. Auf der anderen Seite ist und bleibt Atomkraft eine Hochrisikotechnologie – nur im Extremfall soll deshalb für wenige Wochen ein Weiterbetrieb ermöglicht werden. 

Der Stresstest zeigt deutlich: Die Atomkraftwerke helfen uns weder Gas einzusparen noch den Strompreis nennenswert zu senken. Isar 2 kann Bayern lediglich im unwahrscheinlichen Extremfall helfen, das Netz stabil zu halten. Wer jetzt noch immer nach Laufzeitverlängerung schreit, hat das Ergebnis des Stresstests nicht verstanden.

Energiepolitische Fehler in der Vergangenheit

Für uns Grüne steht das Wohlergehen der Menschen an erster Stelle. Dazu gehört auch eine stabile Energieversorgung. Die schweren energiepolitischen Fehler der letzten Jahre erfordern heute eine Entscheidung, die es bei weitsichtiger Energiepolitik nicht gebraucht hätte: Wir müssen die beiden süddeutschen Atomkraftwerke für den Winter 2022/23 in Notreserve halten.

Wir sehen an der Entscheidung deutlicher als je zuvor, dass die CSU in Bayern das Energiesystem völlig falsch ausgerichtet hat: Den Ausbau der Erneuerbaren Energien verschleppt, den Netzausbau sabotiert, eine gasabhängige Freunderlwirtschaft mit dem Despoten Putin aufgebaut. Die AKW-Notreserve ist das Symptom der völlig verfehlten Energiepolitik der letzten Jahre. 

Atomausstieg nach wie vor

Wir halten mit dieser Entscheidung am Atomausstieg fest. Es gibt keinen automatischen Streckbetrieb, keine Laufzeitverlängerung und keine neuen Brennstäbe. Die Atomkraft bleibt eine hochgefährliche und teure Risikotechnologie von gestern. Diese Maßnahme ist lediglich zur kurzfristigen Krisenbewältigung da.

Die Staatsregierung muss alles dafür tun, dass die Sicherheit des alten Atommeilers bei Landshut gewährleistet ist, auch in der Zeit der Notreserve. Das ist Aufgabe des bayerischen Umweltministeriums als Aufsichtsbehörde.

Versorgunssicherheit ist gewährleistet

Insgesamt hat der Stresstest gezeigt, dass wir in Deutschland über viele Möglichkeiten verfügen, um die Netzstabilität und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten – auch bei komplettem Ausbleiben russischer Energielieferungen. Wir haben eine sehr hohe Versorgungssicherheit im Stromsystem. Wir haben genug Strom in und für Deutschland. Das ist ein sehr gutes Ergebnis und eine sehr kluge Entscheidung des Bundeswirtschaftsministers Habeck. 

Interessante Links:
Downloads:

Gutachten Laufzeitverlängerung Raetzke hier...

TÜV Süd hier...

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