13.10.2021

Besuch Intersolar-Messe München

Nach einem Jahr Corona-Pause konnte endlich wieder die internationale Solarmesse "Intersolar" in München stattfinden. Die Solar- und Speicherbranche hat Aufwind – das war deutlich zu spüren. Ein Bericht meines Messe-Rundgangs:
Gespräch mit Carsten Körnig, Jörg Ebel vom Bundesverband Solarwirtschaft BSW
Gespräch mit Franz-Josef Feilmeier von der Fenecon GmbH, einem Speicherhersteller aus Deggendorf
Die Fa. Ostermeier H2ydrogen aus Schweitenkirchen besuchten wir am Stand von Bayern innovativ
Sono Motors aus München entwickelt Solarautos

Die Hallen waren alle sehr gut besucht und es herrschte überall gute Stimmung. Ein sehr gutes Gefühl - und so machte unser Rundgang mit dem bayerischen Landesvorsitzenden der Grünen Thomas von Sarnowski, unserer Energiereferentin Ramona Wüst und meinen persönlichen Referenten Oliver Rühl richtig Spaß. 

Wie auch bei den vergangenen Solarmessen gab es viele technischn Innovationen und Neuheiten, die Ausstellende aus der ganzen Welt präsentieren. Natürlich ging wegen der Corona Pandemie wie erwartet die Anzahl der Aussteller, deutlich zurück.

Die Vielfalt der Präsentationen zeigt, was diese Messe seit vielen Jahren repräsentiert: sie bringt Menschen zusammen, die Aktiven der Energiewirtschaft treffen sich in München.

Als Landtagsabgeordneter wurde ich oft angesprochen, welche Rahmenbedingungen von der Politik erwartet werden. Dies ist gepaart mit einer positiven Grundhaltung.

Mit dem Gespräch mit Carsten Körnig, Jörg Ebel vom Bundesverband Solarwirtschaft BSW haben wir unseren Messetag eröffnet. Dabei haben wir große Übereinstimmungen festgehalten und uns über die Herausforderungen ausführlich ausgetauscht.

Das 100Tage-Programm für die neue Bundesregierung war das bestimmende Thema. Grundlage für alles ist ein deutliches Anheben der Ausbauziele: 12 GW pro Jahr zu Beginn und dann ab Mitte der 20er Jahre 20 GW pro Jahr. Für Bayern deckt sich dies mit unseren Grünen Zielen: 3 GW Ausbau pro Jahr. Derzeit haben wir nur 1,3 GW Zubau in Bayern. 

Dächer belegen: 

Die Bereiche, welche die letzten zwei Jahre gut liefen, wurden durch das EEG 2021 wieder stark eingebremst. Bei den Gewerbedächern brach der Ausbau ein, nachdem CDU/CSU und SPD hier eine Ausschreibungspflicht ab 300 KW einführten - kombiniert mit einem Verbot der Eigenstromnutzung. 

Bei Dächern zwischen 300 und 750 MWp gab es die Möglichkeit, auch das alte Marktprämienmodell zu nutzen – aber die Hürde ist hier eine verpflichtende Eigenstromnutzung von 50 %. Die Ausbauzahlen gingen massiv in die Knie. Wer kommt auf so etwas? Niemand, der Erneuerbare fördern will. 

Deshalb: Dächer raus aus der Ausschreibung! Keine Vorgabe für Eigenverbrauch. Freifläche Ausschreibungen erst ab 1 MW.

Messen eignen sich vor allem, sich über junge Firmen zu informieren, und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Die Startups waren wieder zahlreich vertreten und wir hatten spannende Gespräche. 

Z.B. mit Sono Motors aus München, die Solarautos entwickeln. Im Frühjahr 2023 ist die Auslieferung der vorbestellten 15.000 Fahrzeuge geplant. Pro Jahr planen sie mit 30-40.000 Autos. Das Start-Up freut sich über Bestellungen. Das Werk steht in Schweden. Der Sion ist ein geräumiger 4-Türer mit großem Kofferraum. Die Batterie sollte nicht zu groß ausfallen, um den ökologischen Fußabdruck klein zu halten. Die Abfrage der Vorbesteller ergab aber doch eine Präferenz für eine etwas größere Batterie. Sie hat im Sion nun knapp 60 kWp und eine Reichweite von über 400 km. Der Clou: durch die integrierten Solarmodule (1,2 kWp sind in Dach, Motorhaube, Türen eingebaut). An einem sonnigen Tag kann das Auto so 30 km durch die Solaraufladung fahren. Insgesamt kostet das Auto 25.000 Euro. 

Die Fa. Ostermeier H2ydrogen aus Schweitenkirchen besuchten wir am Stand von Bayern innovativ. Herr Ostermeier erklärte uns sein kompaktes System. Ein Elektrolyseur nutzt den (Solar-) Strom und erzeugt Wasserstoff (und Sauerstoff). Das benötigte hochreine Wasser wird intern gefiltert – ein Trinkwasseranschluss genügt. Der erzeugte Wasserstoff wird mit 320 bar in Flaschen abgefüllt. 

Zum Einsatz kommt das Gerät z.B. bei einer landwirtschaftlichen Hühnerhaltung aus Niedersachen. Die große PV-Anlage darf aus netztechnischer Sicht ihre Leistung nur noch teilweise einspeisen. Der Landwirt nutzt den überschüssigen Strom und erzeugt Wasserstoff. Im Winter nutzt er diesen Wasserstoff, um die Ställe zu beheizen und seinen Strombedarf zu decken. Die Kosten der Anlage sind noch relativ hoch. Kleine Einheiten beginnen bei 150.000 € - eine Vervierfachung der Leistung (und nahezu der Kosten) ist möglich im kompakten Schrank mit 2x2m. Ausblick: im Maschinenbau gilt: Verdopplung der Stückmenge, Preisreduktion um 5 %. In 5 Jahren könnte die gleiche Technik bei einer Vervielfachung der Stückzahl nur noch die Hälfte kosten.

Was passiert mit den Batterien, wenn sie keine Leistung mehr haben? Das Startup Betteries Ampes aus Berlin nutzt alte Autobatterien und führt sie einer zweiten Nutzung zu. Die Firma hat einen Vertrag mit Renault und nimmt alte Autobatterien ab. Die Segmente der Batterien werden getrennt und in einer eigens entwickelten Box verbaut und neu verkabelt. Dann dienen sie als fahrbarer Kleinspeicher für verschiedenste Nutzungen (Handwerk, Outdoor...).

Besonders interessant war das Gespräch mit Franz-Josef Feilmeier von der Fenecon GmbH, einem Speicherhersteller aus Deggendorf. Der ganzheitliche Ansatz überzeugt. Die Firma entwickelt seit Jahren Batteriesysteme für Eigenheime und größere Anlagen für Firmen. Als Neuheit hat uns Franz-Josef Feilmeier heuer den mobilen Speicher vorgestellt. Aufgebaut ist der Speicher aus alten BMW-Autobatterien. Der mobile Speicher wird verliehen und kommt dort zum Einsatz, wo saisonal hoher Bedarf ist, z.B. in einer Zuckerrübenfabrik während der Ernte.

Fazit meines Besuchs der Messe der Solarwirtschaft: 

Viele neue Lösungen wurden erneut vorgestellt. Die Branche ist quicklebendig und zeigt den Weg in die Zukunft. Fossile oder atomare Lösungen sind von gestern. Die Erneuerbaren können alles. Wir müssen ihnen nur endlich den Weg frei machen. Dann ist Klimaneutralität möglich. 

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