11.03.2016

5 Jahre Fukushima

Meine Rede zur Auftaktveranstaltung "Märchen Atomkraft - Der lange Weg in eine sichere Zukunft" der Grün-Alternativen Liste Bamberg (5 Jahre Fukushima):
Rede am Grünen Markt in Bamberg
am "Gabelmo"
Atomkraftwerk Gundremmingen - sofort abschalten; ©www.mahnwache-gundremmingen.de

Nach dem Unglück von Fukushima sind deutschlandweit Bürgerinnen und Bürger gegen diese hochgefährliche Technologie auf die Straße gegangen und haben Merkel gezwungen den Ausstieg endlich zu beschließen. Die zahlreichen Mahnwachen in Bamberg waren Teil dieser kraftvollen Bewegung.

5 Jahre ist es jetzt schon wieder her  - diese Katastrophe.

Wie viele tausende Menschen aufgrund des Atomunfalls umgekommen sind, ist bis heute nicht geklärt. Vor allem an den Folgen der Flucht und den lebensfeindlichen Umständen in den Lagern sind viele Menschen gestorben. 120.000 Menschen sind bis heute vertrieben und in die Ortschaften, die wieder als bewohnbar gelten, kehren nur die Alten zurück.

Welche Perspektiven haben diese Städte, diese Menschen in diesen Geisterstädten?

Aber auch bei uns sind die Gefahren noch keineswegs gebannt. Dank unserer atompolitischen Sprecherin Sylvia Kotting Uhl wurde erst die Dimension eines Störfalls im AKW Fessenheim bekannt, welche als Störmeldung nur ein harmloser Dreizeiler war. Bei diesem Störfall im Jahr 2014 drangen jedoch große Mengen Wasser in den Schaltraum, der Reaktor lief im Blindflug, die Techniker entschieden sich für die Notbremse. Aber das Einführen der Steuerstäbe, welche die Kettenreaktion im Reaktor schnell beenden, funktionierte nicht. Die Notbremse fiel aus - eine Situation, die nie eintreten darf! Als letzte Möglichkeit blieb nur noch die Einleitung von Bor in den Reaktor, um so die Kettenreaktion zu verlangsamen. Dies gelang und Mitteleuropa ist an einem Supergau vorbeigeschrammt.

Hinter wie vielen "Dreizeilern" der Aufsichtsbehörden verbergen sich solche Beinahe-GAUs??

Auch die Nachrichten aus Belgien sind erschreckend: Die belgischen AKWs Tihange 2 und Doel 3 haben tausende Risse im Reaktordruckbehälter - den kann man nicht mehr reparieren - trotzdem laufen diese Schrottreaktoren seit letztem Jahr wieder! 

Aber auch der Blick nach Deutschland ist nicht besser. Mit den beiden Blöcken B und C in Gundremmingen sind in Deutschland die letzten Siedewasserreaktoren noch am Netz. Bei dieser "Billigserie" aus den 60/70er Jahren gibt es nur einen Kühlkreislauf. Der radioaktive Dampf wird direkt auf die Turbine geleitet. Das Abklingbecken ist außerhalb des Sicherheitsbehälters. Insgesamt lagert in Gundremmingen ¼ des gesamtem hochradioaktiven Strahlenmülls Deutschlands. In einem weitgehend ungesicherten Abklingbecken und in einem Zwischenlager, das gegen moderne Panzerfäuste chancenlos ist.

Erst am 5.November letzten Jahres ist in Gundremmingen beim Umsetzen von Brennstäben ein größerer Unfall passiert. Ein Brennelement zerbrach. Nur großem Glück ist es zu verdanken, dass es in dem Moment bereits an der Stelle war, wo es eingesetzt werden sollte und so fiel es in den richtigen Schacht. Wenige Zentimeter daneben wäre es vollständig zerbrochen und die gesamte radioaktive Last wäre im Lagerbecken verstreut.

Die beiden Siedewasserreaktoren führen die Störfallstatistik an für sogenannte Vorläufer-Ereignisse: Im Zeitraum 1997 - 2009 - aktuellere Zahlen liegen derzeit noch nicht vor - ereigneten sich 13 Störfälle allein in diesen beiden Siedewasserreaktoren. In allen anderen 7 AKWs - damals war Grafenrheinfeld noch am Netz - kam es zu 10 Störfällen. Und das sind nur die Störfälle, die bekannt wurden. 

Gundremmingen ist das größte atomare Risiko in Deutschland. Diese Reaktoren müssen umgehend vom Netz ! Abschaltung jetzt! 

Gehen die Lichter aus, wenn wir schneller aus der Atomkraft aussteigen?

Ein klares Nein! Wir haben erhebliche Überkapazitäten - jede 3. Kilowattstunde wird heute sauber aus Wind/Sonne/Wasser und Biogas produziert. Flexible Gaskraftwerke sind allein in Bayern in einer Größenordnung von über 4000 Megawatt installiert. Diese können eventuelle Flaute überbrücken - dafür müssen sie aber in den Markt kommen. Jedes Atomkraftwerk, jedes Braunkohlekraftwerk, das endgültig vom Netz geht, verbessert die Marktchancen für flexible Kraftwerke, die besser mit den erneuerbaren Energien harmonieren.

Wir sind Exportweltmeister - auch beim Stromexport. Über 50 Terrawattstunden und somit rund jede zwölfte Kilowattstunde wird exportiert. Die Hochrisikoreaktoren von Gundremmingen produzierten 2015 21 Terrawattstunden - wir können sie locker abschalten!

Und auch wenn wir die spezielle Situation in Süddeutschland ansehen, spricht nichts gegen sofortige Abschaltung: Die in Betrieb gegangene Thüringer Strombrücke hat eine Übertragungskapazität von 3400 Megavoltampere. Das ist eine Wirkleistung von über 2000 MW. Gundremmingen hat eine Leistung von 2500 MW. Mit Unterstützung von dem einen oder anderen Gaskraftwerk kann also Gundremmingen problemlos heute schon abgeschaltet werden.

Was macht die GROKO, was macht Seehofer? In Berlin und München werden die erneuerbaren Energien gnadenlos ausgebremst. Ob 10 H Regelung als Totengräber der Windenergie in Bayern oder das neue EEG, welches nur noch auf Ausschreibungen setzt und der Bürgerenergie den Garaus macht - Seehofer, Gabriel und Merkel sind willfährig den Großkonzernen verpflichtet - sie bremsen die Energiewende komplett aus um den Großkonzernen für ihre uralten und hochgefährlichen Kraftwerke weiter Gelder in den Rachen zu werfen.

Dagegen kämpfen wir - aber gleichzeitig für tausende Arbeitsplätze in diesen Zukunftstechnologien, für eine Energiewende in Bürgerhand, für sichere  und saubere Energien - für 100 % Erneuerbare Energien - in Bürgerhand - das ist unser Ziel! 

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit



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