31.05.2017

Leistungsüberschreitungen: AKW Gundremmingen muss sofort vom Netz

Atomkraftwerk Gundremmingen;©foto:Matin_Stuempfig

Presseerklärung: Vorgänge nähren ungeheuerlichen Verdacht – Überheizte RWE Atomreaktoren um Stromnetz zu stabilisieren?

München (31.5.2017/hla). Mehrere Fälle von bis zu zwanzigprozentigen Leistungsüberschreitungen beim Atomkraftwerk Gundremmingen alarmieren die Landtags-Grünen. „Die Meldungen des Betreibers RWE über die erzeugte Strommenge, die an die Netzbetreiber gingen, sind alarmierend“, so der energiepolitische Sprecher Martin Stümpfig. Bei solchen – in Fachkreisen als Leistungsexkursionen bezeichneten – Vorgängen müsste normalerweise die Reaktorschnellabschaltung greifen.

„Zu klären ist deshalb umgehend, wie es zu dieser scheinbaren Überheizung der Reaktoren gekommen ist, weshalb keine Abschaltung erfolgte, und warum die bayerische Atomaufsicht hiervon nichts mitbekommen hat“, so Martin Stümpfig. Die Landtags-Grünen haben bis dato zwischen Juni 2015 und Mai 2017 insgesamt zehn offizielle auf den Webseiten von RWE und der deutschen Strombörse veröffentlichte Leistungsüberschreitungen gefunden. Die dabei jeweils vorliegende Situation auf dem Strommarkt nährt einen ungeheuerlichen Verdacht: In vielen Fällen gab es aufgrund niedrigen Verbrauchs und hoher Erzeugung im Bereich Wind- und Sonnenkraft Stromüberschüsse im Netz, die in der Regel Stabilisierungsmaßnahmen erforderlich machen. „Dabei werden Kraftwerke im windstarken Norden Deutschlands vom Netz genommen und zusätzliche Kraftwerkskapazitäten im Süden benötigt“, erläutert Martin Stümpfig die so genannte „Redispatch-Systematik“.

In aller Regel werden in diesen Fällen schnell zuschaltbare Gaskraftwerke angefahren. Leistungserhöhungen in Atomkraftwerken über die genehmigte Erzeugungsmenge hinaus wären illegal – vor allem aber hochgefährlich. „Möglich wäre das nur, wenn automatische Abschalteinrichtungen bewusst umgangen würden“, so Martin Stümpfig. „Und das wäre ein Skandal allererster Güte!

Die Landtags-Grünen fordern bis zur Klärung der Vorgänge die sofortige Abschaltung beider Blöcke des AKW Gundremmingen. Mit einer gegenüber der Süddeutschen Zeitung abgegebenen Erklärung vonseiten RWE (Stichwort „Rechenfehler“) geben sie sich nicht zufrieden. Martin Stümpfig: „Wer seine erzeugte Strommenge nicht berechnen kann, der kann auch die Bevölkerung nicht schützen. Das AKW Gundremmingen ist ein Hochsicherheitsrisiko für die Menschen in Schwaben. Jeder Tag, den es früher als geplant vom Netz geht, ist ein guter Tag für Bayern!“

Hinweis: Laut atomrechtlicher Genehmigung darf ein Block des AKW Gundremmingen 1.284 Megawatt erzeugen. Am 23. April 2017 erzeugte Block B über mehrere Stunden bis zu 1.535 Megawatt.  

«Genauere Zahlen der Leistungsüberschreitung und Hintergrundinfos können Sie hier nachlesen»

«Die Süddeutsche Zeitung berichtet in ihrer Mittwochs-Ausgabe über die Vorgänge»