20.08.2020

Die Zukunft unserer Biogasanlagen

Unser grünes Ziel ist der Erhalt der bestehenden Biogasanlagen, ihre Flexibilisierung, ihre Diversifizierung und eine sinnvolle und umfassende Abwärmenutzung. Mit den derzeitigen Preisen und Anreizen ist dies nicht zu schaffen.
Biogasanlage; ©Foto: eigene Aufnahme
Biogasanlagen und deren Leistung in Bayern; ©Schaubild: eigene Darstellung
Der Anbau von alternativen Energiepflanzen, wie z.B. der Silphie soll stark erhöht werden;©Foto: eigene Aufnahme
Rohstoffe für Biogasanlagen in Bayern; ©Schaubild: eigene Darstellung (zum Vergrößern anklicken)
Situation im Jahr 2020

In Bayern erzeugen rund 2570 Biogasanlagen über 6,5 Terawattstunden. Von dem gesamten bayerischen Stromverbrauch in Höhe von 83 TWH im Jahr 2018 deckte Biogas somit knapp 8%. 

Biogas hat den enormen Vorteil, dass es speicherbar ist und somit flexibel eingesetzt werden kann. Sonne und Wind werden im Energiesystem der Zukunft die Hauptlast der Erzeugung tragen. Sie sind hocheffizient und kostengünstig – aber eben abhängig von der Wetterlage. Zur Schließung der Erzeugungslücken kann Biogas einen wichtigen Beitrag leisten. 

Die Verteilung der Anlagen ist in Bayern sehr unterschiedlich. In manchen Regionen führt das zu durchaus negativen Folgen. Die Pachtpreise sind in den „Biogas Hot Spots“ auf über 1000 €/ha/a gestiegen und der Anbau von Mais ist sehr hoch. Mein Landkreis Ansbach liegt mit 183 Anlagen und einer installierten, elektrischen Leistung von 109 MW an der Spitze Bayerns. Es folgt der südlich angrenzende Landkreis Donau-Ries mit 99 Anlagen und 73 MW installierter Leistung. Die anderen Landkreise sind weit abgeschlagen. 

Der Preis für die Speicherbarkeit der Erneuerbaren Energien beim Biogas ist ein hoher Aufwand für die Energieerzeugung. Auch die notwendige Flächengröße ist enorm. Laut Bayerischem Agrarbericht 2018 beträgt die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche in Bayern 2017 rund 3,13 Mio. Hektar. Für die Biogasproduktion werden Substrate verschiedener Kulturen auf rund 11 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche (350.000 Hektar) angebaut (Quelle im Internet Stand 26.06.2019). Zur Deckung von 8 % des bayerischen Stromverbrauchs werden 11 % der landwirtschaftlichen Fläche Bayerns benötigt. 

In ganz Deutschland werden rund 1,4 Millionen Hektar für Biogaserzeugung angebaut. 

Ü20 Anlagen

Im Jahr 2000 waren in Bayern bereits 140 Anlagen im Betrieb. Diese fallen Ende des Jahres aus der 20-jährigen EEG Vergütung. Im Jahr 2001 gingen weitere 142 Anlagen in Bayern ans Netz. Einige Betreiber haben bereits vorgesorgt und sich an Ausschreibungen für Bestandsanlagen beteiligt und so den Weiterbetrieb für weitere 10 Jahre gesichert. Für viele Betreiber gerade kleinerer und mittelgroßer Anlagen ist das derzeitige Höchstgebot von 16,4 Cent aber zu niedrig. 

Alle Ausschreibungen der Bundesnetzagentur waren stets unterzeichnet. Zudem sind in den Ausschreibungen auch Biomasseanlagen und Abfallanlagen enthalten. Der tatsächliche Anzahl an Biogasanlagen ist somit noch geringer.

Die Bundesnetzagentur könnte bei dreimaliger Unterzeichnung das Höchstgebot um 10% anheben. Weshalb diese notwendige Erhöhung um rund 1,6 Cent/kWh nicht erfolgt, ist fraglich. Und für die Energiewende und den Fortbestand der Biogasanlagen dramatisch. 

Flexibilisierung

Zudem ist seit dem Sommer 2019 die Flexprämie in Höhe von 130 Euro pro KW ausgeschöpft. Sie war auf 1000 MW beschränkt. In Deutschland sind aber 4200 MW installiert. Eine fünffache Überbauung ist erlaubt. Deshalb ist bei den 1000 MW nur ein kleiner Anteil abgedeckt. Unsere grüne Forderung ist eine Abschaffung des Deckels. Jede Biogasanlage, die flexibilisieren will, soll dafür die Prämie von 130 Euro/kW erhalten. 

Diversifizierung* und Gülleeinsatz

Der Einsatz von Gülle ist in Bayern und deutschlandweit noch immer bei lediglich 30% der anfallenden Gülle. Ziel müssen aber 80-90% sein. Der Einsatz von pflanzlichen Abfällen und der Anbau von alternativen Energiepflanzen, wie z.B. der Blühpflanze Silphie, muss stark erhöht werden. Dies kann entweder über §44 im EEG erfolgen oder gesondert über Zulagen. 

Der Maisdeckel bei Anlagen, die neu eine Ausschreibung gewonnen haben, beträgt im Jahr 2021 44%. Diese Regelung ist angesichts der hohen Erosionsgefahr von Mais bei Starkregen sinnvoll. Die Förderung von alternativen Sorten in einer eigenen Sondervergütungsklasse, wie es von vielen Verbänden gefordert wird, unterstützen wir.

Wärmenutzung

Die Wärmenutzung ist ebenfalls schlecht ausgenutzt. 1/3 der Anlagen nutzen unter 10% der Wärme. https://www.dbfz.de/fileadmin/user_upload/Referenzen/DBFZ_Reports/DBFZ_Report_32.pdf

Die neuen Ausschreibungen machen hierzu keine Vorgaben. Der reine Anreiz Wärme als Wirtschaftsgut zu vermarkten, genügt aber nicht, um eine flächendeckende Wärmenutzung zu erreichen. Hier muss nachgesteuert werden. 

Fazit

Unser grünes Ziel ist der Erhalt der bestehenden Biogasanlagen, ihre Flexibilisierung, ihre Diversifizierung und eine sinnvolle und umfassende Abwärmenutzung. Mit den derzeitigen Preisen und Anreizen ist dies nicht zu schaffen. Hier muss schleunigst eine Verbesserung gefunden werden. Im September bei der Reform des EEG muss dies enthalten sein.

Das derzeitige Stromvergütungssystem nach dem Prinzip energy-only vergütet die Speicherbarkeit und die Flexibilität in keinster Weise. Damit die Biogasanlagen der Zukunft tatsächlich speziell dann laufen, wenn Sonne und Wind schwächeln, damit sie anfallende Gülle in hohem Maße klimafreundlich vergären, damit sie über ihre Anbauprodukte zur Artenvielfalt in der Landwirtschaft beitragen und zudem ihre Abwärme sinnvoll genutzt wird, braucht es klare Anreize. Diese sind einerseits Förderungen (Diversifizierung, Gülleeinsatz…), andererseits eine kluge Steuerung über die Strombörse (Flexibilisierung…).

Jetzt muss dies schleunigst in die Wege geleitet werden, denn viele Anlagen fallen schon bald aus der Vergütung und ein Weiterbetrieb ist gerade für kleinere und mittlere Betriebe derzeit nicht attraktiv.


von: Martin Stümpfig


*Diversifizierung bei Biogasanlagen bedeutet, dass anstelle von Mais auch andere Energiepflanzen eingesetzt werden (divers=unterschiedlich).

 



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